Wort zum Tage, 28.11.2020

von Diakon Paul Lang, Amöneburg

Advent - Warten

„Wie oft noch aufstehen?“

Als Kind konnte ich es kaum erwarten: Jeder Tag bis Weihnachten wurde mit Ungeduld abgezählt.

„Wie viele Türchen am Adventskalender sind noch geschlossen?“

Strohsterne basteln, Plätzchen backen, Fenster schmücken – Eltern und Großeltern brachten viel Fantasie auf, um die Ungeduld von uns Kindern zu bändigen.

Warten ist bis heute nicht angenehm für mich, ich warte nicht gerne. Wenn ich in ein Wartezimmer komme oder mich in einer Schlange anstelle, merke ich das. Warteschleifen am Telefon empfinde ich als Zumutung.

Morgen beginnt der Advent. Das Jahr neigt sich seinem Ende zu. In wenigen Wochen ist Weihnachten

„Die Zeit fliegt davon!“,

denke ich, wenn ich eine Seite im Kalender weiterblättere. Als Kind fand ich Weihnachten reizvoller. Gerade die Tage zuvor haben es zu etwas Besonderem gemacht. Die Wartezeit war damals etwas sehr Schönes. Eigenartig.

Ich weiß gar nicht, wann ich in diesem Jahr die ersten Weihnachtsdekorationen gesehen habe: Im Supermarkt wurden schon im September die ersten Lichterketten angeboten.

Viele Diskussionen: Ob nicht trotz Pandemie Weihnachtsmärkte in irgendeiner Form möglich sind? Wenigstens weihnachtliche Musik! Schon lange vor dem Weihnachtsabend bestimmt sie das öffentliche Leben.

Warten ist unangenehm. Der Advent als Wartezeit auf Weihnachten hin hat heute weitgehend ausgedient. Eine Menge vom Fest wird vorweg genommen. Warten ist zwar unangenehm, aber warten macht auch aufmerksam.

Es tut gut, sich auf das Fest vorzubereiten, nicht alles sofort zu bekommen. Vorfreude kommt auf, das Empfangen geschieht viel bewusster, dankbarer. Heute werde ich einen Adventskranz schmücken.

Der Rohling liegt schon seit ein paar Tagen im Keller, Kerzen sind gekauft und ein bisschen Deko-Material wird sich finden. Die runde Form des Adventskranzes erinnert an Unendlichkeit, den Kreislauf der Jahreszeiten. Und das Leben!

Die grüne Farbe der Zweige betont das. Jetzt, wo die Nächte immer länger werden, wird Sonntag für Sonntag eine weitere Kerze auf dem Kranz für immer mehr Licht sorgen. So ein Adventskranz ist ein Glaubenszeichen.

Er drückt mit seiner Form, seiner Farbe und den Kerzen aus: Das Leben wird siegen. Nach der Dunkelheit kommt ein neues Licht, auf die Nacht folgt ein Tag. Der Blick in die Kerzen gibt der Sehnsucht Raum. Das Warten und Vorbereiten macht das Fest wertvoll.

„In der Mitte der Nacht liegt der Anfang eines neuen Tags. Und in ihrer dunklen Erde blüht die Hoffnung.“

Das sagt ein neues geistliches Lied, das ich sehr mag. Gute Tage des Wartens auf Weihnachten und die Überwindung von allem Dunkeln wünsche ich Ihnen und mir heute Morgen. 


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Dieser Beitrag wurde am 28.11.2020 gesendet.




Paul Lang, geboren 1963, unterrichtet als Lehrer Latein, kath. Religion und Musik. Er lebt und arbeitet in Amöneburg bei Marburg. Der promovierte Musikwissenschaftler wurde 2014 in Fulda zum Diakon geweiht. Neben seiner Tätigkeit in der Schule bedeutet das die Übernahme vielfältiger Aufgaben in der Seelsorge in der Region. In seiner Freizeit wirkt er in der Leitung von zwei Chören mit, spielt Orgel und ist gerne auf Reisen, am liebsten mit dem Rennrad.

Kontakt:
paul.lang@bistum-fulda.de

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