Fest der Heiligen Familie

Predigt des Gottesdienstes aus der Pfarrgemeinde St. Lambertus und Laurentius, Langenberg

Predigt von Pastor Rüdiger Rasche

Liebe Schwestern und Brüder hier in Langenberg und am Radio!

Was wünschst du dir zu Weihnachten?

So oder ähnlich bin ich immer wieder mal in den vergangenen Wochen gefragt worden. Auch mich beschäftigte die Frage, was kann ich meinen Eltern oder Freunden schenken. Womit kann ich ihnen eine Freude machen? Oder soll ich überhaupt ein Geschenk besorgen, da ich die meisten sowieso Corona bedingt nicht sehen oder treffen kann?

Für mich haben Geschenke einen Sinn, wenn sie auf die Wünsche und Sehnsüchte von Menschen, die ich liebe oder schätze, eingehen.

Die Lesung dreht den Spieß um: Abram stellt Gott in der heutigen Lesung die Frage: Was willst du mir schon geben? Oder frei: Was willst du mir schon schenken?

Er ist skeptisch, dass Gott seinen sehnlichsten Wunsch nach einem leiblichen Sohn erfüllen kann. Alles scheint dagegen zu sprechen. Aber Gott bleibt dabei. Er verspricht Abram einen Sohn. Und Abram? Glaubte dem Herrn. Abram traut Gott zu, dass er zu seiner Zusage steht, dass er ihn überraschen kann.

Je nachdem, wie es mir geht und in welcher konkreten Lebenssituation ich gerade bin, fällt es mir leichter oder eben schwerer, daran zu glauben, dass Gott da ist und hält, was er versprochen hat. Es gibt schöne Zeiten, aber auch schwierige Zeiten, Konflikte in mir, meiner Familie, in Kirche und Welt, wo mir der Glaube erstmal nicht weiterhilft und mich nicht trägt.

Oft beschleicht mich das Gefühl, egal wie du dich entscheidest, es ist richtig und zugleich falsch. Jetzt gerade in der Corona-Krise zum Beispiel: Manchmal schreie ich nach Gott. Ich habe keine Ahnung, was richtig oder falsch ist. Und dann gibt es Momente, da bin ich wieder ganz zuversichtlich. Habe Kraft und kann das auch an andere weitergeben. Oft stelle ich erst im Nachhinein fest, dass Gott trotzdem dabei war. Dass seine Zusage mir tief im Herzen Kraft und Halt gibt.

Das heutige Evangelium macht wie alle Kindheitsgeschichten in den Evangelien deutlich, dass all die Menschen, die sich auf Gott einlassen, nicht immer auf der Sonnenseite des Lebens stehen. Wir hören vom zu Fall kommen, vom Zeichen, dem widersprochen wird, vom Schwert, das die Seele durchdringt.

Das Leben mit Gott behält weiterhin seine Herausforderungen und bleibt oft schwierig. Das geht uns heute nicht anders als einem Abraham, einem Josef und einer Maria, einem Simeon und einer Hanna. Auch sie verstanden die Wege Gottes nicht immer. Aber bei allem Unverständnis ließen sie Gott nicht los. Sie haben sich dadurch selbst gewandelt und haben Dinge erlebt und erfahren, die früher nicht vorstellbar gewesen wären.

Für mich heute heißt das: Inmitten katastrophaler Rahmenbedingungen wird Gottes Größe und Liebe offenbar. Gott kommt zu uns, in unsere Welt, in unseren Alltag. Und das ist gerade jetzt bitter nötig.

Gott zeigt mir seine Liebe, obwohl ich nicht perfekt und vollkommen bin, ich nicht alles richtig mache. Ich brauche keinem Ideal hinterher zu jagen, das ich sowieso nicht erreichen kann. Er will mit mir zu tun haben, er ist sich dafür nicht zu schade.

Er kommt in mein Leben, so wie es ist mit all den Fragen, Sorgen, Zweifeln, Ängsten und Enttäuschungen, aber auch mit meiner Freude und Dankbarkeit. Er wartet nicht auf die vermeintlich richtige Zeit, hält sich nicht bei Äußerlichkeiten auf.

Gott wendet sich uns Menschen zu. Einfach weil er Kontakt mit uns, seinen Geschöpfen will. Weil er es gut mit uns meint und wir seine Liebe brauchen. Daran erinnern uns diese Festtage.

Das Weihnachtswunder ist und bleibt eine Herausforderung.

Staunen scheint mir hier ein gutes Stichwort zu sein. Von Maria und Josef wird erzählt, dass sie erstmal über die Worte staunten. Ich muss ehrlich sagen, dass ich das positive Staunen über das Leben ein bisschen verloren habe. Ich habe genug erlebt und manchmal erstaunt mich nichts mehr.

Hier setzt Weihnachten für mich an: es geht darum, sich voll darauf einzulassen, was Da passiert ist. Und darüber zu staunen. Denn wenn ich staune, nehme ich zur Kenntnis, was ich höre oder sehe, nehme die Gefühle wahr, die eine Person oder ein Ereignis in mir auslöst, kann dies zunächst so stehen lassen, ohne direkt zu fragen, wie gehe ich jetzt damit um.

Staunen, das nehme ich mir jetzt wieder vor. Und ich habe das Gefühl, das trägt mich auch jetzt gerade in dieser schwierigen Coronasituation immer wieder. Ich staune über die vielen Zeichen der Solidarität. Ich staune darüber, mit wie vielen Menschen ich trotz Distanz verbunden bin.

Und ich staune auch in diesem Jahr wieder über die Krippe und über das, was Mensch und Gott miteinander verbindet: das Leben.

Denn genau das steht bei den biblischen Figuren der Texte heute im Mittelpunkt und in jeder Familie.

Und genau das feiern wir an Weihnachten: das Leben.


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Dieser Beitrag wurde am 27.12.2020 gesendet.





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