Wort zum Tage, 29.03.2021

von Maria-Anna Immerz, Augsburg

Wenn es ernst wird

„Es wird ernst.“

Das haben wir alle schon gesagt. Es wird ernst: wenn man bei der Bergwanderung die schwere Etappe angeht, wenn die Operation naht, die unaufschiebbar ist. Oder ein Konfliktgespräch.

„Es wird ernst.“

Nebensächliches muss da beiseite. Kräfte wollen gebündelt sein. Volle Konzentration! Damit die Herausforderung bestanden und Risiken so klein wie möglich gehalten werden. Und man am Ende hoffentlich aufatmet – erleichtert, zufrieden, erlöst.  

„Es wird ernst.“

Das kann man auch über diese Woche sagen – die Karwoche. Seit Urzeiten des Christenglaubens wird in diesen Tagen zwischen Palmsonntag und Ostern an das Leiden und Sterben Jesu gedacht.

In Ländern des Südens mit dramatischen Prozessionen, bei uns eher nach innen gewandt. Selbst wer nicht christlich gebunden ist, kommt damit in Berührung: Karfreitag und Karsamstag sind „Stille Tage“.

Die äußeren Regelungen wurzeln in einem tiefen Kern: Menschen haben entdeckt, dass im Blick auf Leiden und Sterben von Jesus das Drama von Leben und Tod des Menschen durchgespielt wird.

Weil es in jedem Leben Situationen gibt, wo es ernst wird, todernst auch. Und man fragt: Wie besteht man das? Was zählt dann? Aus den Schatzkammern des Lebens- und Glaubenswissens schöpft die Bibel mit ihren Erzählungen von der letzten Etappe im Leben Jesu.

An diesem Montag der Karwoche steht eine Episode im Mittelpunkt, in der Jesus nochmals Freunde besucht. Ohne sich von den Umstehenden und anderen Gästen beeindrucken zu lassen, geht eine der Gastgeberinnen auf Jesus zu.

Sie öffnet ein Öl-Gefäß, salbt ihm die Füße und trocknet sie mit ihrem offenen Haar. Eine Skandalgeschichte, zugespitzt durch die moralisierende Bemerkung der Umstehenden, dass man das teure Öl doch besser für die Armen verkauft hätte.

Was ist wichtig, wenn es todernst wird? Die Episode mit der Frau ist eindeutig: Dann zählt Liebe, die nicht rechnet, sondern verschwenderisch sich dem Anderen zuwendet. Wenn es heute ernst wird auf der Intensivstation: Schafft einen Weg für die, die liebevoll stützen können.

Wenn Corona auch heute Menschen-Leben kostet: Seid erfinderisch, den Trauernden Eure Verbundenheit zu zeigen, wenn es am Friedhof schon nicht sein darf. Wenn es ernst wird beim Mobbing am Arbeitsplatz oder in der Schulklasse:

Habt hoffentlich morgens einen Kuss verschenkt oder ein Streicheln oder ein

„Du weißt, ich mag dich!“

Jede Geste der Liebe wird zählen, dass der Lebensmut bleibt. Und die kühne Zuversicht sogar:

„Stärker als der Tod ist die Liebe.“


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Dieser Beitrag wurde am 29.03.2021 gesendet.


Über die Autorin Maria-Anna Immerz

Maria-Anna Immerz, geboren 1959, studierte Philosophie und Theologie in München und in Freiburg im Breisgau. Seit 1985 ist sie Pastoralreferentin im Bistum Augsburg und somit aktiv in verschiedenen Tätigkeitsbereichen auf gemeindlicher und diözesaner Ebene. Frau Immerz ist diözesane Beauftragte und geistliche Beraterin für den Sozialdienst katholischer Frauen (SkF) Augsburg sowie für den Fachbereich Schwangerenberatung. Seit 2011 ist Frau Immerz Diözesanbeauftragte für den öffentlich-rechtlichen und privaten Rundfunk und seit 01.09.2013 Theologische Referentin im Generalvikariat. Frau Immerz lebt in Augsburg.

Kontakt
maria-anna.immerz@bistum-augsburg.de

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