Wort zum Tage, 20.03.2021

von Beate Hirt, Frankfurt

Freude auf Frühling

Ende Februar schon hab ich mit meinem Bruder und meinen Neffen zum ersten Mal wieder auf der Terrasse gesessen. Es war das erste warme Wochenende dieses Jahr, und wir haben sogar den Grill angeworfen.

Es war so schön, wieder mal zusammen im Garten zu sitzen. Ich freu mich jedes Jahr auf den Frühling. Aber vermutlich hab ich mich noch nie so wahnsinnig darauf gefreut wie dieses Jahr.

Wegen Corona natürlich. Der Winter war schon ziemlich hart. Wegen des harten Lockdowns hab ich Familie und Freundinnen praktisch nur draußen getroffen, und das ist bei Nieselregen oder Minusgraden nicht so freundlich. Klar, wir sind viel spazieren gegangen, bei fast jedem Wetter.

Aber manchmal möchte man sich doch einfach nur zusammen hinsetzen. Vielleicht was gemeinsam essen. Ohne blaue Fingerkuppen zu bekommen.

Heute ist Frühlingsanfang. Die Temperaturen steigen in diesen Wochen, unaufhörlich, auch, wenn es mal Rückschläge gibt. Die Sonne steigt immer höher, und sie wärmt wieder. Und grüner und bunter wird es im Garten und auf den Wegen auch.

Peu á peu kommen Krokusse hervor und die ersten grünen Triebe an den Büschen und Bäumen. Mir steigen wieder Düfte in die Nase: von Frühlingsblüte und Freiheit und neuem Anfang. Ich find das herrlich – und in diesem Corona-Jahr eben ganz besonders.

Der Frühling ist ein Fingerzeig, ein Hoffnungszeichen für mich: Das Leben setzt sich durch. Das Leben geht weiter. Es ist ja kein Zufall, dass es jetzt auch auf Ostern zugeht und auf das Pessach-Fest im Judentum. Freiheit und Leben gewinnen die Überhand: Das wird da gefeiert.

Die Toten bleiben nicht tot, auch, wenn wir das kaum glauben können. Im Winter kann ich es ja auch immer wieder kaum glauben: Dass diese kahlen Bäume hinter meinem Haus wieder grün und blühend werden. Dass das Leben wirklich zurückkehrt.

Und diesen Winter kam noch etwas dazu: Ich konnte kaum glauben, dass wir irgendwann wieder rauskommen aus dieser Pandemie. Die deprimierendsten Sätze waren Sätze wie:

„Ich glaube, Corona hört nie wieder auf.“

Doch, ich glaube, wir kommen raus aus dieser Pandemie. Langsam. Und vielleicht verändert. Aber wir werden dieses Virus besiegen. Das Leben wird siegen.

Ich glaube das auch, weil ich an Gott glaube. Er ist ein Gott des Lebens. Die göttliche Kraft lässt im Frühling die Bäume wieder grün werden.

Und sie gibt den Toten das Leben zurück. Sie holt mich heraus aus meinen Ängsten und Einsamkeiten. Der Frühling ist für mich die Zeit von Hoffnung und neuem Leben. Ich freu mich wahnsinnig darauf.


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Dieser Beitrag wurde am 20.03.2021 gesendet.


Über die Autorin Beate Hirt

Beate Hirt ist Senderbeauftragte der katholischen Kirche beim Hessischen Rundfunk in Frankfurt. Sie studierte katholische Theologie und Germanistik in Mainz und Paris. Danach war sie als Persönliche Referentin beim Mainzer Bischof Karl Kardinal Lehmann tätig. Seit 2003 ist sie Rundfunkbeauftragte des HR. Sie schreibt und liest gern, am liebsten über Gott. Inspiration und Entspannung findet sie beim Joggen, Wandern und Singen. Kontakt: info@kirche-im-hr.de www.kirche-im-hr.de

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