Morgenandacht, 26.03.2021

von Martin Korden, Bonn

Fasten – Beten – Almosen geben

„Fastenzeit? Hör mir ja auf – ich faste schon seit über einem Jahr.“

Solche Sätze hört man öfter in diesen Tagen der Fastenzeit. Der knapp sieben Wochen zwischen Aschermittwoch und Ostern, die traditionell als Zeit der freiwillig auferlegten Entbehrungen gilt.

Aber wer will schon von noch zusätzlichen Entbehrungen reden in dieser nicht enden wollenden Wüstenzeit der Corona-Pandemie?

Wer in der Fastenzeit nur den Verzicht sieht, der hat gerade sicher genug davon. Doch der eigentliche Sinn des Fastens erwartet kein Weniger sondern ein Mehr, keinen Verlust sondern einen Gewinn.

Wenn auch verbunden mit einer uralten Erfahrung, nach der sich ein wirklicher Gewinn meistens hinter dem verbirgt, was zunächst wenig verlockend erscheint, vielleicht sogar etwas Angst macht. Die Verheißung verbirgt sich meistens genau da, wofür ich erst einen Schritt machen muss, der mir nicht leicht fällt.

Die christliche Tradition setzt auf drei konkrete Vorsätze für die Fastenzeit. Sie gehen zurück auf Jesus Christus, der in seiner berühmten Bergpredigt genau dazu aufruft, nämlich: zum Fasten, Beten und Almosen-Geben.

Drei Verhaltensregeln, die in der Regel nicht unbedingt Vorfreude wecken, hinter denen aber die Verheißung steht, gerade dadurch sein Leben in die Spur zu bringen und sogar eine tiefe innere Freude zu finden.

Fasten, Beten, Almosen geben – warum gerade diese drei?

Da ist zunächst das Fasten. Der Verzicht auf etwas, von dem ich mich nur ungern trennen kann, eine Angewohnheit, eine bestimmte Vorliebe, etwas, dem ich viel Zeit widme, ja, das vielleicht der angenehmen Zerstreuung dient.

Warum darauf verzichten?

Zum einen, weil ich im Verzicht empfänglich werde für den wahren Wert hinter den Dingen, die oft schon so selbstverständlich geworden sind. Ich erlebe dann neu, wie kostbar so vieles wirklich ist.

Zum anderen schaffe ich durch den Verzicht Platz in meinem Leben, gerade die scheinbar leeren Momente, die nicht mit Zerstreuung gefüllt sind, können kostbar sein. Auf mich selbst zurückgeworfen, kommen die inneren Stimmen, die Unruhe und auch die Sehnsucht wieder an die Oberfläche.

Regungen, die lange zugedeckt waren und sich vielleicht gar nicht mehr bemerkbar machen sollten. Wenn sie dann hochkommen, zeigen sie, dass sie sehr wohl zu meinem Leben gehören. Ich werde empfänglich auch dafür und für eine Neuausrichtung, die vielleicht ansteht.

Dann das Almosen-Geben: Es geht hier nicht einfach nur um ein Spenden, um das Gewissen zu beruhigen. Es geht darum, etwas von sich zu geben, sich selbst zur Verfügung zu stellen, mit dem was man hat oder kann und was Anderen Nutzen bringt. Es geht um Hingabe.

Wer auf diese Weise Almosen gibt, geht aktiv gegen die Illusion vor, der der Mensch immer wieder erliegen kann: dass er nur für sich selbst lebe und alles anhäufe für eine scheinbar sichere Zukunft – die ihm nicht gehört. Sich-Sorgen um andere befreit von dem Kreisen um sich selbst und gibt dem Leben Sinn und Freude.

Christlich gesprochen: Wer selbst gibt, was er empfangen hat, der lässt Gottes Plan mit seinem Leben konkret Gestalt werden und empfängt dabei am Ende wieder selbst.

Und damit wären wir beim Beten: Denn erst im Gebet zeigt sich die Deutung von all dem, was an das Licht kommt beim Fasten und Almosen-Geben. Im Gebet lasse ich mich auf Gott ein und auf die Idee, dass er einen Plan mit mir hat.

Ich gebe Gott Gelegenheit, sich mir zu zeigen und an mir zu wirken. Auch das ist letztlich ein Empfänglich-werden, ein Loslassen meiner selbst und ein Überlassen an einen größeren Horizont. Doch dafür muss ich mir Zeit nehmen, immer wieder die Stille suchen und Geduld haben.

Fasten – Beten – Almosen geben. Die drei Grundideen der Fastenzeit. Es sind Entbehrungen, die nicht zur Qual werden sollen, sondern gelassener, innerlich ruhiger und zufrieden machen.


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Dieser Beitrag wurde am 26.03.2021 gesendet.


Über den Autor Martin Korden

Martin Korden, geboren 1980 in Adenau, ist Beauftragter der Bischofskonferenz für Deutschlandradio. Eine erste Hörfunkausbildung erhielt er im Rahmen seines Wehrdienstes beim Truppenbetreuungssender „Radio Andernach“. Anschließend studierte er in Trier und Brixen Katholische Theologie. Es folgte das journalistische Volontariat bei der Katholischen Fernseharbeit und eine langjährige Tätigkeit für DOMRADIO.DE in Köln. Kontakt: m.korden@dbkradio.de

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