Feiertag, 21.03.2021

von Andrea Wilke, Arnstadt und Guido Erbrich, Biederitz

Bin ich es, für den ihr so streng gefastet habt?“ (Sach 7,1) Wie Ordensleute die Fastenzeit leben.

Keine Schoklade essen, auf Alkohol verzichten oder jeden Tag Sport treiben: Das sind fänfige Fastenopfer. Auch im Kloster wird gefastet - oft aber anders. Die Fastengewohnheiten unterscheiden sich meistens von Orden zu Orden.

© Maria Orlova / Pexels

Fastenzeit. Das sind die vierzig Tage zwischen Aschermittwoch und Ostern, auch österliche Bußzeit genannt. In der Alten Kirche fastete man grundsätzlich an zwei Tagen in der Woche, in Erinnerung an die Passion Jesu. Das ist in manchen Klöstern noch heute so.

Doch schon sehr bald – etwa ab dem 4. Jahrhundert – bildete sich die Fastenzeit als eine Vorbereitungszeit auf Ostern aus. Das religiöse Fasten besteht aus der Verbindung von Beten, Fasten und Teilen. Es geht um soziale Gerechtigkeit und Barmherzigkeit und um die Begegnung mit Gott in der ehrlichen Selbstbegegnung.

Für wen fasten wir? Das ist die entscheidende Frage, die Gott durch den Propheten Sacharja seinem Volk stellt:

„Bin ich es, für den ihr so streng gefastet habt?“

Eins ist klar: Gott ist es nicht. Es ist ein Trugschluss zu glauben, für Gott fasten zu müssen. Und so lässt er durch den Propheten ausrichten, was rechtes Fasten ausmacht:

„Erweist Güte und Erbarmen, ein jeder seinem Bruder; unterdrückt nicht die Witwe und Waise, den Fremden und Armen und plant in eurem Herzen nichts Böses gegeneinander!“

Barmherzigkeit statt Opfer

Hart fasten, um Gott gnädig zu stimmen, das funktioniert nicht. Das Fasten und der spürbare Verzicht auf bestimmte Dinge haben ein Ziel: Buße und Umkehr und die Neuausrichtung auf Gott hin. Diese Hinwendung zu Gott wird konkret in der Hinwendung zum Nächsten.

Auch Jesus betont, dass er statt der Opfer lieber Barmherzigkeit möchte. Weil er die herrschende Fastenpraxis mehr als Schein erlebt. Er selbst fastet aber auch.

Vierzig Tage. Zieht sich zurück in die Wüste, in die Kargheit. Ausgesetzt den Anfeindungen und Anfechtungen, die sein Selbstverständnis in Frage und im wahrsten Sinne des Wortes auf den Prüfstand stellen.

Auch heute ist Fasten – und nicht nur das aus religiösen Gründen – eine ganzheitliche Erfahrung. Wer streng fastet und für eine begrenzte Zeit auf feste Nahrung verzichtet, kann erleben, wie sein Geist frei wird, frei für das Wesentliche.

Aber Gott braucht unser Fasten nicht. Aber wir, wir brauchen es. Die Kraft zur Veränderung liegt in uns selbst. Das ist sein Geschenk an uns.

Wie fasten Ordensleute?

Zwei Ordensleute erzählen, wie sie die Fastenzeit in diesem Jahr leben. Eine Ordensfrau, aus dem Zisterzienserinnenkloster Helfta und ein Ordensmann, von den Augustinern in Erfurt. Die eine lebt ein monastisches Leben, hinter Klostermauern; der andere ein Leben mitten in der Stadt, und je nach Situation mal in zivil, mal im Ordensgewand.

Das Zisterzienserinnenkloster St. Marien liegt in Helfta, einem Ortsteil der Lutherstadt Eisleben. Das Kloster, das im 13. Jahrhundert gegründet wurde, galt als Zentrum mittelalterlicher Frauenmystik und beherbergte so bedeutende Frauen wie Gertrud die Große, Mechthild von Magdeburg und Mechthild von Hackeborn.

Seit 1999 leben im Kloster wieder einige Zisterzienserinnen, die an den Geist und die Tradition der heiligen Frauen von Helfta anknüpfen wollen. Eine von ihnen ist Schwester Sandra, eine profunde Kennerin klösterlicher Kirchengeschichte.

Meine erste Frage, ob Frauen und Männer in ihren jeweiligen Klöstern unterschiedlich fasten, bejaht sie und liefert sofort die Ursache: Papst Bonifaz VIII. habe im Jahr 1298 festgelegt,

„dass alle Nonnen, jetzt und in Hinkunft, welchen Instituts oder Ordens auch immer, ab nun in dauernder Klausur verharren sollen.“

Keine Gleichberechtigung beim Fasten

Diese päpstliche Bulle bestimmte den grundlegenden Unterschied zwischen Männer- und Frauenklöstern. Frauen in Klöstern wurden fortan in eine strenge Klausur geschickt.

In vielen alten Klöstern gab es extra Schwesternemporen, so dass die Nonnen vom normalen Volk auch getrennt waren. Sie führten ein Leben in Abgeschiedenheit in Klöstern, in strenger Klausur und zu der gehört natürlich auch, sich an das Fastengebot zu halten.

Bei den Männern sah das vielerorts ganz anders, ja deutlich lockerer aus. Strenge Klausur gab es nur bei wenigen Orden. Sehr viele Ordensmänner sind auch gleichzeitig Priester und daher – so kann man etwas salopp formulieren – mehr unterwegs.

Warum Frauen strenger fasten sollten

Dabei macht Sr. Sandra klar, dass einer der Gründe für die päpstliche Bulle an der Meinung mancher Männer zu selbstständigen Frauen gelegen haben könnte. Manche Ordensschwestern bauten im Hochmittelalter ihre Klöster selbst, viele waren hochgebildet und selbstbewusst.

Und dennoch gab es zu dieser Zeit Diskussionen, ob die Kloster-Regel des Heiligen Benedikt überhaupt für Frauen geschrieben sei, hart gesagt: ob Frauen überhaupt in der Lage seien, Benediktinerinnen oder Zisterzienserinnen zu werden.

Manchen Klerikern wäre es wohl ganz recht gewesen, wenn dies verneint worden wäre, aber sie setzten sich gottlob nicht durch. Doch die Festlegung von Bonifaz VIII., so sagt mir Schwester Sandra, gilt im Großen und Ganzen bis heute.

Der traditionelle Unterschied beim klösterlichen Fasten zwischen Frauen und Männern habe hier seinen Grund. Weil die Welt der meisten Frauen im Kloster jahrhundertelang an der Pforte endete und sich alles im Jahreskreis in einem sehr überschaubaren Umfeld abspielte und straff reguliert wurde.

Askese nach Augustinus

Ich frage bei Augustinerpater Jeremias nach, wie er die Fastenzeit begeht. Er lebt in Erfurt, der Stadt, in der Martin Luther Augustinermönch war und an der Universität Theologie studierte.

Seit etwa sieben Jahren gibt es in der Stadt wieder Augustiner. Eine kleine Gemeinschaft, die an einer vielbefahrenen Hauptstraße in einer Wohnung lebt und sich verschiedenen seelsorgerlichen Aufgaben widmet. Mich interessiert, wie er und seine Mitbrüder die Fastenzeit leben.

Den Augustinern, erzählt er mir etwas heiter, sagt man nach, dass sie nie ganz besonders extrem waren, auch im Fasten nicht. Sie waren eher immer mittelmäßige Typen in dieser Frage.

Auch der heilige Augustinus, auf den sich die Gemeinschaft beruft, sagt zum Fasten so gut wie nichts. In dessen Ordensregel liegt der Schwerpunkt darin, dass man sich auf die Situation, in der man lebt, ganz einlässt: auf den Ort und auf die Mitmenschen, auf die Gemeinschaft, in der man lebt.

Dieses Akzeptieren und Wirken auch im Sinne des Nächsten sei für den Heiligen Augustinus letztendlich auch Askese. Das findet Pater Jeremias gut, so wird es nicht eingeengt auf Essen und Trinken, sondern hat einen ganz weiten Blickwinkel: Zentriere dich mal auf deine Aufgabe, auf das, wofür du da bist und für was du da sein willst.

Fastenzeit wäre dann eher die Zeit, nochmal eine Revision zu machen: Wie klappt es in meinem Leben momentan? Wie gehe ich mit den Menschen um, die mir anvertraut sind? Wie aufmerksam bin ich für die Bedürfnisse meiner Mitbrüder? Aber auch: Wie gehe ich mit mir selbst um, mit meiner Leiblichkeit?

Fastengemeinschaft und geistlicher Hochleistungssport

Für Schwester Sandra ist die Fastenzeit mehr als nur der Verzicht auf Essen oder bestimmte Genüsse. Sie habe, als sie noch nicht im Kloster war, einmal versucht einen ganzen Aschermittwoch lang mit nur einem Glas Wasser auszukommen.

So eine Art geistlicher Hochleistungssport, lacht sie. Das würde sie heute nicht mehr so machen, allerdings aus einem ganz interessanten Grund.

Da die Schwestern gemeinsam essen, sähe es recht eigenartig aus, wenn eine Schwester ihr besonderes Fastenopfer auf diese Weise zur Schau trägt. Die anderen sehen ja, was auf den Tellern der Nachbarinnen liegt oder eben nicht.

Wenn beim Essen verzichtet wird, dann gemeinsam. Wobei in Helfta nach alter Tradition ohnehin jeden Mittwoch und Freitag Fasttag ist. An diesen Tagen gibt es Suppe und nur einfache Mahlzeiten.

Für Schwester Sandra bedeutet die Fastenzeit vielmehr sich insgesamt zu reduzieren: weniger Telefonate, weniger E-Mails, das, was man, in diesem Falle Frau tut, sehr bewusst tun und sich bestimmter Dinge enthalten.

Was das ist, findet jede Schwester selbst für sich heraus, manches bespricht sie mit der Priorin. Umso schöner ist es, diese Dinge nach der Fastenzeit wieder ganz neu wahrzunehmen, ihren Reichtum, ihre Schönheit und so viele Dinge neu schätzen zu lernen. Außerdem hilft es, Ostern als Ende der Fastenzeit und Neubeginn nicht aus dem Blick zu verlieren.

Das Privileg des Zölibats

Dass die Fastenzeit vordergründig mit einer Zeit des Verzichts gleichgesetzt wird, behagt Pater Jeremias nicht so sehr. Auch nicht die Vorstellung Außenstehender, dass ein Leben im Orden doch permanenten Verzicht bedeutet.

Der Verzicht auf Ehe und Familie z.B., ein Leben ohne größeren eigenen Besitz oder die Freiheit, sich welchen aufzubauen. Stattdessen die Bindung an ein Leben in festgesetzten Zeiten und Ritualen an festgelegten Orten – Außenstehende mögen da wenig Raum zur Entfaltung sehen. Und in dieser Situation auch noch obendrauf fasten?

Pater Jeremias sieht das ganz anders.

„Ich habe eigentlich ein sehr privilegiertes Leben, gerade als Ordensmann. Ich habe meine Räume, wo ich für mich sein kann. Wenn ich meine Zimmertür zumache, dann bin ich für mich und da stört mich normalerweise auch niemand. Das kann ich machen, bei mir gibt es keine Kinder, die irgendetwas von mir wollen, auch keinen Ehepartner – ich weiß, dass das ein Verzicht ist, aber ich merke auch, dass es ein großes Privileg ist. Auch, dass ich ein relativ abgesichertes Leben führe in dieser Gemeinschaft, die vieles mitträgt, in der ich mich um vieles gar nicht kümmern muss, weil es andere Mitbrüder für mich machen. Ich sehe es nicht unter dem Aspekt, auf wie viele Dinge ich verzichte. Sondern ich habe ja diese Lebensform für mich frei gewählt. Ich glaube, es ist alles eine Einladung; die christliche Haltung ist überhaupt die Einladung, das Leben in seiner Fülle anzunehmen.“

Fasten, um mehr zu genießen

Für Pater Jeremias ist das Leben in einer klösterlichen Gemeinschaft die Einladung zu einem Leben in Fülle. Gerade die festgelegte Form und die Erfahrung, nicht alles haben zu müssen, wie er es nennt, schenke ihm auch Freiheit.

Das ist eine Sicht, die überraschend anders ist als viele es sich als Nicht-Ordensmitglieder vorstellen. Ich bin überrascht darüber, wie Pater Jeremias in diesem Jahr die Fastenzeit begeht:

„Ich bin einem guten Essen gegenüber nicht abgeneigt, einem guten Wein oder einem schönen Bier am Abend. Das ist mir alles sehr lieb.  Auch in der Fastenzeit. In diesem Jahr, da uns die Pandemie so prägt, habe ich das Gefühl, geht es nicht so sehr darum, etwas wegzulassen, außer bei den Dingen, die mich in eine komische stumpfe Routine bringen, dann ja. Ansonsten versuche ich eher die Dinge noch mal von der Genussseite her zu sehen.“

Fasten heißt auch reflektieren

Für Schwester Sandra und ihre Mitschwestern ist auch in der heutigen Zeit die Kloster-Regel des hl. Benedikt aus dem 6. Jahrhundert wichtig.

Im 49. Kapitel der Regel rät er, wie Mönche und Nonnen die Fastenzeit verbringen können. Benedikt befiehlt nicht, er rät, seine gute Menschenkenntnis durchzieht die ganze Regel.

Da ist schnell ist zu merken: Fasten ist für Benedikt kein „religiöser Kraftakt“, der auf eine mögliche Bewunderung der Mitmenschen oder einen sadistischen Wunsch Gottes abzielt. Es kommt auf das ‚Wie‘ an.

Verzicht mit einem gramvollen Gesicht ist der falsche Weg, weiß Benedikt. Wer fastet ist eingeladen, sensibler und achtsam zu werden. Bei Benedikt heißt das:

„in aller Lauterkeit auf unser Leben achten“.

Es ist ja Jesus, der uns Menschen auffordert, wachsam zu sein. Und: „Seid wachsam“ ist die Haltung, mit der die Ordensleute durch die Fastentage kommen sollen. Ganz pragmatisch heißt das: Reflektion des eigenen Tuns und der Alltagsgewohnheiten.

Wichtig für den heiligen Benedikt ist in seiner Regel immer die Beachtung des richtigen Maßes. In der Fastenzeit allerdings, rät er, 40 Tage lang über das übliche Maß hinauszugehen. 

Doch am Wichtigsten ist bei allem Fasten die Grundstimmung.

„Mit geistlicher Sehnsucht und Freude erwarten wir das Osterfest“

(RB49,7),

schreibt er. Das ist schon ein starkes Bild: Die Freude kommt in Benedikts Regel nicht zu kurz. Mehr noch, sie ist sozusagen die Schwester der Sehnsucht.

Fasten mit Sehnsucht und Freude

Benedikt rät zum ständigen Bemühen, ein Leben in der Freude des Heiligen Geistes zu führen und schreibt: Sehnsucht und Freude! Diese Worte als der wahre Fastengrund sollten nicht überhört werden: Sehnsucht und Freude helfen, den Sinn des Fastens zu verstehen. Deutlich wird damit, dass die Fastenzeit ein Ziel hat und kein Selbstzweck ist.

Die Benediktsregel ist natürlich auch für Zisterzienserinnen prägend und verbindlich. Darin heißt es, dass die Vorsteherin des Klosters, also die Äbtissin oder Priorin, in der Fastenzeit jeder Schwester auftragen soll, ein biblisches Buch zu lesen. Dazu kommen noch weitere Fastenaufgaben.

Das ist heute ähnlich, aber es muss kein Buch der Bibel sein. Die Zisterzienserinnen in Helfta besprechen selbst mit der Priorin, welches Buch sie lesen wollen. So hat sich Schwester Sandra ein aktuelles theologisches Buch über Psalm 99 herausgesucht.

Fastenopfer müssen genehmigt werden

In ihren Rekreationszeiten, also den Stunden im Kloster, in denen die Schwestern in lockerer Runde beieinandersitzen, kommt es jetzt in der Fastenzeit vor, dass sich die Schwestern über ihre Bücher austauschen.

Natürlich, macht Sr. Sandra klar, sind Schwestern auch nur ganz normale Menschen, manche lesen gern und viel, andere nur das Nötigste. Und so ist die ausgesuchte Literatur – auch von Art und Umfang her – so bunt wie die Gemeinschaft der Nonnen. Da ist es schon sehr klug und weise, dass jede selbst schauen kann, was ihr zu Lesen behagt.

Zusätzlich macht jede Schwester bis zu drei Vorschläge mit besonderen Aufgaben, schlicht gesagt „Fastenopfern“, und spricht diese mit der Klostervorsteherin ab. Wie diese damit umgeht ist von Kloster zu Kloster unterschiedlich.

Da muss eine Schwester schon aufpassen, was sie draufschreibt, es ist durchaus möglich, dass die Priorin dann gleich alle drei Vorschläge annimmt. „Allerdings nicht in Helfta“, sagt Schwester Sandra entwarnend. Und fügt hinzu, dass es auch andersherum geht.

Manchmal kommt es vor, dass ein hochherziger Entschluss von der Priorin oder Äbtissin wieder gestrichen wird. Es ist manchmal schwerer, das alltägliche neu zu tun als sich Extremforderungen aufzuerlegen.

Achtsamer sein ist auch Fasten

Solche Vorgaben gibt es bei den Augustinern nicht. Pater Jeremias erzählt mir, wie er ganz konkret in diesem Jahr die Fastenzeit lebt, was ihm besonders wichtig ist in dieser durch Corona so anderen Zeit.

Es setzt ihm sehr zu, dass er viele seiner Freunde längere Zeit, eigentlich Jahre nicht gesehen hat. Auch seine Familie habe er das letzte Mal im September gesehen, und da eigentlich nur seine Mutter und nicht seine Geschwister.

Das ist eine lange Zeit. Deshalb will er in der diesjährigen Fastenzeit Wert darauf legen, seine Beziehungen zu pflegen. So will er sich nun bewusst Zeit nehmen, um öfter mit seiner Mutter zu telefonieren. Wenigstens einmal die Woche nimmt er sich Zeit für ein Gespräch, und zwar so, dass sie nicht das Gefühl bekomme, nach zehn Minuten müsse sie den Sohn eigentlich schon wieder in Ruhe lassen.

Außerdem möchte Pater Jeremias die Fastenzeit nutzen, um beim Einkauf und Kochen darauf zu achten, dass die Lebensmittel, wie er sagt, gut sind. Er findet es wichtig, dass sie aus gerechten Herstellungsprozessen kommen.

„Das finde ich wichtig. Achtsamer zu sein, was wir konsumieren und wie wir konsumieren. Und dann darf es am Sonntag auch ein Bier geben zum Essen. Früher habe ich immer rigoros von Aschermittwoch bis Ostern keinen Tropfen Alkohol getrunken, auch um mal selbst zu schauen, wie geht es dir denn, wenn du wirklich mal keinen Alkohol trinkst. Jetzt geht es mir eher darum zu sagen: alles, was ich immer habe, kann ich auch nicht immer genießen, sondern letzten Endes muss ich mir manchmal auch den Verzicht auferlegen, um auch wieder gut genießen zu können.“

Fastenzeit: den Blick wieder schärfen

Bei den Augustinern in Erfurt läutet es öfter an der Tür. Oft sind es Obdachlose oder andere Hilfsbedürftige, die sich von einer Einrichtung der Kirche Hilfe erhoffen.

Der Blick für den Nächsten gehört eigentlich immer zu einem christlichen Leben dazu. In der Fastenzeit will Pater Jeremias diesen Blick allerdings nochmal neu schärfen, denn er gibt zu:

„Das nervt ja manchmal. Die kommen ja immer zu der Zeit, wenn es gerade nicht passt. Und ich habe mir vorgenommen, für diese Menschen aufmerksam zu sein. Dann nehme ich mir Zeit für sie und höre ihnen auch länger zu, als ich es sonst manchmal im Alltag tue.

Und ich versuche wirklich zu schauen: Was brauchen sie jetzt? Das würde ich auch als Fasten sehen. Ich hoffe, dass ich das beibehalten kann und nicht nur in der Fastenzeit mache. Ich glaube, die Fastenzeit ist auch dazu da, den Blick wieder zu schärfen.“

Fastenzeit ist „Reset-Taste“

Das Ziel der Fastenzeit ist Ostern, das Fest der Auferstehung Jesu am Ende der 40 Tage. So bedeutet Ostern auch für jeden Christen in gewisser Weise Auferstehen und neu geboren werden.

Aber das ist gar nicht so einfach, selbst in klösterlichen Gemeinschaften, die eine lange Tradition haben, stellt Sr. Sandra fest. Es ist schlicht wahr, dass alle etablierten Klöster eine gewisse Schwerfälligkeit haben. Es wäre leichter, ein neues Kloster zu gründen, als ein bestehendes neu auszurichten.

Oft bleibt man in der täglichen Wiederholung stecken. Um da gegenzusteuern, ist die Fastenzeit eine gute Einrichtung. Diese Zeit ist die „Reset-Taste“, sagt Schwester Sandra verschmitzt. Die alten Programme löschen und wieder neu loslegen.

Und das passt nicht nur für ein Leben im Kloster.

Die redaktionelle Verantwortung hat Martin Korden.

Musik:

Sjaella – Ubi Caritas

Sjaella – Gib dich zufrieden und sei stille

Ola Gjeilo – Sacred Heart

Ola Gjeilo – The Lake Isle

Sjaella – Blackbird

Ola Gjeilo – The Ground


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Dieser Beitrag wurde am 21.03.2021 gesendet.


Über die Autorin Andrea Wilke

Andrea Wilke wurde 1964 in Potsdam-Babelsberg geboren. 1989 - 1995 studierte sie Katholische Theologie in Erfurt und war danach bis 2002 tätig in der Forschungsstelle für kirchliche Zeitgeschichte an der Universität Erfurt. Sie ist Onlineredakteurin für die Homepage des Bistums und Rundfunkbeauftragte für den MDR im Bistum Erfurt. Kontakt
Bischöfliches Ordinariat
Onlineredaktion
Herrmannsplatz 9
99084 Erfurt
http://www.bistum-erfurt.de
awilke@bistum-erfurt.de

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Über den Autor Guido Erbrich

Guido Erbrich, geboren 1964, ist Vater von vier Töchtern. Er lernte den Beruf des Tontechnikers bei Radio DDR und arbeitete bis 1987 beim Sender Leipzig. Danach schloss er ein kirchliches Abitur in Magdeburg ab. Sein Studium der Theologie führte ihn nach Erfurt, Prag und New Orleans. Im Bistum Dresden-Meißen war Erbrich bis 2002 Referent in der Jugendseelsorge. Danach wechselte er als Studienleiter und Referent ins Bischof-Benno-Haus nach Schmochtitz. Bis 2010 leitete Erbrich die Katholische Erwachsenenbildung Sachsen. Von 2010 bis 2020 war er Leiter der Heimvolkshochschule Roncalli-Haus Magdeburg. Seit 2020 ist er der Senderbeauftragte der Katholischen Kirche für den MDR.

Kontakt
Guido.Erbrich@bddmei.de

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