Feiertag, 07.02.2021

von Marion Sendker, Köln

Kirche – Moschee – Museum – Moschee: Die Hagia Sophia zwischen Religion und Politik

Sie war einst die größte Kirche der Welt. Heute ist sie eine Moschee - zum zweiten Mal schon. Die Hagia Sophia in Istanbul und der Streit um sie als Kirche, Moschee oder Museum erinnert schon seit ihrer Erbauung an den Streit um Macht - politisch wie religiös.

Foto: Marion Sendker

“Yallah Bismillah, Allahu Akbar! Tek bir!“

„Im Namen Gottes, um Gottes Willen, Gott ist groß, es gibt nur einen!“ 

So skandieren mehrere hundert Männer. Es ist der 24. Juli 2020. Die Männer stehen dicht gedrängt hinter einer Polizeiabsperrung neben der Hagia Sophia in Istanbul.

Foto: Marion Sendker

Während sie schreien, reißen manche demonstrativ den Zeigefinger in die Luft: Es ist ein Erkennungssymbol der radikal-islamischen Milli-Görüs-Bewegung. Anhänger von ihnen sollen auch in der Führungsriege der Partei des türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogans sein. 

Hier und da ist noch ein anderer Gruß zu sehen: Vier Finger in die Höhe, den Daumen an den Handballen gepresst. Das ist das Zeichen der Muslimbruderschaft, einer radikal-islamischen Organisation, der Erdogan sich verschworen haben soll.

Foto: Marion Sendker

Auch der setzt an diesem Tag auf eine besondere Geste. Noch bevor Erdogan am Mittag in der Hagia Sophia aus dem Koran rezitiert, verbeugt er sich in einer ganz bestimmten Art. Es ist der „Erschöpfungs-Kniefall“. Genau so, wie Sultan Mehmed Fatih II es im Jahr 1453 getan haben soll, als er die Hagia Sophia betrat, nachdem die Osmanen unter seiner Führung die bis dahin christliche Stadt Konstantinopel erobert hatten.

Wichtiger und radikaler ist an diesem Tag aber eine Geste des Chefs der Religionsbehörde Diyanet, Ali Erbas. Während der oberste Imam des Landes die Gebetskanzel besteigt, hält er ein Schwert in der Hand. Rechts getragen ist diese islamische Geste eine Drohung, ein Zeichen der Einschüchterung. Links getragen symbolisiert das Schwert Schutz. Erbas hält es in der rechten Hand.

Mehr als 350.000 Pilger feiern die Umwandlung

Schon Stunden vor diesem Mittagsgebet hatte sich rund um die Kirche ein Meer aus bunten Gebetsteppichen und zu solchen umfunktionierten Pappkartons breit gemacht. Es reichte mehr als einhundert Meter weit. Polizisten mit schweren Maschinengewehren standen am Rande dieser Gebetslandschaft, um den emotionalen Pilgern Einhalt zu gebieten.

Foto: Marion Sendker
Foto: Marion Sendker

Mehr als 350.000 Muslime sollen an diesem Tag zum ersten Freitagsgebet seit mehr als 80 Jahren in der Hagia Sophia gepilgert sein. Bis dahin war die Kirche ein Museum, nachdem sie fast 500 Jahre lang als Moschee diente.

Für den obligatorischen Sicherheitsabstand blieb kein Platz – trotz Corona-Pandemie. Kaum jemand trug eine Maske, viele aber eine islamische Gebetsmütze, oder einen Turban und lange Gewänder.

Nur wenige Tausend schafften es überhaupt, ihrem Sehnsuchtssymbol, der Hagia Sophia, so nahe zu kommen, dass sie sie sehen konnten. Die meisten hatten sich in den Gassen und Straßen in der Umgebung ausgebreitet.

Foto: Marion Sendker

Atatürk soll in den „Weihnachtsgarten“

So gemäßigt, wie diese Frau empfanden an dem Tag nur wenige Muslime. Die meisten sahen es eher so wie Seyit Ahmet, der zur Feier des Tages ganz in grün – der Farbe des Islams – gekleidet war und sich einen der guten Plätze im Park zwischen der Hagia Sophia und der Blauen Moschee sichern konnte:

„Wir sind die Enkel des Propheten Mohammeds. 86 Jahre lang war die Hagia Sophia geschlossen, heute hat der Anführer Erdogan – Gott sei Dank gibt es ihn – die Ketten aufgebrochen! Es war Atatürk, der die Hagia Sophia geschlossen hat. Gott soll ihm nun einen Teil im Garten des Weihnachtsmanns geben.“

Das soll heißen: Im Paradies, an das fromme Muslime glauben, ist kein Platz für den Republikgründer Atatürk, der die Hagia Sophia 1934 zum Museum machte. Er solle zu den Christen gehen.

Während Muslime in der Türkei am 24. Juli 2020 feierten, ertönten im benachbarten Griechenland und in der Republik Zypern Glocken vieler orthodoxer Kirchen als Zeichen des Protests und der Trauer.

Vor allem für die Orthodoxie kommt die Umwandlung der Hagia Sophia in eine Moschee einem Angriff auf die Christenheit gleich. Auch wenn Christen heute in der Türkei eine Minderheit sind, erinnert das Gebäude viele – vor allem Orthodoxe – noch immer an die Zeit, in der der christliche Glaube auch im Orient das überwiegende Bekenntnis war.

Das Unmögliche möglich gemacht

Zeitsprung ins Jahr 532. In Konstantinopel gibt es heftige Unruhen und Straßenschlachten. Das Volk leidet unter der rigiden Politik Kaiser Justinians.

Justinian lässt den Volksaufstand brutal niederschlagen. Etwa 30.000 Menschen sterben und auch Bauwerke werden zerstört – so wie die „Megale Ekklesia“, die Vorgängerkirche der Hagia Sophia.

Nach dem Aufstand befiehlt Kaiser Justinian an ihrer Stelle eine neue Kirche zu bauen, die größer und großartiger werden sollte, als alles, was die Welt je gesehen hatte. 

Er beauftragt den damaligen Stararchitekten Anthemios von Tralleis und den Mathematiker Isidor von Milet und gibt ihnen ein unbegrenztes Budget.

Ihr Bauplan ist mathematische Poesie, die Umsetzung damals wie heute überwältigend: Binnen nur fünf Jahren machen 100 Baumeister und 10.000 Arbeiter das Unmögliche möglich: eine gigantische Kirche mit rechteckigem Fundament und runder Kuppel mit einer Spannweite von 33 Metern. 

Das Geheimnis besteht zum einen aus zwei Halbkuppeln auf der Ost-West-Achse. Auf sie wird das immense Gewicht der Zentralkuppel abgeleitet. Außerdem tragen vier massive Säulen die Kuppel. Ineinandergreifende Geometrien von bisher ungekannten Ausmaßen verdecken das gewaltige Stützsystem. Es sieht deswegen so aus, als würde die Kuppel – in etwa 20 Metern Höhe – schweben, als sei sie das Himmelszelt.

Hagia Sophia: Eine Machtdemonstration

Am 27. Dezember 537 weiht Kaiser Justinian die Kirche ein. Er nennt sie Hagia Sophia, zu Deutsch „Heilige Weisheit“. Beim Anblick seiner Kathedrale fällt er auf die Knie:

„Wahrlich, Salomo, ich habe Dich übertroffen!“

Ruft er und spielt damit auf den ersten Jüdischen Tempel in Jerusalem an. Bereits wenige Tage vorher soll Justinian der Überlieferung nach mit einem von Pferden gezogenen Triumphwagen in die Hagia Sophia hineingefahren sein. Noch eine Machtdemonstration.

Mit der Hagia Sophia hat Justinian nicht nur Gott, sondern auch sich ein Denkmal gesetzt. Das Innere der Sophienkirche ist eine geografische Zusammenfassung von Justinians Reich:

Es gibt Marmor aus allen Teilen des Herrschaftsgebiets, purpurfarbene Säulen aus Ägypten und Steine aus Nordafrika. Die Wände und die Decken sind über und über mit Goldmosaiken besetzt – auf einer Gesamtfläche von mehr als 280.000 Quadratmetern. 

Dahinter steckt folgende Logik: Gold symbolisiert das Licht, das Licht steht für Gott und der soll wiederum durch Justinian symbolisiert werden. Die Hagia Sophia wird zur Hauptkirche des Byzantinischen Reiches, in der von nun auch die Kaiser gekrönt werden.

Ein religiöser wie politischer Bau

Der Jesuit und Islamwissenschaftler Felix Körner sieht in dem Bau eine knallharte politische Botschaft:

„Der oströmische Kaiser baut hier so eine faszinierende Kirche hin, die er Christus weiht und ‚Heilige Weisheit‘ nennt und den ganzen Kosmos in seiner Weisheit in der Architektur ja auch abbildet. Das heißt ja auch: ‚Ich möchte ein Kaiser so weise sein, wie mir es Christus vorlebt und eingibt.‘ Insofern ist da natürlich auch ein politisches Projekt drin. Was heißt Politik in dem Fall? Das heißt Weltgestaltung. Natürlich will Religion, will unser Glaube auch Impulse geben, das Gewissen prägen, inspirieren für eine verantwortliche Weltgestaltung.“ 

Und die findet im 4. Jahrhundert längst nicht mehr am Tiber in Rom, sondern am Bosporus in Konstantinopel statt. Während Ostrom aufblüht, geht Westrom unter. Eine Art Rache erfolgt viele Jahrhunderte später. 

Streit unter Christen

Es ist das Jahr 1204. Der vierte Kreuzzug erreicht die Stadt am Bosporus Papst Innozenz III. hatte den Kreuzfahrern zwar unter Androhung der Exkommunikation untersagt, Christen anzugreifen, doch diese Botschaft erreichte die Kreuzfahrer nicht.

Sie nahmen die Kaiserstadt ein und plünderten dort etwa 60 Jahre lang. Auch in der Hagia Sophia: Das Gold, das sie etwa aus den Mosaiken entfernten, wurde später für den Markusdom in Venedig verwendet. Dieser vierte Kreuzzug hat die Spaltung von griechisch-orthodoxem Osten und römisch-katholischem Westen vertieft. Felix Körner: 

„Da gab es natürlich auch eine Ost-West-Konkurrenz: Ihr wollt das neue Rom sein, nein, wir sind das echte Rom und solche unnötigen Rivalitäten innerhalb der Christenheit haben sehr häufig sehr viel Gutes verhindert, beispielsweise 1453 auch eine echte Solidaritätsaktion von unserer Seite.“

„Rom war blind“ 

Er spricht von der Einnahme Konstantinopels durch die Osmanen, im Mai 1453. Das ostchristliche Reich hat sich nach dem vierten Kreuzzug kaum erholen können und ist zu dieser Zeit auf die Stadt Konstantinopel und deren Umgebung begrenzt.

Die Armee von Sultan Mehmed Fatih II hat ein eher leichtes Spiel. Rom schickt zur Unterstützung der Christen am Bosporus etwa 200 Bogenschützen – das ist gegen die etwa 80.000 Männer des Sultans nicht einmal ein Tropfen auf den heißen Stein. Der Jesuit Körner findet das jämmerlich:

„Denn, wir müssen schon auch sagen: Rom und der ganze Westen war im 15. Jahrhundert bewusst blind gegenüber allen Hilferufen aus Konstantinopel. Wir haben denen nicht geholfen!“

Mit dem Einzug der Osmanen wird die Hagia Sophia zur Moschee. Zwei Tage lang plündern Mehmeds Männer die Kirche, dann gebietet der Sultan ihnen Einhalt. Kurz darauf verbürgt er sich persönlich für die verbliebenen Christen:

„Ich nehme Abstand davon, ihnen irgendeinen Schaden zuzufügen. Es ist verboten, einen Bischof von seinen Pflichten abzuhalten, einen Priester von seiner Kirche fernzuhalten und einen Eremiten von seiner Unterkunft. Ein Muslim darf eine Christin, die er geheiratet hat, nicht daran hindern, in ihrer Kirche Gott zu verehren und den Schriften ihrer Religion Genüge zu tun. Wer sich gegen diese Anordnungen stellt, soll als Feind Allahs und seines Gesandten betrachtet werden. Muslime sind verpflichtet, sich bis ans Ende der Welt an diese Anordnungen zu halten.“

Die Hagia Sophia wird Museum: Ein Versöhnungszeichen?

Jahrhunderte später, im Jahr 1934 macht Mustafa Kemal Atatürk, der Gründer der Republik Türkei, aus der Moschee ein Museum. Es sollte ein versöhnliches Symbol sein, ein Zeichen des Fortschritts: Weg vom islamischen Erbe des Osmanischen Reiches, hin zu einem laizistischen Staat. Das Museum zieht jahrzehntelang mehrere Millionen Menschen pro Jahr an.

Dennoch werden in den 1950er Jahren Rufe laut, dass die Hagia Sophia wieder Moschee werden soll. In einem kleinen Raum, an der Nordseite des Museums wurde derweil eine Mini-Moschee eröffnet. Trotzdem gibt es weiterhin Petitionen und Demonstrationen.

Ein Abgeordneter der Partei der Nationalistischen Bewegung kommt derweil auf eine besonders spitzfindige Idee: Die Hagia Sophia sei nie rechtmäßig Museum geworden. Das entsprechende Dekret habe Atatürk nämlich mit dem Namen „Atatürk“ unterzeichnet, zu einer Zeit, als er noch gar nicht „Atatürk“ hieß. Diesen Beinamen habe er erst zwei Tage später offiziell erhalten. Außerdem sei die Anordnung nicht korrekt ins Amtsblatt übertragen worden.

Die schleichende Islamisierung der Hagia Sophia

Doch auch dieser Versuch bleibt vergebens und beten bleibt verboten. Denn eine Re-Islamisierung der Hagia Sophia wäre ein Verrat an Atatürks laizistischem Erbe.

Doch dann –  

Im Jahr 2015 ertönt zum Ende des Fastenmonats Ramadan erstmalig in der Hagia Sophia der islamische Gebetsruf. Seitdem wird jedes Jahr zum Ramadan in und um die Sophienkirche gebetet.

Im April 2018 eröffnet Staatspräsident Erdogan sogar ein Kunstfestival, indem er in der Hagia Sophia einen Koranvers rezitiert. Zwei Jahre später wird sie dann offiziell wieder zur Moschee.

Rechtliche Grundlage ist ein Dekret Erdogans. Das stützt er auf eine Gerichtsentscheidung, wonach Atatürks Dekret von 1934 unrechtmäßig gewesen sein soll.

Politik vor Recht und Justiz

Was viele nicht wissen: Der Gerichtsprozess ist noch immer nicht vorbei, sondern liegt einem Berufungsgericht vor. Der Istanbuler Rechtsanwalt Baran. Kaya verfolgt den Prozess.

„Er wird noch etwa eineinhalb Jahre dauern, denke ich. Sollte das Gericht gegen die Umwandlung zur Moschee urteilen, wäre damit auch Erdogans Dekret rechtswidrig und die Hagia Sophia müsste wieder ein Museum sein.“

Ob das wahrscheinlich ist, ist indes keine Frage der Justiz, sondern der Politik und der politischen Marschrichtung in der Türkei. Die Umwandlung in eine Moschee diente ganz klar innenpolitischen Zwecken Erdogans Macht bröckelt seit Jahren und viele Muslime, die ihn gewählt haben, kehren dem Islam – so strikt, konservativ und unterdrückend, wie Erdogan ihn propagiert – den Rücken zu.

Die Hagia Sophia zu reislamisieren war ein gewagter, politischer Schachzug, um die Menschen wieder an den Islam und an Erdogan heranzuführen.

Die Welt schaut zu

Die orthodoxe Kirche innerhalb der Türkei bleibt still. Mehrere Interviewanfragen werden nicht beantwortet. Aus „diplomatischen Gründen“, heißt es.

Außerhalb der Landesgrenzen ist die Erregung über die Umwidmung in eine Moschee aber noch immer groß. In Deutschland ist der orthodoxe Bischof Augustinous Wortführer des christlichen Widerstands.

„Manchmal hat man so den Eindruck, dass Europa sich abschafft. Dieser Indifferentismus, dieser Unglaube! Unglaube! Ich habe erwartet, dass das Christentum weltweit die Stimme erhebt und sagt: Das dürfen Sie nicht!“

Der Jesuit Körner hält diese Haltung für einen historischen Patzer. Er findet: Ob Gott oder Allah – auch Christen sollten sich freuen, dass die Hagia Sophia wieder zu einem Gotteshaus geworden sei und dass in ihr überhaupt wieder gebetet werde.

Die Umwandlung in eine Moschee: Auch eine Chance für Christen?

Stattdessen verhalten sich die Christen seiner Meinung nach aber wie Konkurrenten der Muslime und nicht wie Menschen, denen der gemeinsame Glaube an einen Gott wichtig ist. Damit würden sie indirekt Erdogans Politik unterstützen.

„Also Erdogan will mit diesem Spielchen, das es ja ist, bei seinem Publikum Publicity, Beliebtheit ernten. Und je mehr wir jetzt anfangen zu Jammern und sagen ‚Das ist verboten‘, desto mehr lassen wir uns auf die Bühne ziehen für sein Theaterspielchen, damit er Applaus bekommt.“

Auch das Verhalten des Vatikans sei fraglich. Nicht einmal der Papst in Rom hatte mehr als einen Satz übrig für die einst größte Kirche der Welt: Franziskus sei traurig, wenn er nach Istanbul schaue, teilte er im Sommer mit. Worüber, das sagte er nicht.

Das Schweigen Roms nennt Körner ein „stiefmütterliches“ Benehmen, dabei sei die Christenheit auch „Mutter“ der Hagia Sophia. Körner sieht derweil in der Umwidmung sogar eine Chance für den interreligiösen Dialog. 

Wie schon der armenische Patriarch, schlägt er vor, die Hagia Sophia unter Einhaltung aller diplomatischen Regeln langsam zu einem Ort interreligiöser Begegnung zu machen, an dem beide – Muslime und Christen – beten können.

„Dann liegt‘s wirklich auch an uns, an den vatikanischen Behörden, dem Päpstlichen Rat für Interreligiösen Dialog, jetzt nicht demütigend, sondern demütig Vorschläge, konstruktive Ideen einzubringen, was wir aus diesem Ort, diesem hochsymbolischen Ort an Konstruktivem machen können.“

Der Vatikan bleibt wieder stumm

Doch der Vatikan bleibt bisher stumm. Eine Anfrage beim Rat für Interreligiösen Dialog wurde abgelehnt. Begründung: Das Staatssekretariat habe sich nicht geäußert, also könne der Rat auch nichts sagen. Man wolle keinen Ärger machen – mit dem Vatikan nicht und mit der Türkei nicht.

Das Schweigen Roms wirkt wie eine Wiederholung der Geschichte

als die Hagia Sophia zum ersten Mal Moschee wurde. Ist sie der Katholischen Kirche vielleicht gar nicht mehr so wichtig? Der Jesuit Körner versucht das Verhalten zu erklären:

„Ich glaube, jetzt muss sich der aufgewühlte Staub auf dieser Theaterbühne erst einmal wieder legen. Es muss wieder ein bisschen Zeit gewonnen werden, wo man die peinlichen Seiten dieser ganzen Geschichte wieder ein bisschen vergisst.“

Foto: Marion Sendker

Hagia Sophia heute: Staubsaugen gegen Corona 

So lange bleibt die als Kirche erbaute Hagia Sophia erst mal nur Moschee. Touristen dürfen zwar kostenlos hinein, allerdings ist die Galerie gesperrt und christliche Symbole sind mit Tüchern bedeckt – und das nicht nur während der islamischen Gebetszeiten.

Ein grüner, von Erdogan persönlich gewählter Teppich ist verlegt worden. Der wird alle paar Tage staubgesaugt. Wegen Corona, heißt es.

Foto: Marion Sendker

Unter ihm befinden sich alte und kostbare Marmorplatten, die Kaiser Justinian so anbringen ließ, dass sie Wellen imitieren. Kunsthistoriker sehen darin ein Abbild des Meeres – mit der Hagia Sophia als Arche Noah.

Die redaktionelle Verantwortung hat Martin Korden.

Musik:

Troparion “Lord, Save Your People” (Syllabic Melody),

Cappella Romana, “Lost Voices of Hagia Sophia”

Choral Stichologia (Palaion), Cappella Romana, “Lost Voices of Hagia Sophia”

Symphonie No. 2 „Fall of Constantinople” II Hagia Sophia, Bilkent Symphony Orchestra

Türkische Nationalhymne? 

Final Teleutaion Antifon Before the Entrance, Cappella Romana, “Lost Voices of Hagia Sophia”


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Dieser Beitrag wurde am 07.02.2021 gesendet.


Über die Autorin Marion Sendker

Marion Sendker ist Diplom-Juristin und Journalistin. Sie ist in Westkirchen, in Westfalen, aufgewachsen und lebt heute in Köln und in Istanbul. Dort arbeitet sie vor allem als Autorin, Redakteurin und Korrespondentin beim WDR, SWR, Deutschlandfunk, für die Welt, und schreibt unter anderem für „Legal Tribune Online“. Kontakt:
www.twitter.com/Lamaridda

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