Gottesdienst am 14. Sonntag im Jahreskreis

aus der Basilika Sankt Kunibert in Köln

Predigt von Pfarrer Mike Kolb

Liebe Schwestern und Brüder,

Warum macht Gott das? Es ist doch so ausweglos, so unergiebig, so schwach. Es ist ineffektiv, ohne Erfolg. Warum macht Gott das?

Was denn? Na, die Sache mit der ‚Sendung‘ – nicht Fernsehsendung! Nein, ich meinte den Auftrag da, den wir in der Lesung mitbekommen haben: Ich sende Dich zu ihnen, Menschensohn. – Wohin? Zu Abtrünnigen, zu Abgefallenen, zu Menschen mit harten Herzen und trotzigem Gesicht.

Man wird geschickt, lässt sich beauftragen – in die Resignation, in den Konflikt, in die Ignoranz. Bei Licht besehen, irre, oder? Eine aussichtslose Sache, ein Himmelfahrtskommando …

Gott sendet einzelne Propheten zu Menschen, damit diese sich ändern. Sich ändern, das heißt in der Bibel in der Regel: Umkehr. Das griechische Wort im Neuen Testament für Umkehr heißt: Metanoia.

Wörtlich heißt das so viel wie: eine neue Sichtweise gewinnen, oder: Änderung der bisherigen Lebensauffassung. Wenn wir das heutige, aus dem Buch Ezechiel uns verkündete Himmelfahrtskommando vergleichen mit ähnlichen Berichten in der Heiligen Schrift, dann scheint das doch nicht so aussichtslos wie bei Ezechiel: Einzelne, Gruppen, eine Gemeinschaft, ein ganzes Volk ändert bzw. ändert sich – Worte, Verhaltensweisen, der Umgang miteinander, der Umgang mit anderen Völkern, Gegnern, Feinden – weil sie irgendwie Gott begegnet sind: in Jesus, in sie umwerfenden Ereignissen, in der Natur, in Wundern, in Propheten.

Menschen ändern sich, weil sie Gott begegnen. Verstockte, hartherzige, trotzige, ignorante, mit Hass erfüllte Menschen ändern sich – und das scheint möglich
… weil sie Gott begegnen.

Vielleicht nicht so nachhaltig, vielleicht nicht für immer, aber immer, immer wieder neu!

Was passiert da? Im Evangelium ahnen wir es, auch, wenn Jesus aufgrund der Ignoranz von Menschen es schwer hat: Es passiert Heilung.

In anderen Berichten hören wir von Vergebung und Integration, von Wieder-gehen-können und Wieder-sehen- können, von Versöhnung und Stillung von Hunger und Durst, von Zuwendung und Reinigung, kurz: Begegnungen mit Gott lassen Menschen eine getröstetere, eine bessere Perspektive auf die Welt und das eigene Leben gewinnen – trotz aller Herausforderungen, Schicksale, Tränen, Dunkelheiten.

Das ist unser Schatz und das ist unser Gott! Wir glauben an den Gott, der im Alten Testament sich JHWH nennt – Ich bin da! – und im Neuen Testament in Jesus Christus Mensch wird. Sein Wesen ist Zuneigung, Heilung, leidenschaftliches, ewiges Leben, damit der Mensch in Fülle, erfüllt lebt.

Der erste Satz des oft geschmähten Katechismus der katholischen Kirche drückt das so aus:

„Gott ist in sich unendlich vollkommen und glücklich. In einem aus reiner Güte gefassten Ratschluss hat er den Menschen aus freiem Willen erschaffen, damit dieser an seinem glückseligen Leben teilhabe.“

(KKK 1)

Gott will mich glücklich sehen – und darum sorgt er sich. Damit ich glücklich bin, wendet Gott seine ganze Energie auf. Er wirbt um mich, er klopft an, er begegnet mir in anderen Menschen, er sendet seinen Geist aus – und damit hört er niemals auf. Er gibt mich nicht auf. Er gibt niemanden auf. Egal, wie hart, ignorant, arrogant oder auch gleichgültig ich bin. Paulus drückt das in seinem zweiten Brief an seinen Schüler Timotheus so aus:

„Wenn wir untreu sind, bleibt er doch treu, denn er kann sich selbst nicht verleugnen.“

(2 Tim 2,13)

Gottes Wesen ist seine Treue zu uns Menschen. Er kann nicht anders.

Hand aufs Herz: Ein unglaubliches Bild von Gott – das wir Christen da haben. Eine dem Menschen wirklich würdige Botschaft, eine menschenwürdige Botschaft. Die beste Botschaft der Welt: Menschen ändern sich, weil sie Gott begegnen. Menschen können spüren, dass Gott ihr ewiges Glück will.

Bei allem Streit um Kirche und ihre Lehre, bei aller gegenwärtigen Krise und der verständlichen Frustration, Wut und Enttäuschung der Menschen, die der Kirche den Rücken kehren, bei aller Notwendigkeit von Reform und Veränderungen: Unser Kern, unser Fundament, unsere Substanz ist atemberaubend schön: Menschen ändern sich, weil sie Gott begegnen. Menschen können spüren, dass Gott ihr ewiges Glück will.

So ist er, der Gott, um dessentwillen Kirche nur Sinn macht; der Gott, den Jesus Christus verkörpert, sichtbar macht und bezeugt; der Gott, auf den wir getauft, mit dem wir also für immer verbunden sind.

Ihm Raum geben, mit ihm ins Gespräch kommen, ihn neu kennenlernen, die das Leben tragende Freundschaft mit ihm vertiefen – darauf käme alles an und ohne das ist alles nichts.

Attraktiv für andere sind wir in der Kirche nur, wenn heutige, moderne, im besten Sinne des Wortes freie Menschen nicht zuerst was von Moral hören, von richtiger Lebensweise oder Vorschriften.

Attraktiv sind wir, wenn an Orten kirchlichen Lebens das erlebbar wird: Menschen ändern sich, weil sie Gott begegnen. Menschen können spüren, dass Gott ihr ewiges Glück will.

Wenn das immer mehr gelingt und wenn konsequent alle kirchlichen Initiativen, wo das nicht passiert, sterben dürfen und müssen, dann haben wir die beste Zeit des christlichen Glaubens noch vor uns.

Menschen ändern sich, weil sie Gott begegnen. Menschen können spüren, dass Gott ihr ewiges Glück will.

Amen. Halleluja.


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Dieser Beitrag wurde am 04.07.2021 gesendet.





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