Wort zum Tage, 13.11.2020

von Altfried G. Rempe, Trier

Cluster-Kontakt-Tagebuch

Vielleicht war es ja doch schon zu spät, als der Virologe Christian Drosten aus der Berliner Charité Mitte Oktober im Corona-Podcast sagte, was besonders wichtig wäre, um die zweite Pandemie-Welle vielleicht doch noch stoppen zu können: Wer positiv getestet wird, müsste dem Gesundheitsamt unbedingt sagen, wo sie oder er sich das Virus irgendwann in den letzten zehn Tagen gefangen haben könnte.

Aber leider leider: Wer weiß denn, wo er letzte Woche Dienstag war…?

Drostens Vorschlag: dass jeder und jede ein Cluster-Kontakt-Tagebuch führen sollte: Wo war ich heute, wo es mir eigentlich nicht ganz geheuer war. Also wo hatte ich das Gefühl, hier sind eigentlich zu viele Leute in einem geschlossenen Raum zu eng beieinander, auch wenn die meisten Maske getragen haben, irgendwie hätte das nicht sein sollen.

Wenn das alle täten, dann könnten mit Corona infizierte Leute sich doch wieder mehr erinnern und dem Gesundheitsamt sagen, wo es vielleicht passiert ist. Und die vom Amt könnten dann besser nachvollziehen, von wo das Virus sich verbreitet hat und was dagegen zu tun wäre.

Und noch ein Effekt: Alle Leute würden sich mehr klarmachen, dass immer mal solche Situationen entstehen können und dass sie dafür empfindlicher und sensibler sein und solche Situationen möglichst vermeiden könnten.

Professor Drosten nannte das „umschalten in einen aktiven Teilnahmemodus.“ Dazu gehören solche Aufmerksamkeitsübungen wie das Führen eines Cluster-Kontakt-Tagebuchs.

Übung der Aufmerksamkeit. Da ist bei mir ein Groschen gefallen; das ist nämlich ziemlich nah dran am so genannten „Gebet der liebenden Aufmerksamkeit“. Das haben sich viele Menschen sowieso schon angewöhnt; viele jedenfalls, die ihr Leben mit Gott und mit den Menschen aufmerksam und bewusst leben.

Sie schauen abends liebevoll auf ihren eigenen Tag zurück – auf die guten und die schwierigen Zeiten und Erlebnisse. Sie danken Gott für das Gute – und bitten um Mut und Kraft, das Schwierige auszuhalten oder morgen vielleicht das eine oder andere anders zu tun oder besser zu lassen.

Manche schreiben sich ein paar Punkte auch auf – weil sie schreibend besser nachdenken können; oder zur besseren Erinnerung…

Aufmerksam sein auch auf die möglichen pandemisch infektiösen Augenblicke im Alltag: das könnte doch locker dazukommen, ohne großen Aufwand. Und würde den Tagesrückblick auch noch – in einem ganz anderen Sinn – zu einem „Gebet der liebenden Aufmerksamkeit“ machen.

Weil ich die Menschen liebe, mit denen ich zusammenlebe, die in der Nähe und die im weiteren Umkreis; weil ich die anderen liebe, will ich auch, dass wir alle zusammen Corona in den Griff kriegen.

Aufmerksam bleiben und aufmerksamer werden – wenigstens, bis es endlich eine gute Impfung gibt. Und am besten auch weit darüber hinaus.

Zum Podcast: www.ndr.de/nachrichten/info/60-Coronavirus-Update-Das-Dilemma-der-Politik,podcastcoronavirus250.html#Kontakttagebuch (Stand 16.10.2020)


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Dieser Beitrag wurde am 13.11.2020 gesendet.


Über den Autor altfried g. rempe

altfried g. rempe ist 1953 in Essen geboren. Er ist Diplomtheologe und Pastoralreferent im Bistum Trier. Mehrere Jahre hat er mit Studentinnen und Studenten in der Trierer Hochschulgemeinde Leben und Glauben immer wieder neu und aus neuen Perspektiven entdeckt. Eine journalistische Ausbildung hat er beim SR in Saarbrücken und im „Theologenkurs“ (1995) beim Institut zur Förderung publizistischen Nachwuchses (ifp) in München absolviert. Seit 1999 ist er Redakteur von www.bistum-trier.de. Außerdem macht er Verkündigungssendungen beim SWR und SR.

Kontakt
altfried.rempe@bistum-trier.de

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