Morgenandacht, 20.02.2015

von Beate Hirt aus Frankfurt

Weniger Fleisch

Es ist für mich schon etwas seltsam: Früher war es meine katholische Kirche, die an einem Tag der Woche, nämlich heute am Freitag, auf Fleisch verzichtet hat. Auch bei uns zuhause gab es früher freitags grundsätzlich keine Wurst und kein Schnitzel, der Freitag war in meiner Kindheit der Tag für Fisch und Süßspeisen – was ich übrigens als Kind gar nicht schlecht fand. Aber mittlerweile bekommt man freitags auch in katholischen Familien und Tagungshäusern eine ordentliche Wurstauswahl, und wenn katholische Bistümer am Freitag zum Fest laden, dann muss man auf den Braten in der Regel auch nicht verzichten. Den Verzicht aufs Fleisch, den haben, so scheint es mir, mittlerweile eher andere übernommen. Die Grünen oder auch Umweltverbände: Sie rufen zum Veggieday auf und zu weniger Fleischkonsum. Und sie haben dafür keine religiösen Gründe, sondern klimapolitische.

Mittlerweile weiß man nämlich: Der riesige Fleischkonsum bei uns hier in Europa oder auch in Nordamerika, der trägt nicht wenig zum Klimawandel bei. Zum Beispiel dadurch, dass in Südamerika auf riesigen Monokulturen Soja hergestellt wird – das wiederum als Viehfutter dient für unsere riesigen Fleischfabriken. Ein Kilo Fleisch braucht außerdem in der Herstellung ungefähr 15 000 Liter Wasser - es hat schlicht eine viel schlechtere Energiebilanz als etwa Gemüse. Und das schadet dem Klima – und natürlich auch den Menschen, die von den Landflächen in Südamerika und vom Klima abhängig sind.

Ehrlich gesagt: Für mich waren es auch diese Klima-Gründe, die mich ins Nachdenken brachten über meinen Fleischverzehr. Erst hab ich weniger gegessen. Mittlerweile esse ich gar keines mehr. Und fühle mich damit auf katholischen Festen manchmal noch etwas verloren. Und trotzdem: Ich bin auch längst nicht mehr die Einzige, für die sich religiöse und klimapolitische Gründe verbinden, wenn es ums Fleisch geht. Es gibt immer mehr Menschen, die freitags aufs Fleisch verzichten: nicht nur, weil ihnen das traditionelle katholische Fastenvorschriften bis heute ans Herz legen. Sondern auch, weil sie ein Herz haben fürs Klima.  

Und natürlich haben religiöse und klimapolitische Motive auch wieder viel miteinander zu tun: Wer sich fürs Klima einsetzt, der setzt sich ja auch ein für Gottes Schöpfung und Geschöpfe. Für mich hat der Einsatz fürs Klima auch viel mit meinem Glauben zu tun: Ich will nicht, dass diese Erde sich unaufhörlich weiter erwärmt und dadurch Gletscher schmelzen, immer mehr Dürre herrscht und Stürme toben. Und ich will auch nicht,  dass Menschen dadurch aus ihrer Heimat fliehen müssen und nicht mehr genug zu essen haben. Denn das ist ja auch eine Folge des Klimawandels: Er ist mit verantwortlich für den Hunger auf dieser Welt. Und der Einsatz gegen den Hunger: Der gehört wiederum schon seit Jahrtausenden zum religiösen Verzichten und Fasten. Bei den Propheten im Alten Testament kann man das schon lesen. „Das ist ein Fasten, wie ich es liebe“, ruft der Prophet Jesaja schon den Leuten zu: „die Fesseln des Unrechts zu lösen, den Hungrigen dein Brot auszuteilen.“ (Jes 58,5-7) Wenn ich heute weniger oder kein Fleisch esse, dann tue ich genau das: Ich löse Unrecht, ich gebe den Hungrigen etwas zu essen.

Es sind deshalb nicht nur Umweltverbände, sondern mittlerweile auch kirchliche Verbände und Hilfswerke, die zum Klimaschutz aufrufen – und zu weniger Fleischverzehr. Das katholische Hilfswerk Misereor und die katholische Frauengemeinschaft Deutschlands zum Beispiel haben gemeinsam eine Präsentation erstellt, in der regen sie an: Wir sollen seltener Fleisch essen, zum Beispiel, wie früher, eben den sprichwörtlichen „Sonntagsbraten“ – und Fleisch aus regionaler und biologischer Produktion kaufen. Die katholische Präsentation zum Thema Fleischkonsum spricht sich aus für „Veggiedays“ in Kantinen. Und sie liefert gleich ein paar vegetarische Rezepte mit. Ich würde mich wirklich freuen, wenn meine katholische Kirche den Fleischverzicht wieder stärker für sich entdecken würde. Und natürlich überhaupt: Wenn es immer mehr Menschen gäbe, die an einem Tag der Woche ganz bewusst aufs Fleisch verzichten, aus all den vielen Gründen, die es dafür gibt  – und am besten gleich heute, am Freitag.

 

Link-Tipp: www.misereor.de/fileadmin/redaktion/kfd-MISEREOR_Fleischkonsum-Praesentation.pdf


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Dieser Beitrag wurde am 20.02.2015 gesendet.


Über die Autorin Beate Hirt

Beate Hirt ist Senderbeauftragte der katholischen Kirche beim Hessischen Rundfunk in Frankfurt. Sie studierte katholische Theologie und Germanistik in Mainz und Paris. Danach war sie als Persönliche Referentin beim Mainzer Bischof Karl Kardinal Lehmann tätig. Seit 2003 ist sie Rundfunkbeauftragte des HR. Sie schreibt und liest gern, am liebsten über Gott. Inspiration und Entspannung findet sie beim Joggen, Wandern und Singen. Kontakt: info@kirche-im-hr.de www.kirche-im-hr.de

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