Gottesdienst am ersten Fastensonntag

Predigt des Gottesdienstes aus der Wallfahrtskirche Mariahilf in Passau

Predigt von Domdekan Hans Bauernfeind

Liebe Zuhörerinnen und Zuhörer, verehrte Schwestern und Brüder,

ich war noch ein kleines Kind. Meine Mutter blickte zum Himmel und strahlte vor Freude. „Wunderschön.“, sagte sie. Dann wies sie meinen Blick zum Himmel. Dort war ein herrlicher Regenbogen. Er spannte sich über die Landschaft. Ich höre mich noch heute sprechen: „Wunderschön.“

Aus dieser Erfahrung heraus verstehe ich, dass der Regenbogen zum Symbol des Bundes zwischen Gott und den Menschen geworden ist. Letztere hatten alle Ordnungen ihres Schöpfers verlassen. Gottlos manövrierten sie sich in die Katastrophe.

Die Sintflut verschlang alle. Ausgenommen blieben der gottestreue Noach und seine Familie. Er hörte auf Gott und baute eine Arche. So überlebte die Noach-Familie und mit ihr viele Lebewesen, die er mitgenommen hatte. Nach der Rettung wurde der Regenbogen zum Zeichen dafür, dass Gott nicht den Untergang der Menschen möchte. Nichts ersehnt er mehr als die vertrauensvolle Gemeinschaft mit ihnen.

Mit Jesus, der wahrer Mensch und zugleich wahrer Gott ist, erreicht diese Sehnsucht Gottes ihren Höhepunkt. Gemäß dem Markusevangelium treibt der Geist Jesus in die Wüste. Jesus muss also dorthin gehen, damit er seine göttliche Sendung angehen kann. Vierzig Tage bleibt er dort. Er wird vom Satan versucht: Als Sohn Gottes könne er alles vollbringen. Unendlich reich und mächtig vermag er zu werden. 

Aber noch tiefer hört Jesus die Stimme seines Vaters im Himmel: Ich will, dass die Menschen mich als den erfahren, der sie erschaffen hat und ihnen Heil schenkt. Der Mensch soll sich bei mir daheim wissen können. Damit das geschieht, reinigt Jesus alle Gedanken von Selbstsucht.

Zugleich lässt er alles, was Gott dem Menschen an Gutem gibt, vollkommen zur Geltung kommen. Als Jesus schlussendlich bei den wilden Tieren leben konnte, die Selbstsucht also Jesus nicht zu überwältigen vermochte – dienten ihm die Engel, weil er ganz im Willen seines Vaters wohnte. Jetzt war die Zeit erfüllt, das Evangelium Gottes zu verkündigen.

Sein Inhalt lautet: Gott sehnt sich nach uns Menschen. Er will die Gemeinschaft mit uns. Er ruft allen zu, sich bei ihm geborgen zu wissen. Diese Botschaft gilt ausnahmslos allen. Wer so geliebt wird, kann Gott lieben, seinen Nächsten wie sich selbst und die Schöpfung als Geschenk Gottes sehen. 

Weiter heißt es bei Markus: Jesus verkündete das Evangelium Gottes. Er erzählt es nicht einfach. Mit seiner ganzen Person bezeugt er es. Unermüdlich weist er auf seinen Vater im Himmel hin. Er geht bis zum Tod am Kreuz, um alle Menschen zu erlösen. Er lässt uns erfahren, wie befreiend und rettend es ist, gemeinsam    mit Gott zu leben – in seinem Heiligen Geist verbunden zu sein. 

Wenn Jesus spricht: „… das Reich Gottes ist nahe“, dann kommt noch ein weiterer Vertrauen-stiftender Charakterzug Gottes ans Licht. Jesus, der Gottessohn, drängt uns nicht in die Gemeinschaft mit Gott. Er wirbt um uns.

Er sagt nicht: Das Reich Gottes ist da. Jetzt bist du drinnen, ob du willst oder nicht. Vielmehr verkündet er uns: Das Reich Gottes ist nahe – ist dir nahe, Mensch. Du kannst mitten in Gottes Gegenwart leben, wenn du dich für ihn entscheidest. Du kannst das, weil du frei bist.

Tust du es, dann wende dich ihm zu und trau seiner Frohen Botschaft. Lass dich auf sie ein. Sie wird dich aufrichten und lebendig sein lassen. Mit Gott erneuerst du die Welt. 

Liebe Zuhörerinnen und Zuhörer, verehrte Schwestern und Brüder, vierzig Tage war Jesus in der Wüste. Dort wurde er stark, das Evangelium bis zum Tod am Kreuz zu verkünden. Vierzig Tage lang bereiten wir Christen uns in der Fastenzeit auf die Kar- und Ostertage vor.

Ich kann erneut stark werden, an Gott zu glauben – vor allem wenn die Gemeinschaft mit ihm schwach geworden ist. Ich darf wieder tief in mir vertrauen, dass Gott treu bei mir ist. Seine Treue stärkt mich, wenn ich krank bin, wenn ich mich um einen Angehörigen sorge, wenn ich leide - besonders auch inmitten unserer Pandemiekrise, wenn ich Trost brauche, wenn ich Kraft benötige, mich zu engagieren, meine Meinung zu sagen oder jemandem beizustehen. All das erwächst aus der treuen Gemeinschaft mit Gott.

Wenn wir dann aber am Osterfest die Auferstehung Jesu vom Kreuzestod feiern, werden wir darüber hinaus verstehen: Gott sucht die Gemeinschaft mit uns nicht nur in diesem Leben, sondern ebenso für das ewige Leben. Wir sollen mit ihm ewig glückselig sein. 

Was für ein Gott, der uns heute vor Augen kommt – wunderschön wie ein Regenbogen.

Amen.


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Dieser Beitrag wurde am 21.02.2021 gesendet.





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