Wort zum Tage, 21.12.2020

von Juliane Bittner, Berlin

Das Geschenk in Windeln

Also, jetzt nicht die Nerven verlieren: Wir haben noch drei Tage Zeit, um Geschenke zu besorgen. Manche haben den Geschenke-Stress allerdings schon im Vorfeld beschränkt.

Meine Tochter zum Beispiel.

„Seid Ihr einverstanden“,

fragte sie die Familie,

„wenn wir in diesem Jahr auf Geschenke verzichten und ich Euch stattdessen Plätzchen backe?“

Wir waren einverstanden. Und schlossen Wetten ab, wer sich wohl nicht daran halten wird. Ich zum Beispiel nicht, die Überraschungen für meine Töchter und Enkel liegen schon im Schrank.

In früherer Zeit gab es die Geschenke am Nikolaustag: ein paar Süßigkeiten für die Kinder und für die Armen etwas zu Essen oder was Warmes zum Anziehen. Auf Martin Luther geht es zurück, dass wir zu Weihnachten die schöne Bescherung haben. Denn das Christkind sollte die Geschenke bringen.

Wobei mit dem „heiligen Christ“, von dem Luther sprach, nicht das engelsgleiche kleine Mädchen mit der Lockenpracht gemeint war, wie es mancherorts (wie etwa beim Nürnberger Christkindlmarkt) dargestellt wird.

Später übernahm der Weihnachtsmann diese Rolle. Durch seinen weißen Bart und das rote Gewand ist noch ein klein wenig der heilige Nikolaus zu entdecken, jener Bischof mit dem großen Herzen.

Die Verwandlung eines Bischofs in den Weihnachtsmann begann mit einem deutschen Illustrator, der nach Amerika ausgewandert war. Inspiriert von der Darstellung des Nikolaus im „Struwwelpeter“ zeichnete er seinen Santa Claus. Und zwar noch bevor Coca Cola ihn als Werbeträger dienstverpflichtet hat.

Wer auch immer die Geschenke bringt: Der Sinn allen Schenkens hat mit dem Geburtstag Jesu zu tun: Gott hat sein Geschenk für uns in Windeln verpackt. In der Freude über die Geburt Jesu wollen wir auch einander Freude bereiten. Und darauf kommt es ja auch an. Nicht auf das Preisschild.

Deshalb freue ich mich über selbstgebackene Plätzchen ebenso wie über eine geschenkte Zeit – für einen Waldspaziergang zu zweit, ein Familientreffen am Bildschirm oder einen handgeschriebenen Weihnachtsbrief.  

In der Bibel heißt es, Weise aus dem Orient brachten Geschenke mit für den kleinen Gottessohn. Das heißt doch: Sogar Gott selbst lässt sich beschenken. Am liebsten – im Menschen.

Das Geheimnis allen Schenkens liegt in der Krippe: Das göttliche Kind war - und ist - die große Überraschung.


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Dieser Beitrag wurde am 21.12.2020 gesendet.


Über die Autorin Juliane Bittner

Juliane Bittner, 1951 in Leipzig geboren, studierte in Ost-Berlin Wirtschaftswissenschaften und arbeitete als Diplom-Ökonom im staatlichen wie im konfessionellen Gesundheitswesen. Parallel dazu war sie als Autorin und Lektorin für den katholischen St.-Benno-Verlag Leipzig sowie als "DDR-Korrespondentin" für die deutschsprachige Sektion von Radio Vatikan tätig. Seit der deutschen Wiedervereinigung ist sie Journalistin und Medienseelsorgerin im Print- und Hörfunkbereich. Inzwischen im Ruhestand, halten fünf Enkelkinder sie frisch. Kontakt
(030) 509 04 11
juliane.bittner@erzbistumberlin.de

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