Am Sonntagmorgen, 30.05.2021

von Sabine Pemsel-Maier, Freiburg

Der dreifaltige Gott: Eine Beziehungsgeschichte

Ein, zwei oder drei? Die Dreifalitigkeit Gottes ist nicht einfach zu begreifen. Gott ist nur einer, aber in drei "Personen". Es lohnt sich, immer wieder über das Geheimnis nachzudenken - auch, um die Beziehungsebenen Gottes mehr zu verstehen.

© Tofin Creations / Unsplash

„Im Anfang hoch überm Sinn

ist stets das Wort.

O reicher Hort, da je Anfang Anfang gebar!

Oh Vatersbrust, aus der mit Lust

das Wort stets floß.

Doch hat der Schoß

das Wort behalten; das ist wahr.

Von zweien ein Fluten,

der Liebe Glut, der beiden Band,

den zweien bekannt, fließt hervor der süße Geist

ganz gleich, untrennbar.

Die drei sind eins.

Verstehst Du was?

Der Dreiheit Band

hat tiefen Glanz;

Denselben Ring

begreift der Sinn nie.

Hier ist eine Tiefe ohne Grund,

ausgeschaltet sind Zeit, Gestalt, Raum.

Der wunderbare Ring ist eine Quelle,

ganz unbewegt steht ihr Punkt.

 

Die drei sind eins. Verstehst Du was?“

So fragt der unbekannte Autor – vielleicht war es ja auch eine Autorin – eines Gedichtes, das im vierzehnten Jahrhundert im Umkreis des Mystikers Meister Eckhart entstand. 

Das Bekenntnis zum dreieinen Gott

Einfach zu begreifen ist es jedenfalls nicht, das Bekenntnis zum dreieinen oder dreifaltigen Gott. Der eine Gott Jahwe des Judentums, der eine Gott Allah im Islam – das hat eine Eindeutigkeit, die man nicht erklären oder über die man nicht diskutieren muss.

Demgegenüber macht es die Sache mit der Dreieinigkeit alles andere als leicht. Gewiss, die Formel vom Vater, Sohn und Geist, wird Christen vertraut im Lauf ihres Lebens. Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes machen wir das Kreuzzeichen in der Liturgie und immer, wenn wir eine Kirche betreten.

Aber was bedeutet es – intellektuell und auch existentiell? Ist es relevant für das Leben als Christin oder Christ? Oder ist es eher eine theologische Lehrformel, die sich am Ende dann gar als Leerformel“ – mit zwei „e“ geschrieben – erweist?

Der Verdacht ist nicht ganz von der Hand zu weisen. In der Predigerausbildung kursiert folgender alter und etwas boshafter Witz: Einmal im Jahr darf, ja muss der Priester über die Köpfe seiner Gemeinde hinwegpredigen, so dass niemand etwas versteht. Und zwar am Dreifaltigkeits-Sonntag, wo über den dreieinigen Gott zu predigen ist.

Warum darf der Pfarrer an diesem Sonntag über die Köpfe der Gemeinde hinwegpredigen? Die Antwort: Um zu beweisen, dass auch die Theologie eine Wissenschaft ist!

Drei oder eins?

Die Gleichsetzung „je unverständlicher, desto wissenschaftlicher“, die ist in der Tat boshaft. Sie macht auf die zentrale Aufgabe aller Theologie aufmerksam, das, was wir als Christen bekennen, auch verständlich auszulegen. Dabei stellt das Bekenntnis zum dreieinen Gott in mehrfacher Hinsicht vor Herausforderungen.

Es ist erstens theologisch eine Herausforderung: Ist dieses Bekenntnis biblisch und von der Offenbarung her begründet? Oder ist es ein späteres theologisches Konstrukt? Es ist zweitens denkerisch-logisch eine Herausforderung: Drei und eins müssen zusammengebracht werden – wie kann das gelingen?

Es ist schließlich spirituell eine Herausforderung: Inwiefern hat dieses Bekenntnis für den eigenen Glaubens- und Lebensweg eine Bedeutung? Oder noch zugespitzter gefragt: Warum ist es wichtig zu wissen, wie es im innergöttlichen Sein zugeht? 

Biblische Quellen der Dreifaltigkeit

Begeben wir uns als erstes auf eine biblische Spurensuche. Verschiedene neutestamentliche Texte sprechen von Vater, Sohn und Geist, ohne genau zu klären, wie die drei sich zueinander verhalten. Der bekannteste Text ist vermutlich der so genannte Taufbefehl am Ende des Matthäusevangeliums:

„Darum geht zu allen Völkern und macht alle Menschen zu meinen Jüngern; tauft sie im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes."

Solche Aussagen sind nicht aus einer Spekulation erwachsen, sondern aus Erfahrungen, aus Erfahrungen, die die Menschen in der Geschichte mit Gott gemacht haben. Sie haben Gott auf verschiedene Weise als Vater, Sohn und Geist erlebt, und er hat sich ihnen auf diese verschiedene Weise gezeigt.

Hier müssen wir ansetzen: nicht beim dreifaltigen innergöttlichen Leben, sondern bei der Offenbarung Gottes in der Heilsgeschichte, die in der Bibel schriftlich bezeugt ist.

Gott will sich uns mitteilen

Beginnen wir beim Alten Testament. Das mag überraschen, insofern hier gar nicht vom dreifaltigen Gott die Rede sein kann. Das große Thema des Alten Testaments ist der Monotheismus und damit der eine und einzige Gott.

Und dennoch macht es Sinn, hier anzusetzen. Denn im Alten Testament zeigt sich, dass sich Gott von Anfang an als ein Gott offenbart, der zu den Menschen in Beziehung treten und sich der Welt mitteilen möchte. Im Alten Bund ist es der Geist, in dem Gott auf die Menschen zukommt. 

Das hebräische Wort für Geist – „ruach“ – meint Wind, Atem, Lebens­kraft und bezieht sich auf das dynamische, schöpferische Wir­ken Gottes. Dass es im Hebräischen vom grammatikalischen Geschlecht her ein Femininum ist, unterstreicht die lebensschaffende und -erhal­tende Wirkung des Geistes.

Im Geist tritt Gott gewissermaßen aus sich selbst heraus, um bei seiner Schöpfung und in den Menschen gegenwärtig zu sein. Damit finden wir hier einen ersten Ansatz für den Gedanken, dass Gott kein in sich verschlossener Gott ist, sondern einer, der sich mitteilen will.

Gott wohnt nicht erhaben in unendlicher Ferne und schaut auf Welt und Mensch herab, sondern er geht im Geist auf sie zu.

Über Jesus zur Dreifaltigkeit

Der eigentliche Ort, an dem sich Gott als dreifaltiger erschließt, ist das Neue Testament. In seinem Mittelpunkt steht freilich auch nicht die Dreieinigkeit, sondern Gottes Offenbarung in Jesus Christus. Hier gilt es anzusetzen und von dort her das Bekenntnis zum dreieinen Gott zu entfalten.

Die Menschen, die es seinerzeit mit Jesus von Nazareth zu tun hatten oder die ihm einfach nur begegneten, machten die Erfahrung, dass er ein Mensch war, der sein Leben ganz und gar auf Gott hin ausrichtete.

Er wusste sich mit ihm aufs engste verbunden. Am deutlichsten wurde das, wenn er Gott vertraulich-liebevoll mit „Abba“ ansprach. Immer wieder wandte er sich im Gebet an ihn.

In seinem Namen verkündete Jesus den Anbruch der Gottesherrschaft. In seinem Namen legte er das Gesetz aus, pflegte er Kontakt zu den Ausgegrenzten und Randständigen, in seinem Namen vergab er Sünden.

„In Christus wohnt die ganze Fülle der Gottheit“

Jesus wusste sich zu all dem von seinem Vater ermächtigt und bevollmächtigt. Er war die Quelle, die es ihm möglich machte, ganz auf andere Menschen hin zu leben, ganz für sie da zu sein, bis zum Tod am Kreuz. In all dem scheint ein „Mehr“ auf, das gewöhnliches menschliches Dasein überschreitet.

Alles an Jesus von Nazareth verweist so sehr auf Gott, auf den Vater, dass es nur angemessen erschien, Jesus Gottes Sohn zu nennen und ihn selbst als “göttlich“ zu qualifizieren. So heißt es etwa im Kolosserbrief:

„In Christus wohnt die ganze Fülle der Gottheit leibhaftig.“

Das ist eine Spitzenaussage, die kaum mehr zu übertreffen ist. Damit wir nicht bei der Zweifaltigkeit stehenbleiben, dürfen wir den Geist nicht vergessen. Der wirkt nicht nur im Alten, sondern auch im Neuen Bund.

Eins ist nicht gleich drei

Die Menschen damals machten die Erfahrung, dass Jesus derjenige ist, der ganz von Gottes Geist erfüllt ist, ja der Geistträger schlechthin - und darum der verheißene Messias, der von Gottes Geist Gesalbte.

Auf diese Weise kommen Vater, Sohn und Geist zusammen. Das Neue Testament bestimmt freilich noch nicht, wie man sich dieses Verhältnis vorstellen kann. Diese Bestimmung geschah erst in den nachfolgenden Jahrhunderten. Damals wurde die zweite Herausforderung angegangen: die Klärung des Verhältnisses von Einheit und Dreiheit.

Das Bekenntnis zum dreifaltigen Gott behauptet ja nicht: Eins ist gleich drei. Das wäre in der Tat paradox. Es besagt vielmehr „eins als drei“ – und umgekehrt drei als eines und ordnet damit verschiedene Wirklichkeiten einander zu.

Gott über neben und in mir

In den Büchern von Hans Küng begegnet eine hilfreiche Formel, die auf Karl Rahner zurückgeht. Da wird die Rede vom dreieinen Gott ausdifferenziert als

„Gott über mir, Gott neben mir und Gott in mir.“

Als Vater offenbart sich Gott als der unsichtbare „Gott über mir”, als Ursprung der Welt, als ihr Schöpfer und Erhal­ter. Als Sohn zeigt sich Gott als der menschgewordene Gott neben mir oder besser noch „mit mir”, der mir im anderen Menschen be­gegnet und der mir zugleich vor Augen hält, was gelingendes Menschsein bedeutet.

Als Heiliger Geist ist Gott der „Gott in mir”, der in mir wirkt, mich erfüllt und mich lebendig macht. Mit diesen drei Aspekten des einen Gottes lassen sich die vielfältigen und unterschiedlichen Erfahrungen verbinden, die Menschen mit Gott machen.

Untrennbar aufeinander verwiesen

Wenn wir das Prinzip „Einheit als Dreiheit“ und „Dreiheit in der Einheit“ ernst nehmen, dann ist auch klar, dass die drei Wesen des einen Gott-Seins nicht einfach unverbunden nebeneinanderstehen, sondern dass sie miteinander verbunden und untrennbar aufeinander verwiesen sind.

Sie bilden eine Gemeinschaft, die nicht gewissermaßen „nachträglich“ zustande kommt, als Addition von Vater, Sohn und Geist – so als würden diese zunächst jeweils für sich existieren und sich dann erst zusammenschließen zu einer Art Göttergemeinschaft.

Nein – Vater, Sohn und Geist existieren gerade nicht für sich, sondern immer nur in der Beziehung zueinander. Sie sind überhaupt nur als Gemeinschaft das, was sie sind. Gott gibt es also nicht als den einen, der sich dann als drei erweist, sondern der eine Gott – oder, wie die christliche Tradition es formuliert: Das eine, göttliche Wesen – existiert nur als Gemeinschaft und Beziehung von dreien.

Gott in Beziehung setzen

Es gibt dazu einen eindrucksvollen Text des Schweizer Pfarrers und Schriftstellers Kurt Marti, aus seinem Büchlein „Die gesellige Gottheit“. Es beginnt mit den Worten:

„Gottes Sein blüht gesellig“ (...), als Gemeinschaft, vibrierend, lebendig, beziehungsreich (...). Kein einsamer Autokrat jedenfalls, schon gar nicht Götze oder Tyrann. Eine Beziehungskommune vielmehr, einer für den andern, dreifach spielende Minneflut.“

Gott ist nicht nur einer, der nach außen hin zur Welt und zu den Menschen in Beziehung tritt, sondern er ist auch in sich selbst Beziehung, dynamische Gemeinschaft, lebendiger Austausch, wechselseitiges Aufeinander-Verwiesensein. Wo Gott so gedacht wird, verändert das das traditionell vorherrschende Gottesbild.

Unser Gottesbild verändern

Wir glauben an den einen Gott, der in seiner Göttlichkeit von Anfang an eine Gemeinschaft von dreien ist und darum konsequenterweise als Beziehungsgeflecht gedacht werden muss.

Wir müssen uns diese Beziehung im Sinne einer gegenseitigen Durchdringung vorstellen: Die göttlichen Personen sind zwar voneinander unterschieden und auf ihre Art einzig, zugleich aber sind sie wechselseitig füreinander offen und stehen in ständiger Kommunikation miteinander.

Es verändert sich vieles, wenn man die Dreieinigkeit Gottes in dieser Weise bedenkt und ernst nimmt. Eine solche Sichtweise verändert nicht nur das Gottesbild. Wenn Gott in sich Beziehung ist, dann ist Beziehung ein Schlüssel für das Verständnis von Wirklichkeit überhaupt.

Es bleibt ein Geheimnis

Und damit sind wir bei der dritten Herausforderung angelangt, die das Bekenntnis zum dreifaltigen Gott in sich birgt: die Frage nach seiner Lebensrelevanz. Wenn Gott in sich Gemeinschaft und Beziehung ist, dann ist es gleichermaßen die Bestimmung des Menschen, das zu werden, was Gott immer schon ist, nämlich Leben und Austausch in Beziehung.

Demnach kommt Menschsein nicht in der Individualität, sondern erst in der Beziehung zu anderen zu sich selbst – und das muss sich selbstverständlich im Umgang mit anderen Menschen bewähren.

Es lohnt sich jedenfalls, über dieses Geheimnis – das ja immer noch ein Geheimnis bleibt – nachzudenken. Und darum gebührt dem Dreifaltigkeitssonntag ein ganz wichtiger Platz im Kirchenjahr. 

Die redaktionelle Verantwortung für die Sendung hat Martin Korden.

Musik:

O aeterne Deus – Hildegard von Bingen

Cup reminders – Theodore Shapiro

Fly – Ludovico Einaudi

© Ismael Gentz, 1862 - 1914 (Artnet) - Die Gartenlaube 1895, Sammelband, Nr. 4, S. 61, Verlag Keil's Nachfolger in Leipzig

Schon in den Morgenstunden standen sie in langer Reihe vor dem Badehäuschen im Wörishofener Klostergarten und warteten geduldig auf den Herrn Beichtvater. 

Der sogenannte „Wasserdoktor“ hatte seine Heilmethoden im Lauf der Jahre erprobt und immer mehr verfeinert. Statt die eigene einstige Rosskur mit eisigem Wasser einfach zu wiederholen, passte er seine Kunst behutsam den Beschwerden und Bedürfnissen des einzelnen an. 

Kneipps „Geheimnis“

Bei Kindern und Senioren, Blutarmen, Nervösen tut´s auch lauwarmes Wasser. Bei kalten Bädern gelten strenge Vorsichtsmaßregeln: Der Patient muss aus dem warmen Bett kommen oder sich Bewegung verschafft haben. Keine Zugluft! Aus- und Ankleiden ohne Verzögerung.

Das strikte Verbot des Abtrocknens nach sämtlichen Bädern und Güssen. Stattdessen soll man sich sofort anziehen beziehungsweise flugs ins Bett springen. Die wohltuende Wirkung resultiert aus der gleichmäßigen „Dunstwärme“ auf der Haut, wie der Fachausdruck heißt.

Kälte erzeugt Wärme, Wärme erzeugt Kälte – das ist das ganze Geheimnis. Der Wechsel der Temperatur sorgt für Abhärtung, Anregung und neue Energie. Mit kalten und warmen Bädern, Ganz- und Teilwaschungen, vielfältigen Güssen, kalten und heißen Wickeln, Lehmauflagen, heilenden Dämpfen versucht die Wasserkur den Stoffwechsel anzuregen und den Körper so zu stabilisieren, dass er Hitze und Kälte robust zu ertragen vermag.

Ein Arzt, der nicht heilt

Schon zu Lebzeiten ist Sebastian Kneipp keineswegs nur als der „Wasserdoktor“ gesehen worden, und er hat sich auch selbst nicht so verstanden. Das kühle Nass bildete stets nur einen Teil seiner Therapie.

Kneipp erscheint vielmehr als Pionier einer ganzheitlichen Heilkunde und naturgemäßen Lebenslehre. Abhärtung, Bewegung, ausgewogene Ernährung und vernünftige Kleidung gehören dazu und genauso ein gesundes Gleichgewicht von Körper, Geist und Seele.

„Medicus curat, natura sanat“,

der alte Mediziner-Leitsatz hätte über Kneipps ganzem Leben stehen können:

„Der Arzt behandelt – doch heilen muss die Natur.“

Krankheit ist für Kneipp eine Degeneration menschlichen Lebens, ein Defizit an Lebenskraft. Deshalb besteht der Heilungsprozess in einer gründlichen Änderung des Lebensstils und der Lebensziele.

Gesunde Lebensführung wird zur täglichen Aufgabe. Und wenn einmal ein ärztlicher Eingriff notwendig ist, dann muss er den Gesamtorganismus im Blick haben, darf die äußeren Lebensumstände nicht vernachlässigen und muss mit einem Vorsorge- und Nachsorgeprogramm kombiniert sein.

Ordnung in die Seele bringen

Heute würde man das einen psychosomatischen Ansatz nennen: Weil es um die Heilung des ganzen Menschen geht, ist das Gespräch über Lebenschancen oder Seelenängste genauso wichtig wie ein gutes Medikament.

„Erst als ich daran ging, Ordnung in die Seelen meiner Patienten zu bringen, da hatte ich vollen Erfolg.“

Eine Fülle nüchterner Rezepte und Ratschläge hat Pfarrer Sebastian Kneipp uns hinterlassen – der bisweilen recht mürrische Menschenfreund, der uneinsichtige Patienten und vor allem vornehme Schnösel gern derb anfuhr und doch so eine mitleidige, sensible Seele hatte. 

Der Papst war sein Patient

Dass Papst Leo XIII. Kneipp zu sich bestellte, um sich untersuchen und in die Wasserkur einweisen zu lassen, das klingt nach einer hübschen Legende, ist aber gut bezeugt.

Die gründliche Oberkörperwaschung, die der Dorfpfarrer Kneipp morgens um halb sieben am römischen Pontifex vornahm, erregte das Entsetzen des Kammerdieners und führte dazu, dass der päpstliche Leibarzt ein Entlassungsgesuch einreichte. Dem knapp fünfundachtzigjährigen Heiligen Vater soll die Behandlung jedoch hervorragend bekommen sein.

Daheim in Wörishofen aber warteten schon wieder die Neider und Kritiker. Auswärtige Zeitungen verbreiteten Schauergeschichten, Medizinprofessoren verdammten den Naturheiler als Scharlatan. Mit gemischten Gefühlen beobachtete der greise Pfarrer die Verwandlung seines geliebten Dörfchens in ein Weltbad.

Patientenscharen brachen über Wörishofen herein wie Heuschreckenschwärme. Hotels, Logierhäuser, Privatbäder schossen aus dem Boden. Allein im Jahr 1892 haben nach Auskunft des neu eingeführten „Kurbüchleins“ exakt 12.175 Kranke die Hilfe des Wunderheilers gesucht.

Der holte den katholischen Orden der Barmherzigen Brüder nach Wörishofen, die auch gute Mediziner in ihren Reihen hatten. Und er ging auf Vortragsreise – durch ganz Deutschland und bis nach Prag, Zürich, Straßburg und Paris.

Die Methode Kneipp heute

Am 17. Juni 1897 schlief Kneipp nach kurzem Todeskampf für immer ein, sechsundsiebzigjährig. Seinen Blasenkrebs hatte man nicht mehr operieren können. Seine Ideen und Behandlungsmethoden sind nach wie vor erregend aktuell.

Die so genannten „Kneipp-Vereine“ zählen heute 160.000 Mitglieder und 1.300 Ärzte. Sie alle fühlen sich der Gesundheitsförderung und Prävention verbunden – und zwar im Sinne des ganzheitlichen Ansatzes nach dem Vorbild von Pfarrer Sebastian Kneipp.

Die redaktionelle Verantwortung für die Sendung hat Martin Korden. 

Musik:

Tschaikowsky – Der Nussknacker; Tanz der Zuckerfee

Tschaikowsky – Der Nussknacker; Marsch

Tschaikowsky – Der Nussknacker; Walzer Finale und Apotheose


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Dieser Beitrag wurde am 30.05.2021 gesendet.


Über die Autorin Sabine Pemsel-Maier

Sabine Pemsel-Maier aus Freiburg ist Professorin an der Pädagogischen Hochschule Freiburg. Sie studierte katholischen Theologie, Philosophie, Pädagogik und Germanistik; Promotion in ökumenischer Theologie. Außerdem übte Sie verschiedenste Tätigkeiten in Schuldienst, Lehrerausbildung, Erwachsenenbildung und Wissenschaft aus. Ihre Schwerpunkte sind: Ökumenische Theologie, Genderfragen, Religionspädagogik, Themen im Schnittfeld von systematischer und religionspädagogischer Theologie.

Kontakt
pemsel-maier@ph-freiburg.de

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