Wort zum Tage, 15.10.2020

von Pfarrer Lutz Nehk, Berlin

„Vergelt’s Gott“ – „Segne es Gott“

Wer ein „Vergelt’s Gott!“ bekommt, wird nicht mehr mit einer anderen Entlohnung rechnen. Vielleicht hat er sie auch gar nicht erwartet. Bitte und Danke sagen zu können, das ist eine große Kunst und viel wert.

Das gehört auch in den Bereich der „Lohngerechtigkeit“, auf die all die einen Anspruch haben, die sich als „Ehrenamtliche“ engagieren. Viele wichtige Funktionen der Gesellschaft und der Kirche werden durch diese engagierten Frauen und Männer am Laufen gehalten.

„Wir haben alles verlassen und sind dir nachgefolgt. Was werden wir dafür bekommen?“

(Mt 19, 27)

Das fragt der Apostel Petrus Jesus, seinem Meister. Und Jesus lässt sich auf diese Tarifverhandlung ein, stellt aber keinen Reichtum und keinen Ruhm in Aussicht. Es sind endzeitliche Löhne, die er verheißt. Zahltag ist,

„wenn die Welt neu geschaffen wird und der Menschensohn sich auf den Thron der Herrlichkeit setzt“.

(V 28)

Und das gilt grundsätzlich: Wer sich in die Nachfolge Jesu begibt, ist bereit, sich auf den letzten Platz zu stellen und an der Seite derer zu stehen, die „arm und hungrig“ sind.

„Viele Erste werden Letzte sein und Letzte Erste.“

Eine Ansage Jesu, die sich wie ein roter Faden durch die Evangelien ziehen. (V 30)

Es gibt ja nun auch viele Menschen, die nicht die Kraft, noch nicht die Entschlossenheit oder nicht die Möglichkeit haben, sich selber aktiv zu engagieren. Die aber bereit sind, auf anderen Wegen die gute Sache zu unterstützen. Ja, gute Initiativen, gute Werke, gute Projekte brauchen Unterstützung. Jesus richtet sein Lohnangebot auch an die, die dazu bereit sind, in dem er ankündigt:

„Wer Einem auch nur einen Becher frisches Wasser zu trinken gibt, weil es ein Jünger ist – Amen, ich sage euch: Er wird gewiss nicht um seinen Lohn kommen.“

(Mt 10, 42)

Es ist dieser eine Schluck Wasser, der am Ende zählt. Die Unterstützung einer guten Sache: ehren- und hauptamtliche Hospizarbeit; junge Leute, die nach der Schule ein Jahr in die Welt gehen und freiwillig an sozialen und ökologischen Projekten mitarbeiten; Ärzte, die sich ohne Grenzen in den Dienst der Kranken stellen; Mädchen und Jungen, die jeden Sonntag zuverlässig in den Gottesdiensten ministrieren.

Die Liste der guten Dinge ist Gott sei Dank sehr lang. Auch die gegenwärtige Corona-Krise hat zusätzlich gezeigt, wie viel Kraft und Engagement Menschen im Einsatz für das Leben entwickeln. All das verdient Respekt und braucht Unterstützung. Die Antwort auf ein „Vergelt’s Gott!“ lautet übrigens: „Segne es Gott!“


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Dieser Beitrag wurde am 15.10.2020 gesendet.


Über den Autor Pfarrer Lutz Nehk

Lutz Nehk (Jahrgang 1957) ist Pfarrer an der Katholischen Schule Liebfrauen in Berlin-Charlottenburg. Seit 2014 ist er zudem „Beauftragter des Erzbistums Berlin für Erinnerungskultur und Gedenkstättenarbeit“ und ist Mitarbeiter an der Gedenkkirche Maria Regina Martyrum in Berlin-Plötzensee. Kontakt
lutznehk@t-online.de

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