Wort zum Tage, 30.03.2021

von Maria-Anna Immerz, Augsburg

Frohe Botschaft?

„Was zählt, wenn es ernst wird?“

Der rote Faden geht durch diese Tage zwischen Palmsonntag und Ostern. Fragt man Christen, was ihnen Hilfe ist in ernsten Lebenslagen, antworten Viele: ein Wort aus der Bibel. Oft haben sie es auswendig parat, meist ein Trostwort. Etwa:

„Der Herr ist mein Hirte, nichts wird mir fehlen.“

Oder die Zusage Jesu:

„Kommt alle zu mir, die ihr euch plagt: Ich werde euch Ruhe verschaffen.“

Wer heute das Bibelwort zum Tag im Gottesdienst hört, dem kann es die Sprache verschlagen. Da kommt die Geschichte zu Gehör, in der Judas, einer der Freunde Jesu, den Verrat plant; der wird Jesus ans Kreuz bringen.

Und nicht genug: Auch das großspurige Wort des Petrus klingt auf, er werde sogar sein Leben für den Freund Jesus einsetzen – der sagt ihm auf den Kopf zu: Noch vor dem Hahnenschrei wirst du mich dreimal verleugnen.

„Frohe Botschaft unseres Herrn Jesus Christus.“

Mit dieser Bekräftigungsformel wird in jedem Gottesdienst die Geschichte aus der Bibel abgeschlossen. Heute bleibt einem das „Frohe Botschaft“ fast im Hals stecken. Hinterhältig geplanter Verrat, für den sogar ein Kuss, das intime Zeichen der Liebe, pervertiert wird.

Und die hohle Selbstüberschätzung eines feigen Freundes, die nicht einmal ein paar Stunden trägt. Wenn es für Jesus ernst wird, zählt das genau nicht. Kein Trost für seine letzte Lebensetappe sondern wachsende Trostlosigkeit.

Damit konfrontieren sich Christen in diesen Tagen auf Ostern zu. Die Glaubenserfahrung ist entwaffnend ehrlich: Macht euch nichts vor, so sind wir Menschen auch.

Wenn es bei dir ernst wird, gibt es nie nur Geborgenheit; sondern auch Ernüchterndes, Enttäuschung, Einsamkeit. Da fallen die Masken.

Es kann dann ein Trost sein, dass es auch bei Jesus so ging. Der Gottessohn – eben kein Superheld, der menschliche Widrigkeiten flott beiseite wischt, sich weg duckt oder auf der Siegerspur daran vorbeizieht.

Nein, dieser Jesus ist sehenden Auges und sehr konkret eingestiegen in den Kreislauf von Verletzung und Versagen. Nicht aus Masochismus. Sondern weil es doch endlich einen geben muss, der all das an sich herankommen lässt, damit es aufhören kann.

Der unendlich göttliche Langmut verströmt, dass unsere Angst, zu kurz zu kommen, darin ausläuft. Nicht mit gleichen Mitteln heimzahlen – einer hat sich das zugemutet, aufrecht bis zum Schluss. Damit wir endlich keine krummen Touren mehr nötig haben. Frohe Botschaft!


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Dieser Beitrag wurde am 30.03.2021 gesendet.


Über die Autorin Maria-Anna Immerz

Maria-Anna Immerz, geboren 1959, studierte Philosophie und Theologie in München und in Freiburg im Breisgau. Seit 1985 ist sie Pastoralreferentin im Bistum Augsburg und somit aktiv in verschiedenen Tätigkeitsbereichen auf gemeindlicher und diözesaner Ebene. Frau Immerz ist diözesane Beauftragte und geistliche Beraterin für den Sozialdienst katholischer Frauen (SkF) Augsburg sowie für den Fachbereich Schwangerenberatung. Seit 2011 ist Frau Immerz Diözesanbeauftragte für den öffentlich-rechtlichen und privaten Rundfunk und seit 01.09.2013 Theologische Referentin im Generalvikariat. Frau Immerz lebt in Augsburg.

Kontakt
maria-anna.immerz@bistum-augsburg.de

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