Morgenandacht, 16.01.2021

von Vikar Jürgen Wolff, Magdeburg

Von der Kraft, Danke zu sagen!

Meine beste Freundin bedankt sich viel, eigentlich immer – und immer auch für Selbstverständlichkeiten! Danke, dass Sie meinen Vorgang bearbeiten; Danke, dass Sie gewartet haben; Danke, dass Sie dieses oder jenes getan haben …; Danke, Danke, Danke …

Diese Be-Danke-rei war ihren Töchtern früher furchtbar peinlich! Auch heute huscht noch manchmal ein leicht irritierter Ausdruck über ihre Gesichter, wenn ihre Mutter sich – vor allem für Kleinigkeiten, für Selbstverständlichkeiten, oder einfach nur für die Absicht, etwas zu tun - oft und überschwänglich bedankt.

Aber mit der Zeit verstanden sie, warum sie das tut; was das soll, dieses ewige Danke-Schön. Es steckt nämlich eine Haltung dahinter, ein Menschenbild und, ja, auch eine Absicht. Und alles davon ist gut!

Grundsätzlich ist meine Freundin eine freundliche, höfliche und den Menschen zugewandte Frau. Verstehen Sie mich aber recht, sie ist nicht schlicht und fern von plattem Altruismus!

Sie leitet ein kleines Unternehmen und weiß sehr wohl, wie harte Ansagen klingen sollen und müssen. Und sie weiß auch, dass man sich nicht für alles bedanken muss und auch nicht immer kann …

Sie weiß aber auch um die Kraft und Wirkmächtigkeit eines Danke-Schöns.

So ein Danke-Schön wertet den Bedankten auf – aber den Dankenden nicht ab. Es gibt dem Dienst, für den man sich bedankt – auch wenn er noch so selbstverständlich ist, einen Wert. Und gleichzeitig sagt das Danke-Schön, wie wertvoll derjenige ist, der diesen Dienst erbringt.

So ein Danke-Schön sagt: Das, was Sie da tun ist gut! Es tut mir gut – und das ist ihr Verdienst! Bitte mehr davon!

Und so ist „Danke“ das Zauberwort für bessere Beziehungen. Dankbarkeit ist der Schlüssel zu einem besseren Umgang mit anderen Menschen, denn sobald ein Dank ausgesprochen ist, zeigt man ausdrückliche Wertschätzung für den anderen Menschen und sein Tun.

Sie können sicher sein: Diese Wertschätzung bekommen Sie später tausendfach zurück. Umgekehrt ist ein fehlender Dank häufig Anlass für Irritationen und Missstimmungen. Das wusste schon Adolph Freiherr Knigge.

Ein Danke-Schön entspannt fast jede Situation – und wenn man genau hinschaut, dann lächelt der oder die so bedankte sogar manchmal – und sei es auch nur nach innen. Ein kleines Wort ohne viel Aufwand und ohne Überwindung gesagt – und doch so viel Wirkung.

Dabei ist meine Freundin auch nicht selbstlos und nur auf den anderen gerichtet. Ihr Hang zum permanenten Danke-Schön ist für sie selbst der Schlüssel zu mehr Lebensfreude. Undankbarkeit – so ihr Credo – verschleiert dagegen den Blick auf die positiven Dinge des Lebens.

Durch eine dankbare Grund- und Lebenseinstellung jedoch, durch die Bereitschaft zum Dank, nimmt man die Bemühungen seiner Mitmenschen und die positiven Seiten des Lebens überhaupt erst wahr. Alles wird irgendwie einfacher, leichter! Und vielleicht auch manches Unmögliche möglich!

Meine beste Freundin weiß das – und Sie bestimmt auch!

Und so sage ich jetzt Ihnen Danke-Schön! Danke, dass Sie diesen Sender hören! Danke, dass Sie mir heute und in dieser Woche zugehört haben. Und Danke, dass Sie es einmal ausprobieren, das mit dem Danke-Schön!


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Dieser Beitrag wurde am 16.01.2021 gesendet.


Über den Autor Vikar Jürgen Wolff

Vikar Dr. Juergen A. Wolff wurde 1971 in Birkesdorf/Düren geboren. Nach seiner Ausbildung in Deutschland und dem Studium der Betriebswirtschaftslehre in England hat er über zwanzig Jahre im In- und Ausland in der Finanzbranche gearbeitet; davon die meiste Zeit in China. Im Rahmen seiner Promotion in England entschied er sich Theologie zu studieren und seiner Berufung zu folgen, Priester zu werden. Nach dem Abschluss des Theologiestudiums in Erfurt begann er 2018 seine pastorale Ausbildung im Bistum Magdeburg, wo er nach seiner Priesterweihe 2020 als Vikar an der Kathedrale wirkt.
Permanent Horizonte zu erweitern, ist sein Bestreben; Energie und neue Anstöße findet Vikar Wolff durch die Literatur und in der klassischen Musik – besonders in den Werken Händels.

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