Morgenandacht, 19.12.2020

von Hildegard Stumm, Berlin

Alles abgesagt – Weihnachten nicht!

Abgesagt. Das ist wohl das am meisten benutzte Wort in diesem Jahr. Sowohl mündlich, als auch schriftlich. Allein in meinem Kalender gab es 24 abgesagte Veranstaltungen im gesamten Jahr.

So eine Absage macht traurig oder wütend, vor allem, wenn man viel vorbereitet hat, viel überlegen, viel organisieren musste. Und dann ist alles für die Katz. Ich erinnere mich an Absagen von Bewerbungen, deren Schreiben mich viel Mühe gekostet haben. Wieviel Enttäuschung hat das ausgelöst.

Oder der runde Geburtstag, die Silberhochzeit, Weihnachtsmärkte. Es gab aber auch Absagen, die befreiend sein konnten, z.B. eine dienstliche Verpflichtung, auf die man sich nicht mehr vorbereiten musste. Und dann gibt es noch die Kehrseite der Medaille, wenn ich absagen muss. Das ist auch nicht angenehm.

Wenn ich weiß, dass der andere sich auf die Begegnung freute, er oder sie jede Menge Vorbereitung für umsonst hatte.

"Es tut uns leid."

Sagen wir dann. Und wir leiden ja tatsächlich an den Einschränkungen und Absagen.

Nur eins ist sicher. Weihnachten findet statt. Am 24. Dezember, in der Heiligen Nacht wird, zuverlässig wie jedes Jahr, symbolisch in der Krippe ein Kind liegen.

Es erinnert uns an das Ereignis vor 2000 Jahren in der Krippe in Betlehem, als Gott in Jesus Christus Mensch wurde. Er ist in diesem Kind zu uns gekommen, als einer von uns. Und das bedeutet nichts anderes, als dass Gott uns niemals absagen wird. Auch in diesem Jahr nicht.

Schon vor etwa 3000 Jahren schrieb der alttestamentliche Prophet Jesaja diese Zeilen auf:

„Siehe die Jungfrau wird ein Kind empfangen, sie wird einen Sohn gebären und ihm den Namen Immanuel geben.“

Im hebräischen Urtext ist nicht von einer Jungfrau die Rede, sondern von einer jungen Frau, die ein Kind aus dem Geschlecht Davids erwartet. Und weiter wird dort angekündigt:

„Ein Kind ist uns geboren, ein Sohn ist uns geschenkt. Die Herrschaft liegt auf seiner Schulter, man nennt ihn: wunderbarer Ratgeber, Friedensfürst.“

Diese alttestamentarische Geschichte ist zwar noch keine Weihnachtsgeschichte, aber die Umstände und der Name Immanuel führten dazu, dass die ersten Christen dies später als prophetische Ankündigung der Geburt Jesu verstanden. Denn Immanuel bedeutet übersetzt: Gott ist mit uns. Es besteht eine tiefe Verwandtschaft zum Namen Jesus. Der übersetzt bedeutet:

„Gott bringt Hilfe.

Mit anderen Worten: der eine Name verdichtet den anderen und macht ihn zugleich durchsichtig. Dann darf die Weihnachtsgeschichte so verstanden werden: Der unbegreifliche Gott hat sich in diesem Kind gezeigt als den Menschen zugewandter und mit ihnen gehender Gott.

Er ist unter uns einmalig und ein für alle Mal in die Geschichte der Menschheit eingegangen. Und er bleibt bei uns, alle Tage, bis ans Ende.

Wenn ich das glaube, ist „Jesus-Immanuel“ keine überholte Ideologie sondern höchst revolutionär. Gott wurde mit Jesus im Stall von Bethlehem einer von uns. Er lebte unter uns, er freute sich und litt, so wie wir.

Und diese Freude über die Menschwerdung Gottes kann den Christen nicht genommen werden. Auch nicht in diesem Jahr. Denn seit der Nacht von Bethlehem fällt Weihnachten nie mehr aus! 


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Dieser Beitrag wurde am 19.12.2020 gesendet.


Über die Autorin Hildegard Stumm

Hildegard Stumm ist Berlinerin, Jahrgang 1958, Religionspädagogin und Familientherapeutin. Zur Zeit arbeitet sie als Klinikseelsorgerin.  Kontakt:
hmt.stumm@gmx.de

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