Gottesdienst an Christi Himmelfahrt

aus der Pfarrkirche St. Peter in Zell

Predigt von Pfarrer Paul Diederichs

Liebe Schwestern und Brüder!

In Krisen schauen wir manchmal nach oben.

Wenn es zu trocken ist, schauen Bauern, Förster, Gärtner, manchmal auch Winzer nach oben in den Himmel und ersehnen sich Regen.

Wenn es schwierig ist in der Gesellschaft, schauen wir nach oben und meinen damit die Politiker – in der Hoffnung, dass die gewählten Vertreter an der Landes- und Bundesspitze eine gute Lösung finden werden. Gerade auch jetzt, wenn es uns nicht schnell genug geht mit einer möglichen Öffnung in der Pandemie oder auch mit dem Impfen.

Und wenn es in der Kirche nicht gut läuft, dann schauen wir auch nach oben, nach den Pfarrern und Bischöfen – die müssten ja den besten Draht haben, um eine Krise wieder zu wenden – aber ... derzeit scheint dieser Blick auch nicht immer hoffnungsvoll

Nun...in diesem Blick nach oben zeigen sich für mich erst mal zwei Empfindungen:

Einmal die Hoffnung darauf, dass jemand da oben eine Lösung parat hat – vielleicht sogar die Er-Lösung – und die Krise wäre überwunden....der Regen gefallen – die Gesellschaft aus dem Lockdown, die Kirche wieder voller

Zum zweiten spiegelt der Blick nach oben auch eine Selbsterkenntnis wider: ich alleine kann es nicht richten – mir fehlen die Mittel, die Kraft, der Mut, die Ideen, ich fühle mich als einzelner oder auch als kleine Gruppe ziemlich ohnmächtig....

Beides mag ich sehen in dem Blick der Jünger nach oben, wie er in der Apostelgeschichte beschrieben ist: Unverwandt, so haben wir es eben in der Lesung gehört, schauen sie Jesus nach zum Himmel empor.

Und ich kann sie gut verstehen: solange Jesus bei ihnen war, fühlten sie sich sicherer, mutiger, stärker, sie konnten seine Worte direkt hören, bedenken, hinterfragen, mit ihm sprechen

Ohne ihn haben Zweifel und Ängste freie Fahrt, könnten sie sich klein und hilflos fühlen – im Gegenüber zur großen Welt derer, die Jesus nicht kennen

Denn in Jesus haben sie ja den erlebt, der Menschen wieder hat heil werden lassen, der Menschen von Krankheit, von Dämonen erlöst, der vom Himmelreich gesprochen hat, der davon gesprochen hat, dass alle gerettet werden, die an ihn glauben

Kein Wunder also, dass sie ihm nachschauen. Und so wie ich mich kenne, würde ich es wohl genauso tun ...

Und wäre dann erst mal irritiert, wenn auf einmal zwei Männer neben mir und Ihnen, liebe Hörerinnen und Hörer stehen und sagen:

Ihr Männer und Frauen von Galiläa oder von Zell oder von wo auch immer Sie nun zuhören, was steht ihr da und schaut zum Himmel empor. Dieser Jesus, der von euch fort in den Himmel aufgenommen wurde, wird ebenso wieder kommen, wie ihr ihn habt zum Himmel hingehen sehen. 

Ja, mögen wir sagen, aber wie soll es denn dann weiter gehen, wenn von da oben erst mal nichts kommt?

Wir stehen hier auf der Erde, wir sind am Boden mit all den Fragen und Unsicherheiten, die uns bedrängen, bis hin zu manchen massiven Schwierigkeiten

Corona - Einsamkeit – Existenzängste – Krankheit und Tod: Wie sollen wir dabei ohne IHN weiter gehen?

Ja, mögen die zwei Männer erwidern, genau: Ihr lebt genau in dieser Welt mit all ihren Unwägbarkeiten – aber das war bei Jesus nicht anders – und genau in dieser Welt könnt ihr in Seinem Sinne leben.

Schaut euch um – dieser Welt ist und bleibt der Himmel verheißen. Und ihr seid diejenigen, die darum wissen oder vielmehr daran glauben, dass sich in dieser Welt Himmel und Erde berühren können.

Das nennt man dann wohl einen klassischen Perspektivenwechsel – wir hier im Bistum Trier kennen dieses Stichwort aus der Synode, die vor einigen Jahren stattgefunden hat und für deren Umsetzung wir uns mit den Kirchengemeinden derzeit auf den Weg machen.

Es ist der Wechsel der Perspektive: nicht zu warten, bis sich der Himmel öffnet und der Herr sichtbar von oben herunter kommt.

Nicht zu warten, bis die da oben in der Kirche und der Gesellschaft die Lösung parat haben. Womöglich noch so, dass ich sagen kann: Hauptsache, es ist so, wie es mir passt. Sondern vielmehr den Blick nochmal zu wenden: Nicht einfach nach oben, sondern in die Augen eines anderen Menschen zu schauen

In diesen Augen zu entdecken, was in dem Menschen vorgeht (sogar trotz Maske). Ja, sogar dorthin zu schauen, wo das Leben gerade abgleitet und schwer wird. Aber auch dorthin, wo es wachsen und aufblühen will: Weil wir genau da Gott begegnen.

Denn – und da kommt uns das Evangelium zugute, das wir eben gehört haben: Im Evangelium hören wir aus dem Munde Jesu selber: dass durch die, die zum Glauben kommen, wunderbare Zeichen geschehen – Dämonen werden ausgetrieben und Kranke geheilt, und all die Gifte, die Menschen versprühen können, werden ihnen nichts anhaben.

Oder anders: Die, die zum Glauben kommen, werden die Welt ein Stück schöner und lebenswerter machen

erden mit den Gaben, die ihnen von Gott her geschenkt sind, das Leben in dieser Welt zum Guten wenden, werden also nicht erst abwarten, bis von oben was kommt, sondern jetzt schon zum Wohle dieser Welt handeln. Denn als glaubende Menschen zeichnet sie etwas Wesentliches aus: Sie kennen noch einen weiteren Perspektivwechsel: Nämlich den Blick nach innen.

Sie ahnen, glauben, wissen in ihrem Innern, dass oben und unten, dass Himmel und Erde in dieser Welt gar nicht so weit entfernt sind, oder noch mehr: dass der Himmel längst immer wieder die Erde berühren wil. 

Sie ahnen, glauben, wissen darum, weil sie selber in ihrem Herzen oben im Himmel festgemacht sind – ein bisschen wie eine Lampe, die von der Decke hängt und den Strom sozusagen von oben bezieht.

Die Jünger jedenfalls sind aufgebrochen, gestärkt durch den Strom in ihnen – den Heiligen Geist. Sie haben mit der Botschaft Jesu, die sie durch ihr Leben ausgestrahlt haben, Großes geleistet, und das mit weit weniger Mitteln, als uns heute zur Verfügung stehen. Und heute sind wir es, die das glauben – glauben können.

In den letzten 25 Jahren zum Beispiel sind in unserer Pfarreiengemeinschaft zusammen mit dem Caritasverband caritative und soziale Initiativen entstanden.

Da sehe ich diejenigen, die den Besuchsdienst im Altenheim unternehmen. Die sich selbst organisieren – und den Menschen - sobald es wieder möglich ist – Zeiten der Lebensfreude schenken – durch ihren Besuch.

Und auch die Not der Menschen in Indien hat uns schon vor anderthalb Jahren berührt. Damals gab es massive Überschwemmungen im indischen Bundesstaat Kerala. Wir haben einen indischen Kaplan aus diesem Bundesland, P. Shaibin, und so sammelten wir für die Menschen dort. Und auch jetzt in diesen Tagen wollen wir erneut für die Notleidenden in Indien sammeln und haben einen Hilfsaufruf in unserer Pfarreiengemeinschaft gestartet. 

Es ist nur zu ahnen, wie viele Dämonen dadurch vertrieben werden, weil wir als glaubende Menschen die Perspektive wechseln und wie viele angeschlagene Seelen dadurch wieder aufleben können.

Weil wir den Blick in diese Welt richten und gleichzeitig darauf vertrauen dürfen, dass Gottes Heiliger Geist durch uns hindurch handeln will, um das Leben zum Guten zu wenden. Und mitzuhelfen, dass der Himmel die Erde berührt. 

Amen.


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Dieser Beitrag wurde am 16.05.2021 gesendet.





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