Gottesdienst am Ostersonntag

aus der Schutzengelkirche in Eichstätt

Predigt von Bischof Gregor Maria Hanke

Liebe Schwestern und Brüder!

Frohe Ostern, so lautet bei vielen der Gruß am heutigen Tag. Was macht für uns den Osterfeiertag froh? Ein Treffen mit Familienangehörigen und Verwandten? Und für die Kinder der Schokohase und die Eier? Lässt uns Corona überhaupt Raum zur Freude?

Die Liturgie des Ostertages sagt uns: Jesu Auferweckung von den Toten ist Grund zur Freude. Er hat den Tod überwunden und lebt mit Gott. So ist auch für uns der Weg frei in die Zukunft Gottes.

Aber, aber, wendet der kritische Geist ein: Handelt es sich dabei nicht um einen Mythos, um ein frommes Märchen, das vielleicht unsere Tristesse aufhellt, so wie ein interessanter Fernsehfilm oder ein Roman? Dem Tod ist doch noch keiner entkommen!

Das Zeugnis der neutestamentlichen Schriften lässt keinen Zweifel daran: Gott hat in die Geschichte eingegriffen und Jesus, den Herrn, auferweckt. Ohne Auferstehung Jesu und ohne den Glauben an ihn, den Auferstandenen, kann man nicht Jüngerin und Jünger Jesu sein.

Jesu Auferstehung ist Grund zu gelebter Hoffnung, für die eine Jüngerin, ein Jünger Jesu einsteht. Christen sind Menschen dieser Hoffnung - oder eben nicht Christen. Der Herr ist wahrhaft auferstanden, heißt es immer wieder in den neutestamentlichen Schriften. Dahinter steht die Erfahrung vieler Zeugen, die mit Jesus zusammenwaren, und ihm nach seinem Sterben als Auferstandenen begegnen durften.

An der Osterbotschaft entscheidet sich das Christsein. Wir glauben, dass das irdische Leben von Gott her angelegt ist, Saatkorn zu sein, aus dem Wunderbares, Großes erwächst: Das Leben in Fülle in der Gemeinschaft mit Gott, das schon jetzt beginnt und über den Tod hinausgeht. Der Auferstandene ist uns in dieses Leben Gottes vorausgegangen.

Die Überlieferung des leeren Grabes Jesu und die Botschaft von seiner Auferweckung besagen: Du kannst darauf setzen, dass dieses Leben nicht genug ist. Wahres Leben ist mehr als die Summe deines Erfolgs und Scheiterns, deiner Freuden und Leiden, deines Könnens und Unvermögens.

In Jesu Auferweckung sagt uns Gott: Die Zukunft liegt vor Euch. So haben wir Grund zu einer Hoffnung, die uns wagen lässt, dem Leid in dieser Welt ins Angesicht zu blicken, den Nöten die Hand entgegenzustrecken und die Erinnerung an die Leidenden und Zukurzgekommenen in unserer Gesellschaft wachzuhalten. Die aus dem Osterglauben hervorgehende Hoffnung steht im Kontrast zur Gier, zum Verlangen nach immer mehr Besitz, zur Einstellung, im Leben nur alles auskosten zu wollen.

Der Tod bedeutet für unseren Glauben nicht mehr das Ende. Leid und Tod müssen nicht verdrängt werden, eine von Vertrauen getragene fröhliche Leichtigkeit kann das Leben erfüllen. Und schließlich macht uns diese Osterhoffnung solidarisch mit den Leidenden und Toten. Diese Hoffnung empfindet das persönliche Kreuz und Leid sehr wohl schmerzlich. Aber wir wissen, dass alles im Gedenken Gottes bleibt, es fällt nicht dem Nichts anheim.

Schon der Psalmist des Alten Testaments betete in diesem Geist zu Gott: Sammle meine Tränen in einem Krug (Ps 56, 9). Ostern löscht das Kreuz nicht aus, sondern offenbart, dass es Tür in das Reich des Vaters ist.

Das Lesen eines Märchens eröffnet einen Weg nach Innen in die Welt der Phantasie und lässt die Sorgen vergessen. Die Osterbotschaft und der Osterglauben hingegen münden in eine Haltung der Hoffnung, die durch unser Zeugnis und unsere Taten Leben und Welt verändert. Das Wunder der Auferstehung Jesu verdankt sich der Liebe Gottes. Daher versetzt mich der Glaube an den Auferstandenen in dieses Kraftfeld der unendlichen Liebe Gottes, aus dem die Hoffnung entspringt gleich einer Quelle.

Unser kritisches Denken verweigert sich dem Wunder, weil es nicht in die Kategorien von Fakten und Berechnung passt, mit dem wir unsere Wirklichkeit durchmessen. Aber hat das Wunder des neuen Lebens, das Gott in Jesu Auferweckung wirkt, nicht ein Vorspiel in der Schöpfung? Als ich, als Du ins Leben tratst, haben wir uns das Leben nicht selbst gemacht.

Unser Leben ging aus der Liebe der Eltern hervor als ein Wunder der Liebe. Das österliche Leben, das Leid und Tod verwandelt und überdauert, geht aus der Liebe Gottes hervor. Im auferstandenen Herrn bezeugt Gott, den Menschen nicht an Leid und Tod vorbei zu lieben. Seine Liebe geht durch meine Leiden und Krankheiten, durch meine Grenzen und Fähigkeiten, erst recht durch meinen Tod hindurch. In Gottes Liebe liegt meine Zukunft, aus Gottes Liebe erwächst mir die Kraft, mein Leben und die Welt zu verändern. Mein Ostern hat begonnen!

Amen.


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Dieser Beitrag wurde am 04.04.2021 gesendet.





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