Wort zum Tage, 18.02.2021

von Diakon Paul Lang, Amöneburg

Auf dem Mars

Heute Mittag um kurz vor 13 Uhr soll es passieren: Eine unglaubliche Reise wird dann ihr Ziel erreichen. Nach 480 Millionen Kilometern, so rechnen Wissenschaftler, soll der Nasa-Rover Perseverance dann auf dem Mars landen.

Unendliche Weiten… Sehnsucht in die Ferne. Menschen können in ihrem Entdeckungsdrang kaum gebremst werden. Reisen in ferne Länder, Archäologie, Forschung: eine faszinierende Welt.

Der Wettlauf um den Südpol, das Grab von Tutenchamun, Heinrich Harrer in Tibet. So lauten Kapitel in einem Sachbuch „Expedition ins Abenteuer, das mir als Jugendlichem eines der liebsten Bücher war.

Am Anfang vieler Entdeckungen stehen Fantasie und Kreativität. Science-Fiction und Wissenschaften gehen dabei oft Hand in Hand. Wieviele Entdeckungen wären nie gemacht worden, wenn Menschen nicht träumen würden!

Aber: Traum und Wirklichkeit stehen in einem Spannungsverhältnis. Das muss ausgehalten werden. Jeder Mensch kennt es, bin ich sicher. Was hätte nicht alles aus mir werden können! Was würde ich nicht alles viel lieber tun als das, was ich tue?!

Sehnsucht ist etwas Großartiges – sie lässt mich staunen und seufzen, ausblicken und suchen. Ihre Schattenseite zeigt sich, wenn sie mich verleitet, unglücklich zu sein.

Vor lauter „ach wäre doch“ kann ich dann übersehen, wer ich wirklich bin, was wirklich ist – und das dann nicht wertschätzen. Wenn ich nur träume, verliere ich den Boden unter den Füßen.  

Und dann ist da eine seltsame Ambivalenz: Einerseits soll alles so bleiben, wie es ist. Veränderung verunsichert. Andererseits reizt mich alles Neue. Menschen verändern und ertasten Grenzen.

Veränderung bedeutet Fortschritt. Die Welt ist in Veränderung zum Guten. Davon bin ich als Christ überzeugt. Den Schöpfungsauftrag verstehe ich genauso: Die Erde untertan machen, wie es in der Bibel steht, ist Aufforderung, sie zu verstehen, Verantwortung für sie zu übernehmen und das eigene Verhalten angemessen weiter zu entwickeln.

Der Wissenschaftsjournalist Ranga Yogeshwar liefert statistisches Material dazu. Er bestätigt: Die Zahl der Demokratien wächst, es gibt immer weniger Morde, immer weniger Armut. Die Welt wird immer besser!

Die Flügel der Fantasie und des Sehnens halten in mir den Hunger wach nach mehr, nach dem Anderen und Besseren. Das ist gut, weil es Vollkommenheit auf der Welt noch nicht gibt, sie wird immer verbesserungsfähig sein.

Dass Menschen den Mars erreichen können, begeistert mich. Wir träumen. Und manche Träume können wir verwirklichen. Wer weiß – vielleicht kann ich ja heute einen Schritt tun, der mich auf dem Weg meiner Sehnsucht weiterbringt.


« zurück zur Übersicht

nach oben ↑


Beitrag anhören


Dieser Beitrag wurde am 18.02.2021 gesendet.




Paul Lang, geboren 1963, unterrichtet als Lehrer Latein, kath. Religion und Musik. Er lebt und arbeitet in Amöneburg bei Marburg. Der promovierte Musikwissenschaftler wurde 2014 in Fulda zum Diakon geweiht. Neben seiner Tätigkeit in der Schule bedeutet das die Übernahme vielfältiger Aufgaben in der Seelsorge in der Region. In seiner Freizeit wirkt er in der Leitung von zwei Chören mit, spielt Orgel und ist gerne auf Reisen, am liebsten mit dem Rennrad.

Kontakt:
paul.lang@bistum-fulda.de

Allgemeine Seiten-Suche

» Autoren-Suche  |  » Beitrags-Suche