Wort zum Tage, 15.02.2021

von Diakon Paul Lang, Amöneburg

Rosenmontag

Nein. Heute werden keine Umzüge durch verstopfte Straßen ziehen. Es werden keine Bonbons in Menschenmengen landen. Was ein Rosenmontag! Das wird ein harter Tag für die Freunde des Karnevals, des Faschings und der Fastnacht.

Rosenmontag ist in meiner Umgebung eher unspektakulär. Vor ein paar Jahren habe ich mich deshalb am Rosenmontag kurz entschlossen in den Zug nach Mainz gesetzt. Dort leben Freunde. Rosenmontag in einer Fastnachtshochburg am Rhein!

Kaum sitze ich im Zug, klingelt mein Handy. Eine Polizeistation meldet sich. „Vermissen Sie Ihren Autoschlüssel?“ Mir wird heiß und kalt. Der Schlüssel ist nicht im Rucksack, nicht in der Hosentasche.

„Ja, der ist weg!“ -

„Keine Sorge, ein Passant hat ihn gefunden. Er liegt bei uns auf der Wache. Holen Sie ihn ab, wenn Sie heimkommen. Es ist rund um die Uhr jemand da.“

Glück gehabt! Dank eines ehrlichen Finders und toller Polizisten: Was haben die alles unternommen? Das Auto identifiziert, den Halter gesucht, nach ihm gegoogelt und telefoniert. Ich überlege: Bin ich jetzt mehr erschrocken über mein Missgeschick oder dankbarer über den so entspannt wiedergefundenen Schlüssel?

Ich entscheide mich für das zweite. Das passt auch besser zum Rosenmontag, denke ich. Heute darf ich nicht nur gelassen und ausgelassen sein. Es ist ein Tag, an dem das Ungewöhnliche Vorrang hat.

Ich werde abends noch ein Glas Sekt mit den Polizisten trinken, nehme ich mir vor. Aber nein: Ich muss ja dann noch fahren, keine gute Idee. Ich muss schmunzeln. Alles ist verdreht. Fasching eben:

„Eigentlich ist der ganze Karneval Anarchie“,

hat ein Kölner Karnevalist einmal gesagt. Alles wird auf den Kopf gestellt. Holzgewehre mit Blumensträußchen und der verdrehte Karnevalsgruß nehmen militärische Sitten auf’s Korn.

Die Machthaber werden für kurze Zeit von Karnevalsprinzen und –prinzessinen abgelöst. Der Verkehr wird lahm gelegt durch die großen Umzüge.

Einmal die ganze Ordnung auf den Kopf stellen. Einmal denen, die Macht haben, die Meinung sagen. Schlecht finde ich das nicht! Nichts muss so sein, wie es ist: Waffen und Macht sind nur Beispiele. Es geht auch anders!

Wir können die Welt viel besser machen. Das ist der Kern auch dessen, was Christen glauben, bin ich überzeugt. So ein bisschen Rosenmontag in einer oft trüben Welt – das tut uns gut, finde ich.

Schade, dass heute keine Umzüge sind. Aber: Die Welt aufpeppen, schlechte Entwicklungen auf’s Korn nehmen, das geht trotzdem. Das Entscheidende passiert im Kopf! Rosenmontag geht trotz Corona!


« zurück zur Übersicht

nach oben ↑


Beitrag anhören


Dieser Beitrag wurde am 15.02.2021 gesendet.




Paul Lang, geboren 1963, unterrichtet als Lehrer Latein, kath. Religion und Musik. Er lebt und arbeitet in Amöneburg bei Marburg. Der promovierte Musikwissenschaftler wurde 2014 in Fulda zum Diakon geweiht. Neben seiner Tätigkeit in der Schule bedeutet das die Übernahme vielfältiger Aufgaben in der Seelsorge in der Region. In seiner Freizeit wirkt er in der Leitung von zwei Chören mit, spielt Orgel und ist gerne auf Reisen, am liebsten mit dem Rennrad.

Kontakt:
paul.lang@bistum-fulda.de

Allgemeine Seiten-Suche

» Autoren-Suche  |  » Beitrags-Suche