30. Sonntag im Jahreskreis

Predigt des Gottesdienstes aus der Pfarrkirche St. Laurentius in Ahrweiler

Predigt von Pfarrer Jörg Meyrer

Liebe Schwestern und Brüder,

hier in der Kirche und zuhause, mit uns über den Deutschlandfunk verbunden!

Weltmission – das ist so groß. Da haben wir, auch wenn die Welt kleiner geworden ist, kaum einen Begriff davon. Es hilft uns sehr, wenn wir es kleiner wird und wir es konkret erfahren.

In Ahrweiler gibt es seit vielen Jahren eine Gruppe, die zwei Projekte begleitet, eines in Afrika, eines in Bolivien.

Lina Klaus war während ihres Freiwilligen Sozialen Jahres ein Jahr lang in Bolivien. Und hatte Kontakt zu unserem Projekt dort. Jetzt bist du bist vor kurzem, zusammen mit anderen, neu in diese Gruppe gekommen. Mondo Amici, heißt ihr: Weltfreunde.

Lina, kannst du uns kurz sagen, was für dich da wichtig ist?

Lina Klaus:

Für mich ist der persönliche Kontakt mit den Menschen, die vor Ort die Projekte begleiten, sehr wichtig. Zum Beispiel stehen wir in regelmäßigem Kontakt mit Otiliana, der Leiterin des Internats in Bolivien. Sie schickt uns auch Bilder und Neuigkeiten der Mädchen, wodurch wir diese besser kennenlernen dürfen. Früher ging das alles per Post und hat oft monatelang gedauert. Dank der modernen Technik kann Otiliana inzwischen jedoch auch an unseren Treffen teilnehmen, wodurch ein intensiver Austausch, besondere Einblicke und vor allem wunderschöne Freundschaften möglich sind.

Danke Lina! Für den wirklich nur ganz kurzen Einblick in eure Arbeit.

Ich bin unendlich dankbar für euer Zeugnis: Es geht weiter, das ist die erste Botschaft, die ich raushöre. Auch wenn es Generationenumbrüche gibt, da sind auch wieder jüngere, die einsteigen.

Trotz aller Schwierigkeiten. Ob sie Corona heißen. Oder Glaubensschwund. Und: Es geht um die Verbindung mit ganz konkreten Menschen. 

Da bin ich schnell beim Evangelium von heute. Was ist das wichtigste? wird Jesus gefragt. Die Liebe! Nicht der Glaube, nicht das Beten: Die Liebe!

Und Jesus trennt nicht, das ist mir ganz wichtig: Gott lieben ist genauso wichtig, wie den Nächsten lieben. Und zwar wie mich selber. Liebe ist immer eine:

-ich kann nicht Gott lieben, und in der Welt nur an mich selber denken.

- wenn ich einem Mitmenschen beistehe, und das kann einer in der Familie sein, oder jemand in der Nachbarschaft oder im Krankenhaus, oder in der weiten Welt, dann ist das auch Gottesdienst.

- und ich, wenn ich mich selber nicht mag, dann werde ich auch der Welt und den Menschen kaum gut sein können.

Die Liebe ist eine. Gottesdienst ist Dienst am Nächsten. Mithelfen, dass die Welt besser wird, und die Menschen besser leben können, dient Gott.

Ich finde darin hilfreiche Hinweise für unsere Zeit, - für unser Leben und unser Glauben. Ein erster:

- Wenn der Glaube in seiner kirchlichen Form in unserem Land so massiv abbricht, und der Gottesdienstbesuch ist durch die Corona-Schutzmaßnahmen ja nochmal zurückgegangen, ich schätze er liegt bei 2-3 % der Katholiken. Und wird kaum mehr das Niveau von ca. 13% wie Corona erreichen…

Diese Form von Kirche-Sein in unserem Land geht zu Ende.

Taucht da nicht neues auf: im „das Nächste lieben, den Nächsten lieben“. Also im Engagement für die Umwelt, die Natur, im Engagement für die Menschen.

Ich erlebe, dass viele das Jammern aufhören, und einfach an einer kleinen Stelle anfangen, sich einzubringen. Im Umfeld der Corona-Pandemie, z.B. im Einkaufsdienst. Als Wahlhelferinnen und Wahlhelfer. Beim Müllsammeln am Rhein und seinen Nebenflüssen.  Bei der Tafel. Und wie viele unserer jungen Leute machen ein Freiwilliges Soziales Jahr!

Ja, auch durch Spenden, wenn das Anpacken nicht mehr so möglich ist.

Papst Franziskus wird ja nicht müde zu predigen, dass die Hinwendung zu den Armen DER Ausweis der Christen im 21. Jahrhundert ist. Und „Arm“ meint eben nicht nur materiell arm, sondern „der Hilfe bedürftig“, und das sind bei uns viele, in der Welt noch mehr, und schließt unsere Mutter Erde deutlich mit ein.

Ein erster Hinweis also: Glaube verändert das Gesicht, die Liebe ist vielfältig.

Ein zweiter: Die Corona-Zahlen steigen. Täglich neue Rekordwerte bei den Neuinfektionen: 15.000 werden erwartet. Die Kennzahl 50 wird in fast allen Landkreisen gerissen.

Das beunruhigt, macht Angst, bringt viele Sorgen wieder. Auf der einen Seite.

Auf der anderen: Sind wir sorglos. Wir sind gut und ohne wirklich große Einschränkungen durch den Sommer gekommen. An Mund-Nasen-Schutz beim Einkauf haben wir uns gewöhnt, an Abstand meistens auch.

„Die Feier können wir noch machen“, „der Restaurant-Besuch mit Freunden ist soo lange geplant“, „die Einladung nehme ich aber an“. Und wie schnell sind Abstand und Mundschutz vergessen, andererseits.

Die Politikerinnen und Politiker mahnen in immer neuen Strophen: „Jetzt kommt es auf jeden/jede einzelne an!“

Die Vorsorgemaßnahmen kann ich nicht auf andere verschieben

-       auf die Jugend und die Partys,

-       auf die Pflegekräfte in den Senioreneinrichtungen,

-       auf die Politikerinnen und Politiker,

-       auf die in den großen Städten – oder auf die auf dem Land.

Auf mich kommt es an! Ja, das sagt auch Jesus heute.

Liebe, - das kann ich nicht auf andere schieben, andere machen lassen, delegieren.

Wie die Spülmaschine ausräumen oder die Steuererklärung. Wie den Anruf bei den Lieben oder das Kaufen eines Geschenks.

Liebe, das geht mich an.

Jetzt heißt das, Sie und mich schützen:

-       die Jungen und die Alten;

-       die Gastronomie und die Geschäftsleute.

-       Dass wir gesund bleiben.

Das fängt bei mir an. Puh, das wird schwer. Das kostet was! Veränderung, ist nie leicht. Es gab schon so viel davon dieses Jahr.

Immer noch? – Ja, immer noch!

Liebe will tiefer, ist nicht fertig.

Liebe weitet  - mich. Liebe setzt in Bewegung – mich.

Überfordert das nicht? – Es fordert!

Es gilt bei all dem zu allererst: Gott hat mich schon immer geliebt. Das ist das Fundament. Und von diesem Fundament aus kann ich lieben.

Dazu gibt es viele Möglichkeiten, viele Gesichter, wie Jesus zeigt: Gott, Menschen, Welt, mich. Der zweite Hinweis also: Lieben heißt: missionarisch sein.

Glaube verändert das Gesicht, Liebe ist vielfältig, war das erste. Lieben heißt missionarisch sein, ist das zweite. Vielleicht können Sie mit beiden Hinweisen durch die kommende Woche gehen.

Bleiben Sie behütet!


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Dieser Beitrag wurde am 25.10.2020 gesendet.





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