Wort zum Tage, 10.11.2020

von Altfried G. Rempe, Trier

Geburtstag: Martin Luther

10. November 1483, heute vor fast fünfhundertvierzig Jahren: ein kleiner Luther wird geboren. Und weil der am nächsten Tag getauft wird, heißt er eben Martin: Es war üblich, das Kind nach dem Tagesheiligen zu nennen. 11. November – Gedenktag des Heiligen Martin. So weit so traditionell.

Aber das Leben, das damals angefangen hat, sollte eine ganze Welt umstürzen. Schluss machen mit so viel Tradition. Als Erwachsener, als Dr. Martinus Luther, hat der Knabe versucht, die Kirche gründlich zu erneuern, zu reformieren.

Schade übrigens, wenn ich das mal so sagen darf, dass die Kirche sich nicht hat reformieren lassen damals. Denn der Dr. Luther hatte viele richtige Ideen, und in der Kirche lief richtig viel falsch.

Schade – nein viel schlimmer als schade: gespalten hat die Kirche sich, statt sich wirklich erneuern zu lassen und neu aufzustellen. Katholisch hier – evangelisch dort – eventuell mal ein bisschen ökumenisch.

Umgestürzt und christlich geworden ist die Welt immer noch nicht – nicht zuletzt deswegen, weil die Kirche mit sich selbst beschäftigt ist, statt sich und die Welt zu erneuern und ins Christliche hinein umzustürzen.

Na gut – nächste Chance: Ein ökumenischer Kirchentag nächstes Jahr in Frankfurt; im Mai – unter Pandemie-Bedingungen sowieso schon ziemlich schwierig. Und neuerdings haben die römischen katholischen Oberen schon wieder sehr deutliche Stopp-Signale gesetzt: Gemeinsam das Abendmahl feiern oder sich zur Kommunion einladen: no go.

Auch deswegen, weil auch die Kirchen der Reformation untereinander uneins sind und Martin Luthers Ideen nur teilweise umsetzen; und katholisch und evangelisch sind weiterhin getrennt in wesentlichen Fragen.

Ach herrje – dabei könnte sich zeigen, wie uninteressant die Leute das noch finden. Alle diese angeblich theologischen Fragen sollen doch die Theologinnen und Theologen austragen, wenn überhaupt.

Die Christinnen und Christen, die sich noch als solche verstehen, – sie wollen die Botschaft des Evangeliums leben und weitersagen; untereinander und an die Menschen draußen, für ihre Gesellschaften und die Politik, die die Botschaft von Einigkeit und Frieden, von Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung so dringend brauchen.

Die werden ihnen nur zuhören, wenn sie gemeinsam sprechen – so verschieden das immer klingen mag, weil die Menschen eben verschieden sind. Und das müssten sie auch miteinander feiern können – weil das auch Jesus so gewollt hat. Vater, lass sie eins sein, hat er gebetet – prophetisch hat er nämlich gewusst, wie das alles kommen könnte…

Familiär sind wir zu Hause schon mal einen Schritt weiter gegangen als unsere Kirche: Unseren jüngsten Sohn, geboren am 10. November vor fünfunddreißig Jahren, haben wir auch Martin genannt – nach beiden: nach dem heiligen Martin und nach dem Doktor Martinus Luther.


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Dieser Beitrag wurde am 10.11.2020 gesendet.


Über den Autor altfried g. rempe

altfried g. rempe ist 1953 in Essen geboren. Er ist Diplomtheologe und Pastoralreferent im Bistum Trier. Mehrere Jahre hat er mit Studentinnen und Studenten in der Trierer Hochschulgemeinde Leben und Glauben immer wieder neu und aus neuen Perspektiven entdeckt. Eine journalistische Ausbildung hat er beim SR in Saarbrücken und im „Theologenkurs“ (1995) beim Institut zur Förderung publizistischen Nachwuchses (ifp) in München absolviert. Seit 1999 ist er Redakteur von www.bistum-trier.de. Außerdem macht er Verkündigungssendungen beim SWR und SR.

Kontakt
altfried.rempe@bistum-trier.de

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