Wort zum Tage, 14.10.2020

von Pfarrer Lutz Nehk, Berlin

Frucht bringen

Aussaat und Ernte – das sind zwei wichtige Ereignisse im einem Jahreslauf. Vom Gelingen hängt viel ab; ob und wie sich die Menschen ernähren können.

Wie das Wachstum und die Reife des Korns die Farben der Landschaft verändern – davon bekommen die Großstädter wohl nicht so viel mit wie die Menschen in ländlichen Regionen. Die Erfahrungen aus der Lebenswelt der Leute nutzt Jesus immer wieder, um ihnen seine Botschaft zu vermitteln.

„Durch Gleichnisse verkündete er ihnen das Wort, so wie sie es aufnehmen konnten.“

(Mk 4,33)

Ein Gleichnis von einem Sämann überliefert der Evangelist Matthäus im 13. Kapitel der Bibel: Ein Sämann ging hinaus, um zu säen. Dabei geht es Jesus im Kern um die Frage, wie Menschen das Wort vom Gottesreich annehmen und verstehen.

Nicht immer geht es gut. Die unterschiedlichen Lebensumstände der Menschen, störende Einflüsse, Unbeständigkeit, trügerischer Reichtum – all das führt am Ende dazu: Es bleibt ohne Frucht. (Mt 13, 22)

Was nun die Voraussetzung für ein Erfolg der Saat ist, klingt ziemlich einfach:

“Auf guten Boden ist der Samen bei dem gesät, der das Wort hört und es auch versteht; er bringt Frucht – hundertfach oder sechzigfach oder dreißigfach.“

(V23)

Hören und verstehen.

Mit dem Verstehen der Worte ihres Meisters haben zunächst auch die Jünger, also die Freunde und Gefährten Jesu, ihre Probleme.

„Sie verstanden das Wort nicht, fürchteten sich jedoch, ihn zu fragen.“

(Mk 9,32)

Der Evangelist Markus gibt den entscheidenden Hinweis, was zu tun ist: Fragen! Ich kann dem Wort, das ich gehört habe, das über meine Ohren in mich gekommen ist, einen „guten Boden“ bereiten, indem ich mich fragend mit ihm auseinandersetze. Ich muss nicht sofort wissen, was seine Bedeutung ist. Es geht doch um ein Wachstum. Es geht um einen Prozess, dessen Ende vielleicht gar nicht absehbar ist.

Diese Beschäftigung mit dem „Wort vom Reich“ wird sich auf meine Existenz als Jüngerin oder Jünger des Reiches Gottes auswirken. Die Frucht, um die es letztlich geht, ist nicht eine höhere Stufe der Erkenntnis oder der Erleuchtung. Beim Apostel Paulus lese ich über die Frucht, um die es geht:

Ihr sollt Frucht bringen in jeder Art von guten Werken und wachsen in der Erkenntnis Gottes. Er gebe euch viel Kraft, damit ihr in allem Geduld und Ausdauer habt.“

(Kol 1, 10f)


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Dieser Beitrag wurde am 14.10.2020 gesendet.


Über den Autor Pfarrer Lutz Nehk

Lutz Nehk (Jahrgang 1957) ist Pfarrer an der Katholischen Schule Liebfrauen in Berlin-Charlottenburg. Seit 2014 ist er zudem „Beauftragter des Erzbistums Berlin für Erinnerungskultur und Gedenkstättenarbeit“ und ist Mitarbeiter an der Gedenkkirche Maria Regina Martyrum in Berlin-Plötzensee. Kontakt
lutznehk@t-online.de

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