Wort zum Tage, 09.06.2021

von Peter Kottlorz, Stuttgart

Unser tägliches Brot…

„Unser tägliches Brot gib uns heute“

– diese sprichwörtliche Bitte ist aus dem „Vater Unser“, mit dem ich mich diese Woche im „Wort zum Tage" beschäftige.

In dieser Bitte geht es zuallererst um die konkrete Nahrung. Wer je richtig Hunger hatte, und zwar mehr als nur eine Weile Magenknurren, der weiß, wie schlimm das ist.

Das Vater Unser und die darin formulierte Bitte um das tägliche Brot stammen von Jesus. Er hat immer dafür gesorgt, dass die, die zu ihm kamen, erstmal was zu essen bekommen. Brot oder Fische.

Dabei muss ich an die Menschen in der Welt denken, denen es ganz konkret am täglichen Brot fehlt. Durch die Pandemie ist der Hunger in der Welt noch schlimmer geworden. Das sollten wir trotz all unserer eigenen Probleme nicht vergessen.

Körperlich hungernden Menschen ist auch das verwehrt, worum es bei der Vater Unser-Bitte ebenso geht: die seelische Nahrung. Denn ist der Leib einmal gesättigt, dann, aber erst dann, geht es um den seelischen Hunger, den Hunger nach einem guten, sinnerfüllten Leben.

Der wiederum auch mit der Arbeit, dem Broterwerb zu tun hat. Womit sich der Kreis um das tägliche Brot schließt. Und ganz nah und aktuell wird. Weil die Pandemie unsere Gesellschaft geteilt hat.

In einen Teil von Menschen, die durch Corona ihre Arbeit verloren haben oder um ihre finanzielle Existenz bangen. Und in einen Teil von Menschen, die trotz Corona genauso viel oder wegen Corona noch viel mehr als vorher verdienen.

Wir wissen, um welche Berufsgruppen es hier geht. Ich meine, hier sollten wir nicht nur Hilfe vom Staat erwarten. Wir könnten auch als Einzelne und als Gesellschaft reagieren.

Zum Beispiel durch einen Corona-Solidaritätsfonds. Einen Fonds, in den Menschen wie ich freiwillig einzahle. Menschen, die ihr Geld wie bisher bekommen haben und es sich angehäuft hat, weil sie nicht einmal die Möglichkeit hatten, es auszugeben.

Die Gelder dieses Fonds könnten an die Menschen ausbezahlt werden, die über ein Jahr lang weniger oder gar kein Einkommen mehr hatten. Jede Stadt könnte einen solchen Solidaritätsfonds einrichten. Es muss nur einer anfangen. Menschen guten Willens gibt es genug.

Das wäre ein wunderbares Zeichen der Hoffnung und der Solidarität. Und Seelennahrung für alle Beteiligten: Die einen geben von ihrem vielen Brot, das sie gar nicht alles essen können. Und die anderen nehmen von dem Brot, das sie so dringend brauchen. Die einen geben, die anderen nehmen und alle werden satt.


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Dieser Beitrag wurde am 09.06.2021 gesendet.


Über den Autor Peter Kottlorz

Dr. Peter Kottlorz ist Senderbeauftragter der Katholischen Kirche am Südwestrundfunk. Seit vielen Jahren macht er Radiosendungen in den Programmen des SWR sowie Fernsehsendungen. Er ist Jahrgang 1957, verheiratet, hat 3 Kinder und 4 Enkelkinder und wohnt  in Rottenburg am Neckar.

Kontakt
pkottlorz@drs.de

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