Wort zum Tage, 20.02.2021

von Diakon Paul Lang, Amöneburg

Tag der sozialen Gerechtigkeit

„Wieviel Stücke von der Torte sind für jeden da?“

Der Leiter unserer Jugendgruppe brachte vor vielen Jahren einmal eine ganze Obsttorte mit. Dann bediente er sich und bot uns übrigen ein einzelnes Stück an. Das könnten wir uns doch teilen.

Gerechtigkeit in der globalen Welt. Darum ging es.

„Wenige reiche Staaten auf der Nordhälfte der Erdkugel leben im Reichtum, die anderen müssen mit einem Minimum auskommen.“

Das haben wir uns als Jugendliche damals gemerkt.

„Wir sind reich, weil die anderen arm sind“,

hat der Theologe Karl Rahner das einmal formuliert. Reichtum und Armut in der Welt hängen ursächlich zusammen. Globalisierung ist das Stichwort.

Zuhause in der globalen Welt: Täglich erleben und erleiden wir das im Moment durch Corona. Innerhalb weniger Wochen erreicht ein Virus die ganze Erde: Von den Industriestaaten in Ost und West, Nord und Süd, bis zu den Inuit, den Bewohnern ferner Inseln – vor niemandem macht es halt.

Globalisierung. Ein Zauberwort: Jeden Flecken der Erde kann ich besuchen, wenn ich will. Fluggesellschaften und Reiseunternehmen machen es möglich. Ein tödliches Virus nutzt die Vernetzung der Menschen, um sich seinerseits auf Weltreise zu begeben – erfolgreich.

Globalisierung: Die Welt ist zusammengerückt. Nach und nach verstehen alle immer mehr und besser, dass die Menschheit weltweit zusammen gehört.

Die Diskussionen um die richtigen Coronamaßnahmen, um Impfstoffe und die Versorgung damit machen es deutlich: Die Pandemie lässt sich nur weltweit bekämpfen. Wer mehr bezahlen kann und sich schneller Impfstoffe sichert, erreicht nur wenig. Letztlich sind alle von allen abhängig.

„Wenn Ihr nur die liebt, die Euch lieben, was tut Ihr da besonderes…?“,

hat Jesus einmal gesagt. Und er entwickelt das Gebot der Feindesliebe. Wer das befolgt, macht eine wundersame Erfahrung: Menschen, für die ich mich einsetze, für die ich mitsorge, die sind am Ende nicht mehr Fremde oder meine Feinde. Am Ende gibt es nur noch eine Welt von Freunden.

Heute ist der „Welttag der sozialen Gerechtigkeit“. Die Vereinten Nationen haben ihn 2009 eingeführt. Das, was beim Impfstoff nach und nach alle zu verstehen scheinen, gilt für alles Zusammenleben auf dieser Welt.

Alle gehören zusammen, alle hängen voneinander ab. Das Bewusstsein dafür zu schärfen ist Anliegen dieses Gedenktages. Wir Menschen sind füreinander verantwortlich. Diese Vision der Welt ist zutiefst christlich. Gut, dass es diesen Gedenktag gibt und dass er mir das in Erinnerung ruft.


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Dieser Beitrag wurde am 20.02.2021 gesendet.




Paul Lang, geboren 1963, unterrichtet als Lehrer Latein, kath. Religion und Musik. Er lebt und arbeitet in Amöneburg bei Marburg. Der promovierte Musikwissenschaftler wurde 2014 in Fulda zum Diakon geweiht. Neben seiner Tätigkeit in der Schule bedeutet das die Übernahme vielfältiger Aufgaben in der Seelsorge in der Region. In seiner Freizeit wirkt er in der Leitung von zwei Chören mit, spielt Orgel und ist gerne auf Reisen, am liebsten mit dem Rennrad.

Kontakt:
paul.lang@bistum-fulda.de

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