Wort zum Tage, 25.11.2020

von Diakon Paul Lang, Amöneburg

Katharina

Heute, am 25. November, ist der Gedenktag der heiligen Katharina von Alexandrien. Sie gehört zu den populärsten Heiligen in ganz Europa. An manchen Orten gibt es Ende November Katharinenmärkte, ehe die kalte Jahreszeit endgültig Einzug hält.

Eine der beeindruckendsten Darstellungen Katharinas habe ich einmal in Rom gesehen. In der Basilika San Clemente gibt es eine Katharinenkapelle. Sie enthält einen Zyklus von Fresken mit ihrer Legende.

Das Besondere an diesem Ort: Unter San Clemente kann der Besucher in die Vergangenheit Roms hinabsteigen. Die Ausgrabungen führen bis in die Zeit Katharinas, das 4. Jahrhundert.

Direkt neben den Resten einer christlichen Hauskirche hat sich dort unten ein heidnisches Heiligtum erhalten. Eine Kultstätte für den Gott Mithras. Christen und Mithras-Anhänger existierten damals nebeneinander und akzeptierten sich.   

Um das Jahr 306 ist Katharina unter dem römischen Kaiser Maxentius engagiert für die Freiheit der Religion eingetreten. Das Fresko in San Clemente zeigt das: Selbstbewusst lehnt sie die Verpflichtung ab, römische Götter zu verehren.

Der Kaiser, so die Legende, bietet daraufhin eine ganze Armada gelehrter Wissenschaftler und Philosophen auf, um Katharina von ihrem Glauben abzubringen. Eine weitere Szene des Freskos zeigt sie miteinander im Disput.

Katharina war offenbar nicht nur überzeugt von ihrer Sache, sondern auch überzeugend. Das so sehr, dass sie alle ihre Gesprächspartner zum Christentum bekehrte. Am Ende sogar die Frau des Kaisers. Der ließ Katharina daraufhin grausam ums Leben bringen. Die Bilder der Katharinenkapelle zeigen das drastisch.

Historiker betrachten die Legende mit Skepsis. Dabei geht es ihr nicht um historische Details. Die Wahrheit einer Legende liegt in ihrem Kern. Hier ist es die Auseinandersetzung zwischen Wissenschaft und Glauben.

Glauben und Wissen sind sich nicht feind. Katharina ist auf der Höhe des Wissens ihrer Zeit. Ihr Wissen aber ist kein Hindernis für ihren Glauben, im Gegenteil. 

In einer Fernsehtalkshow trat kürzlich der Astrophysiker Heino Falcke auf. Der renommierte Wissenschaftler hat Furore gemacht mit seinen Forschungen um Schwarze Löcher und deren ersten Fotonachweis. Ein Satz von ihm hat mich aufhorchen lassen:

„Wer es wagt, über die Grenzen der Physik hinaus zu fragen, kommt an Gott nicht vorbei.“

Der Wissenschaftler Falcke beruft sich dabei auf die Erfahrungen seines Lebens.

Glaube und Wissen als Gegner zu sehen, ist verbreitet. Ebenso der Versuch, religiöse Überzeugungen mit Gewalt durchzusetzen oder zu bekämpfen. Katharina hält dagegen.

Ihre Legende bekräftigt: Glauben und Wissen sind sich nicht feind. Sie ergänzen sich. Glaube, der Wissen wertschätzt, ist tolerant.


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Dieser Beitrag wurde am 25.11.2020 gesendet.




Paul Lang, geboren 1963, unterrichtet als Lehrer Latein, kath. Religion und Musik. Er lebt und arbeitet in Amöneburg bei Marburg. Der promovierte Musikwissenschaftler wurde 2014 in Fulda zum Diakon geweiht. Neben seiner Tätigkeit in der Schule bedeutet das die Übernahme vielfältiger Aufgaben in der Seelsorge in der Region. In seiner Freizeit wirkt er in der Leitung von zwei Chören mit, spielt Orgel und ist gerne auf Reisen, am liebsten mit dem Rennrad.

Kontakt:
paul.lang@bistum-fulda.de

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