Wort zum Tage, 16.02.2021

von Diakon Paul Lang, Amöneburg

Fastnacht

Fastnachtsdienstag. Früher gab es da im Nachbardorf abends immer einen großen Lumpenball. Er war das Event der Region. Irgendwann wollte ich nicht mehr mit dahin.

Viel zu jung war mir inzwischen die Mehrheit der Gäste. Aber dann haben mich ein paar Freunde doch mehr überredet als überzeugt. Das Gesicht bis zur Unkenntlichkeit unter farbenfroher Schminke und einer Augenmaske verborgen, das bunte Gewand eines Harlekins – und ab zum Bad in der Menge.

Irgendwann im Laufe des Abends steht einer meiner Schüler vor mir. Ein paar flapsige Wortwechsel und wir erkennen uns. Ein Chaot sondergleichen. Viel Freude hatte ich in der Schule nicht an ihm – bisher.

Aber jetzt kamen wir ins Gespräch. Und das blieb nicht an der Oberfläche. Keine Ahnung, wie lange wir da diskutiert haben; aber es tat uns beiden gut.

Und das Erstaunliche: Wir konnten miteinander ganz ungezwungen sprechen. Seine Mitschüler wussten ja nicht, mit wem er da redete. Mit einem Lehrer hätte er sich sonst wohl nicht im vertrauten Gespräch gezeigt. Und meine Leute? Die rätselten ebenfalls, mit wem ich da wohl im Abseits saß.

Im Schutz von Masken konnten wir auf eine Art und Weise miteinander sprechen, die sonst nicht möglich gewesen wäre. Seltsam, dass erst eine Maske nötig war, damit wir aufeinander zugehen konnten, damit wir die Rollen verlassen konnten, die wir sonst spielen.

„Am perfektesten tragen ihre Masken die, die glauben keine zu tragen“,

habe ich einmal gelesen. Jeder Mensch trägt Masken, spielt seine Rolle. Ja sicher auch unterschiedliche Rollen. Im Betrieb, im Büro, am Arbeitsplatz – da bin ich sicher ein anderer als zuhause, in der Familie oder im Freundeskreis.

Masken tragen ist nichts Schlimmes, denke ich. Wichtig ist, mir dessen bewusst zu bleiben. Mag sein, dass ich mir das nicht immer und überall ausgesucht habe. Auch dann ist es wichtig, dass ich mir von Zeit zu Zeit darüber klar werde.

Bei aller Last, die diese Rollen und Masken mit sich bringen, tröstet mich das feste Vertrauen, dass da einer ist, der mich so kennt und sieht, wie ich bin. Der mich mag und mit mir umgehen kann, ohne dass ich Schminke auftrage.

„Herr, du hast mich erforscht und du kennst mich“,

betet ein Psalm.

„Ob ich sitze oder stehe, du weißt von mir. ... Ich danke dir, dass du mich so wunderbar gestaltet hast.“

„Herr, du kennst mein Herz, bei dir bin ich geborgen.“


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Dieser Beitrag wurde am 16.02.2021 gesendet.




Paul Lang, geboren 1963, unterrichtet als Lehrer Latein, kath. Religion und Musik. Er lebt und arbeitet in Amöneburg bei Marburg. Der promovierte Musikwissenschaftler wurde 2014 in Fulda zum Diakon geweiht. Neben seiner Tätigkeit in der Schule bedeutet das die Übernahme vielfältiger Aufgaben in der Seelsorge in der Region. In seiner Freizeit wirkt er in der Leitung von zwei Chören mit, spielt Orgel und ist gerne auf Reisen, am liebsten mit dem Rennrad.

Kontakt:
paul.lang@bistum-fulda.de

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