Wort zum Tage, 18.03.2021

von Beate Hirt, Frankfurt

Corona-Gebet

Corona hat mich tatsächlich ein bisschen frommer gemacht. Ich hab vorher schon gebetet. Aber seit Mitte März 2020 tu ich das in besonderer Weise zwei Mal am Tag: Ich bete dann mein Corona-Gebet.

Es sind nur ein paar Zeilen und dauert eine knappe Minute. Ich hab es geschrieben für unsere kirchliche Homepage damals vor einem Jahr, als dieses Virus plötzlich unser Leben gekapert hat. Und uns Angst gemacht hat.

Mir hat es geholfen, mich in der Situation an Gott zu wenden. Ihn zu bitten: Steh uns bei!

Das Beten hat mir auch geholfen, mich zu sortieren. Was passiert da gerade? Ich hab darin meine Sorge ausgesprochen:

„Auf der ganzen Welt werden Menschen krank, und noch viel mehr bleiben zuhause oder auf Abstand zueinander, um sich nicht anzustecken.“

Das Beten hat mir auch geholfen, wahrzunehmen und auszudrücken, was ich in der Situation gerade brauche und was ich von Gott erbitte:

„Hilf uns, gelassen zu bleiben.“

Beim Gebet formulieren ist mir auch wieder klargeworden, was ich tun kann. Auch dafür bitte ich Gott um Kraft.

„Hilf uns, Solidarität zu zeigen mit denjenigen, die wir in dieser Pandemie besonders schützen müssen.“

Der tiefste Wunsch und die größte Bitte steckt für mich seit einem Jahr aber in diesem Satz:

„Guter Gott, lass diese Corona-Krise bald vorübergehen.“

Seit einem Jahr bete ich das jetzt so, wann immer es geht, mittags um 12 und abends um 18 Uhr.

Ich hab das Glück, in der Nähe einer Kirche zu wohnen, bei der um die Zeit nicht nur die Glocken läuten, sondern sogar ein Glockenspiel erklingt. Mittags und abends höre ich von dort ein Kirchenlied.

Jetzt in der Fastenzeit ist es oft ein bekanntes Passionslied, „O Haupt voll Blut und Wunden“ zum Beispiel. Manchmal bin ich gerade mitten in irgendeiner E-mail, wenn das Lied erklingt. Dann lasse ich alles stehn und liegen, gehe raus auf meinem Balkon – und bete.

Ob Gott mich hört, ob er diese Corona-Krise bald vorübergehen lässt? Ich glaube schon. Aber was ich sicher sagen kann: Dieses regelmäßige Beten verändert mich. Es hilft mir, durch die Krise zu kommen.

Weil ich meine Sorgen abgebe bei Gott. Weil ich zweimal am Tag durchschnaufe und alles unterbreche, was ich gerade tue.

Nicht zuletzt auch: Weil ich mich mit anderen Menschen verbinde, von denen ich weiß, dass sie mit mir beten, und mit den Menschen, für die ich bete, weil sie krank sind und unter der Krise besonders leiden. Mein Gebet endet jedes Mal mit dieser Bitte an Gott:

„Schenke uns jetzt Mut und Zuversicht.“

Linktipp: https://www.kirche-im-hr.de/aktuelles/2020/gebet-in-der-corona-krise/


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Dieser Beitrag wurde am 18.03.2021 gesendet.


Über die Autorin Beate Hirt

Beate Hirt ist Senderbeauftragte der katholischen Kirche beim Hessischen Rundfunk in Frankfurt. Sie studierte katholische Theologie und Germanistik in Mainz und Paris. Danach war sie als Persönliche Referentin beim Mainzer Bischof Karl Kardinal Lehmann tätig. Seit 2003 ist sie Rundfunkbeauftragte des HR. Sie schreibt und liest gern, am liebsten über Gott. Inspiration und Entspannung findet sie beim Joggen, Wandern und Singen. Kontakt: info@kirche-im-hr.de www.kirche-im-hr.de

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