Taufe des Herrn

Predigt des Gottesdienstes aus der Pfarrkirche St. Maria Himmelfahrt in Herxheim

Predigt von Pfarrer Arno Vogt

Liebe Zuhörerinnen und Zuhörer, Schwestern und Brüder,

vieles treibt mich in diesen Monaten um und macht mir als Priester und Leitender Pfarrer das Herz schwer.

Da ist nicht nur das Versagen und die Schuld der Kirche und einzelner Amtsträger im Missbrauchsskandal, da sind auch die vielen innerkirchlichen Querelen und unaufgearbeiteten Themen: der Umgang mit Macht, die Stellung der Frau in der Kirche, die Lebensweise der Priester und vieles mehr.

Die schon so lange anhaltende Zeit der Corona-Beschränkungen trägt das ihre noch dazu bei – vor allem auch weil die Kontakte zu den alten und kranken Menschen immer wieder so eingeschränkt sind. 

Am schlimmsten aber sind für mich die vielen Kirchenaustritte, die ich in regelmäßigen Abständen zur Kenntnis nehmen muss.

Jedem, der austritt schreiben wir einen persönlichen Brief und laden zum Gespräch ein. Nur ganz wenige nehmen das Angebot an und natürlich ist es nach dem Austritt auch eigentlich zu spät, um noch etwas Positives bewirken zu können. Der Prozess der Entfremdung beginnt oft schon lange davor.

Immer wieder taucht dann bei mir so im Hinterkopf die Frage auf: Was hält mich eigentlich in der Kirche? Was ist es, das mich froh macht – trotz allem – dabei sein zu können?

Eine Antwort kann – in der Rückschau – mein Leben geben: Ich wurde relativ spät – erst nach der Firmung – Ministrant; in der Katholischen Jugend (KJG) wurde ich gut aufgenommen und  dermaßen engagiert, dass ich darüber – nach Ansicht meines Vaters – hie und da meine Pflichten in der Familie vernachlässigte.

Damals schon erlebte ich Gläubige, die ihren Glauben überzeugend lebten und Priester, die verlässliche Wegbeleiter waren. Den Weg mit Gott empfand ich als „Abenteuer“; es gab so vieles zu entdecken. Und so wurde ich nach einer Lehre, dem zweiten Bildungsweg und dem Studium, Priester. Ich wollte mit den Menschen sein und mehr von Gott erfahren.

Was mich aber zutiefst antreibt – auch heute noch – ist das Wissen, von Gott geliebt zu sein. Das Wort, das Gottvater damals zu seinem Sohn Jesus am Jordan spricht:

„Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Gefallen gefunden“

(Mk 1,11b)

Dieses Wort gilt jeder und jedem von uns. Es ist eine ganz persönliche Liebeserklärung, die dich und mich ins Herz treffen und froh machen will. Dieses Wort ist gleichzeig aber auch ein Auftrag: Als Getaufte dürfen wir seine Liebe in dieser Welt bezeugen, von ihr erzählen.

Es ist wie beim Verliebtsein zwischen zwei Menschen: wenn die Liebe mein Herz erfüllt, kann ich gar nicht anders, als diese Liebe zu leben und von ihr zu erzählen.

Eine solche Lebens- und Liebesgemeinschaft ist für mich die Kirche. In dieser großen Gemeinschaft – in der es wie in jeder menschlichen Beziehung auch Versagen gibt – fühle ich mich dennoch aufgehoben und geborgen.

Wir leben miteinander, tragen gemeinsam Freud und Leid, wir stützen uns, wo wir alleine nicht weiterkommen, wir feiern miteinander Gottesdienste, wir beten für- und miteinander und helfen einander wo es geht.

Diese Gemeinschaft umfasst die ganze Welt – wie sich das etwa an unseren Missionsprojekten zeigt. Sie reicht sogar bis zum Himmel, wo die Heiligen und die Verstorbenen für uns und mit uns beten. 

Wir dürfen als Christinnen und Christen aber nicht zaghaft und ängstlich in unseren innerkirchlichen Kreisen und im Kirchenraum bleiben. Jesus geht uns voran, am Jordan und dann in der ganzen Welt.

Wir leben als Christen in der Welt und dürfen in allen Bereichen, Gruppen und Kreisen Zeugnis geben – unaufdringlich – aber klar. In der Familie, am Arbeitsplatz, in der Schule und in der Freizeit.  Mit allen Menschen guten Willens können wir zusammenarbeiten und für alle – egal welcher Religion und Nationalität – ein offenes Herz und ein Ohr haben. Auch wenn wir vielleicht manchmal belächelt werden; die Liebe Gottes lässt uns leben.

„Du bist von Gott geliebt“ – Gott hat sich in dich verknallt – das ist unglaublich – aber wahr! Das ist die Botschaft, die wir seit unsrer Taufe mit unsrem Leben beantworten dürfen.

Die Kranken und die, die allein sind unter unseren Zuhörerinnen und Zuhörern möchte ich bitten: Beten wir füreinander.

Allen, die ausgetreten sind oder es sich gerade überlegen, wünsche ich, dass sie Gottes Liebe in ihrem Leben erkennen. Und ich wünsche ihnen, dass sie andere erleben, die ihre Fragen und Zweifel ernst nehmen und dennoch Freude am Glauben haben.

Liebe Zuhörerinnen und Zuhörer, jetzt feiern wir Eucharistie, Danksagung. Dank dafür, dass wir geliebt sind und lieben dürfen. Gehen wir in dieses neue Jahr als seine geliebten Töchter und Söhne. Gott ist mit uns.

Amen.


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Dieser Beitrag wurde am 10.01.2021 gesendet.





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