Wort zum Tage, 19.03.2021

von Beate Hirt, Frankfurt

Heiliger Josef

Man könnte ihn vielleicht einen emanzipierten oder neuen Mann nennen, den Heiligen, der heute im Kalender steht. Dabei hat er schon vor zweitausend Jahren gelebt. Der heilige Josef.

Der Mann der heiligen Maria und der Ziehvater von Jesus. Man kennt ihn vor allem aus der Weihnachtsgeschichte.

„So zog auch Josef von der Stadt Nazaret in Galiläa hinauf nach Judäa in die Stadt Davids, die Betlehem heißt.“

(Lukas 2,4)

So heißt es am Anfang der Geburtsgeschichte von Jesus. Im Stall von Betlehem sieht man sie dann: die heilige Familie. Das Jesuskind in der Mitte in der Krippe, Maria dicht nebendran – und Josef, ein bisschen im Hintergrund.

Der heilige Josef ist schon in der Weihnachtsgeschichte eher ein Mann der zweiten Reihe. Man könnte sagen: Er hält Maria den Rücken frei. Es ist Maria, die vom Engel die Botschaft erhält:

„Der Heilige Geist wird über dich kommen und du wirst einen Sohn bekommen.“

Der heilige Josef ist also eher in den Hintergrund gerückt.

Was auch interessant ist: In der Bibel ist kein einziges Wort von ihm überliefert. Er ist ein stummer Heiliger. Maria redet immer wieder – mit dem Engel, mit ihrer Cousine Elisabeth.

Ein ganzer Gesang ist von ihr überliefert, das berühmte Magnificat, Meine Seele preist die Größe des Herrn. Nichts dergleichen von Josef. Und so steht dieser heilige Mann auch bis heute in den Kirchen eher im Schatten seiner heiligen Frau.

Ich bin in einer Kirchengemeinde groß geworden, die Sankt-Josefs-Gemeinde heißt. Der 19. März wurde immer gefeiert, Patrozinium hieß das. Aber selbst in unserer Kirche standen vor dem Marienaltar immer mehr Kerzen als vor dem Josefsaltar.

Trotz alledem oder vielleicht gerade deswegen ist mir dieser heilige Josef besonders sympathisch: Denn als Heiliger im Hintergrund hat er einen richtig guten Job gemacht. Er bleibt bei Maria, obwohl das Kind, das sie bekommt, nicht von ihm ist. Er bringt seine Familie in Sicherheit vor dem bösen König Herodes und flieht mit ihr nach Ägypten, auch davon erzählt die Bibel.

Der heilige Josef kümmert sich um die Menschen, die ihm anvertraut sind, und das, ohne groß Aufhebens darum zu machen.

Mir sind solche Menschen sympathisch: Kümmerer im Hintergrund. Menschen, die anpacken, wo sie gebraucht werden. Die sich um andere kümmern und sorgen. Ohne sich in den Vordergrund zu drängen. Solche Leute gibt’s ja heute auch zuhauf. In Familien, in Betrieben, besonders auch in Pflegeheimen oder Krankenhäusern.

Und ich finde es gut, dass es eben nicht nur klischeehaft die Frauen sind, die sich im Hintergrund sorgen und kümmern. Sondern auch: die Männer. Männer wie dieser heilige Josef.


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Dieser Beitrag wurde am 19.03.2021 gesendet.


Über die Autorin Beate Hirt

Beate Hirt ist Senderbeauftragte der katholischen Kirche beim Hessischen Rundfunk in Frankfurt. Sie studierte katholische Theologie und Germanistik in Mainz und Paris. Danach war sie als Persönliche Referentin beim Mainzer Bischof Karl Kardinal Lehmann tätig. Seit 2003 ist sie Rundfunkbeauftragte des HR. Sie schreibt und liest gern, am liebsten über Gott. Inspiration und Entspannung findet sie beim Joggen, Wandern und Singen. Kontakt: info@kirche-im-hr.de www.kirche-im-hr.de

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