Wort zum Tage, 17.02.2021

von Diakon Paul Lang, Amöneburg

Ascheermittwoch

 „Bedenke Mensch, dass du Staub bist und wieder zum Staub zurückkehren wirst“.

Das werde ich nachher im Gottesdienst zum heutigen Aschermittwoch sagen. Dabei lasse ich den Menschen, die das möchten, ein wenig Asche in die Hand rieseln.

Sie können sich dann damit selbst ein Kreuz auf die Stirn zeichnen, so ist der Plan in diesem Jahr mit Rücksicht auf Corona.

Asche - alles vergänglich? Das klingt negativ und düster. Der israelische Historiker Yuval Noah Harari warnt in einem seiner Bücher energisch davor, immer schwarz zu sehen. Das sei Panik, meint er.

„Panik ist Hybris. Überheblichkeit“,

schreibt er.

„Panik heißt: zu wissen meinen, dass alles untergeht.“

Das aber könnten wir nicht wissen, es sei anmaßend, so schwarz zu sehen. Sein Ratschlag ist: Von Panik herunterdimmen zu „Verunsicherung“.

Hat Aschermittwoch mit schwarzsehen zu tun?

„Bedenke Mensch, dass du Staub bist…“  

Vor ein paar Jahren bin ich einmal in Neapel auf dem Vesuv gewesen. Es ist eine unwirkliche Landschaft auf dem Berg. Über verkrustete Gesteinsformationen, erkaltete Lava und graubraunen Staub erreicht man erst mit dem Bus, dann zu Fuß den Kraterrand des Vulkans.

Fast senkrecht fallen die Wände dort auf seiner Innenseite hinab in einen düsteren, fahlen Schlund. Der Blick nach außen vom Krater aus aber ist ganz anders: Da zeigt sich eine blühende Landschaft bis hin zum Meer.

Nur hier und da ziehen sich noch wie Flüsse graue Bahnen den Berghang hinab: Etwas von der Asche des letzten Ausbruchs vor über 70 Jahren. Längst aber sprießt links und rechts davon das Leben vielfältig.

Grün und gelb leuchten Sommerblumen aus dem Boden. Nirgends ist die Erde so fruchtbar wie dort, wo Asche und Glut alles versengt haben. Aus Asche wächst neues Leben.

Deshalb hat auch der Aschermittwoch nichts mit schwarzsehen zu tun. Vielleicht mit der Verunsicherung, die Harari empfiehlt.

Der Tag heute und die ganze nun beginnenende Fastenzeit können Einladung sein, im Haus meines Lebens aufzuräumen. So viel Programm jeden Tag, Woche für Woche, Begegnungen, Gespräche, Aktivitäten. Was zählt für mich wirklich, was ist wesentlich, was hat bleibenden Wert? Was von alldem soll wachsen – und was stört eher?

Heute startet die christliche Fastenzeit. 40 Tage – die Sonntage nicht mitgerechnet – dauert diese Vorbereitung auf Ostern.

Es ist keine düstere Zeit. Wenn ich den Mut habe, mich auf Wesentliches zu beschränken, dann kann aus der Asche erledigter Gewohnheiten und verlorener Begeisterung neues Leben wachsen. So kann Ostern werden, das Fest des Lebens und der Auferstehung.


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Dieser Beitrag wurde am 17.02.2021 gesendet.




Paul Lang, geboren 1963, unterrichtet als Lehrer Latein, kath. Religion und Musik. Er lebt und arbeitet in Amöneburg bei Marburg. Der promovierte Musikwissenschaftler wurde 2014 in Fulda zum Diakon geweiht. Neben seiner Tätigkeit in der Schule bedeutet das die Übernahme vielfältiger Aufgaben in der Seelsorge in der Region. In seiner Freizeit wirkt er in der Leitung von zwei Chören mit, spielt Orgel und ist gerne auf Reisen, am liebsten mit dem Rennrad.

Kontakt:
paul.lang@bistum-fulda.de

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