Wort zum Tage, 26.05.2021

von Ute Eberl, Berlin

Lauf-Buddy

Laufen, Joggen, Walken! Während des letzten Jahres haben viele diesen Sport für sich entdeckt. Für manche ist es nicht nur ein Sport, sondern noch mehr. Wie für Christian. Christian ist passionierter Läufer – und er ist Lauf-Buddy.

Also ein „Lauf-Kumpel“: Er nimmt auf seine Strecken Menschen mit, die gerade nicht laufen können. Das geht. Und zwar so: Christian hat auf Instagram Bilder von seinen Läufen gepostet. Waldwege am Rande von Berlin in jeder Wetterlage.

Eine Kollegin von ihm, die sich in Quarantäne begeben musste, bittet ihn für sie mitzulaufen, sie mitzunehmen auf seiner Strecke, an sie zu denken in ihrer unsicheren Situation.

Er hat’s gemacht. Aus diesem Lauf ist dann spontan die Aktion „Laufbuddy“ entstanden. Es hat sich herumgesprochen. Christian läuft für Menschen, bei denen es im Leben gerade nicht so gut läuft. Er ist dann quasi der „Buddy“ an ihrer Seite.

Klingt erst mal verrückt. Aber so verrückt jetzt auch wieder nicht, denn die Distanz in den Lockdown-Zeiten hat ja geradezu nach kreativen Ideen geschrien; um miteinander verbunden zu bleiben – im Herzen und auch im Gebet.

Christian läuft am frühen Morgen. Wenn er seinen nächsten Lauf plant, nimmt er in Gedanken die Person schon mit, die ihn darum gebeten hat. Einmal war es Erna, die eine schlimme Diagnose erhalten hat und jetzt vor der OP steht. Oder Frank, der eine wichtige Entscheidung vor sich hat.

Auch für Katja aus seiner Kirchengemeinde ist er gelaufen. Ihr Mann ist bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen. Und letzthin erst für Luise:

„Alle guten Wünsche für das, was es im Moment schwer sein lässt und für das, was wieder mehr Leichtigkeit zurückbringt“,

postet er für sie auf Instagram.

Bei seinem Lauf nimmt er dann genau diese eine Person mit. In die Gegenwart seines Atems. Und in die Gegenwart Gottes. Bei jedem Buddy-Lauf stellt er jemanden ganz bewusst in die Gegenwart Gottes: Er betet für die Person.

Nein, nicht mit vielen Worten, das geht beim Laufen nicht. Sondern eher in der Haltung:

Gott – Du bist da, du trägst das Leid und die Kraftlosigkeit mit, darauf vertraue ich.“

Beim Laufen wird der Kopf frei – die Gedankenkarusselle werden stiller. Und dann ist Raum für das Eintauchen in die Gegenwart Gottes.

Wenn Christian als Lauf-Buddy unterwegs ist, so sagt er, ist seine Aufmerksamkeit mehr nach innen gerichtet. Er ist überzeugt davon, dass dieses Lauf-Gebet nicht nur ihn verändert, sondern auch die Person, für die er läuft.

Mich beeindruckt das sehr...Mitgetragen-Sein im Gebet.


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Dieser Beitrag wurde am 26.05.2021 gesendet.


Über die Autorin Ute Eberl

Ute Eberl ist Diplomtheologin, und arbeitet  als Referentin im Seelsorgeamt des Erzbischöflichen Ordinariats Berlin. Sie ist verheiratet und hat drei Töchter.

Kontakt
ute.eberl@erzbistumberlin.de

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