Morgenandacht, 22.05.2021

von Weihbischof Matthias König, Paderborn

Am Ende der 50 Tage: Ostern geht weiter!

„Irgendwann muss die ganze Feierei ja auch mal ein Ende haben!“

Das sagen wir, wenn es eine Folge von Festtagen gegeben hat, die den Alltag durchbrochen haben. Die passende Volksweisheit dazu kennen viele auch:

„Nichts ist schwerer zu ertragen, als eine Reihe von guten Tagen.“

Feste und Feiern sind für uns Menschen zweifellos wichtig. Sie durchbrechen den Alltag, sie rücken unsere Perspektive zurecht und erinnern daran, dass es mehr gibt als nur Arbeit und Routine. Freude und Feiern lassen uns neue Kräfte zuwachsen, die uns dann wiederum Mut geben, das Leben anzugehen und zu bestehen.

Gerade der Wechsel zwischen Alltag und Feiern ist etwas Entscheidendes, weil unbegrenztes Feiern zum Überdruss führt. Viele junge Menschen haben das erlebt, wenn ihr ganzes Leben nur noch das Ziel hat, eine ständige Party zu sein.

Irgendwann reichen die „Kicks“ vom Feiern nicht mehr aus und man sucht womöglich anderes, indem man Drogen konsumiert oder ähnliches. Corona hat das alles ohnehin unterbrochen, was für viele zunächst ganz furchtbar war, aber für manche auch sehr heilsam.

Kirchliche Feste und Festzeiten sind immer zeitlich eingegrenzt, allerdings großzügig – je nach Bedeutsamkeit. Wir stehen jetzt am Ende des Osterfestkreises, der morgen mit dem Pfingstfest seinen Abschluss findet.

Ostern ist das zentrale Fest der Christenheit. Vorbereitet durch 40 Tage der sogenannten Fastenzeit wird es in den 50 Tagen zwischen Ostern und Pfingsten gebührend entfaltet.

Immer und immer wieder ist in dieser Zeit den Menschen die Botschaft nahe gebracht worden: Der scheinbar am Kreuz gescheiterte Jesus von Nazareth ist nicht tot. Er hat das Grab überwunden, er lebt und bleibt uns Menschen nahe.

Der reformierte Schweizer Pfarrer Kurt Marti hat ein bedenkenswertes Wort geprägt. Es lautet:

„Wo Gott kein Fest mehr wird, da hat er aufgehört Alltag zu sein.“

Tatsächlich schwindet die Bedeutsamkeit christlicher Feste für den Alltag in unserer Gesellschaft mehr und mehr. Christi Himmelfahrt ist z.B. zum Vatertag geworden. Von vielen anderen Festen wissen immer mehr Zeitgenossen den Inhalt und die Bedeutung nicht mehr.

So kann Gott tatsächlich aus unserem Alltag verschwinden. Umso wichtiger ist, dass Christen diese Feste feiern und darum wissen, welche Botschaft sie in die Welt tragen.

Bei Ostern ist es das Wissen darum, dass die schwierige Botschaft dahinter gar nicht so rasch begriffen werden kann: Einer der tot war, lebt und bleibt in der Welt lebendig. Diese Botschaft muss sich entfalten, um in die Menschenherzen einzudringen.

Dabei ist es wie mit vielen unserer weltlichen Feste: sie wollen Freude schenken und Kraft geben, die in den Alltag hineinwirkt und ihn durchdringt.

Christliche Feste wollen eine Botschaft in das Jetzt hineinholen und dieses Jetzt gestalten helfen. Das Pfingstfest, das wir morgen feiern, beendet die Osterzeit, aber es ist wie ein Doppelpunkt.

Der Geist Gottes, um den es geht und der damals den Aposteln so ins Herz gegeben wurde, dass er sie hinaustrieb in alle Welt, möchte auch heute Menschen begreifen lassen: Leben bleibt immer stärker als der Tod!

Der längst verstorbene Bischof Klaus Hemmerle von Aachen wünschte seinen Zeitgenossen, dass sie dafür einen Blick bekommen. Es ist ein Wunsch, den ich Ihnen gerne weitergeben möchte.

„Ich wünsche Dir Osteraugen, die im Tod bis zum Leben zu sehen vermögen

in der Schuld bis zur Vergebung,

in der Trennung bis zur Einheit,

in den Wunden bis zur Herrlichkeit,

im Menschen bis zu Gott, im Gott bis zum Menschen,

und im Ich bis zum Du zu sehen vermögen.“


« zurück zur Übersicht

nach oben ↑


Beitrag anhören


Dieser Beitrag wurde am 22.05.2021 gesendet.





Allgemeine Seiten-Suche

» Autoren-Suche  |  » Beitrags-Suche