Wort zum Tage, 29.09.2020

von Martin Korden, Köln

Gott*?

„Wir als Katholische Studierende Jugend fordern ein neues Gottesbild, weg von dem strafenden, alten, weißen bärtigen Mann hin zu einer Gottesvielfalt.“

Mit diesen Worten fordert die Katholische Studierende Jugend – kurz KSJ – das Wort „Gott“ ab sofort mit dem sogenannten Genderstern zu versehen. Schließlich sei Gott keinem Geschlecht oder anderen menschlichen Kategorien zuzuordnen.

Eins muss man der KSJ lassen. Es wird nach diesem Vorstoß gesellschaftlich wieder über Gott diskutiert und welches Bild man von ihm hat. Und sich Gott als alten Mann mit Rauschebart vorzustellen, ist sicher nicht hilfreich für die Gottesvorstellung – kommt aber doch bestenfalls noch in Karikaturen vor.

Die Forderung aber, das Gottesbild menschlichen Kategorien zu entziehen, verdeckt einen für mich als Christen wichtigen Punkt: Der christliche Glaube, auf den sich eigentlich auch die KSJ beruft, ist konkret, wenn es um das Gottesbild geht.

Ja, es ist die Grundaussage des Christentums, dass Gott selbst ein Bild von sich offenbart hat. Nämlich in Jesus Christus. Dass Gott in ihm Mensch geworden ist. In diesem Jesus von Nazareth hatten die frühen Christen einen Gott erfahren, der so konkret menschlich war, dass die allgemeine Furcht vor einem fernen Gott, den es zu besänftigen galt, gewichen war.

Die Vorstellung von Gott war plötzlich greifbar geworden, und es zeigte sich ein liebender Gott, der sich in der Geburt Jesu als Kind gering gemacht hat, der sich den Menschen als Bruder schenkt. Ein mitleidender Gott wurde hier offenbart, der sich durch Jesu Tod am Kreuz auf die Seite der Schwachen und Leidenden gestellt hat. Und ein Gott, der in der Auferstehung Jesu gezeigt hat, dass der Tod nicht das letzte Wort hat und er selbst einmal alle Tränen trocknen wird.

Das war so revolutionär, so überraschend und berührend, dass die ersten Christen diese Erfahrung weitergeben mussten, in alle damals bekannte Welt zogen und daraus schließlich die Kirche entstand, auf die sich heute 2 Mrd. Menschen weltweit berufen. 

Das Christentum liefert ein konkretes Bild von Gott: und zwar ein sehr menschliches. Jesus hat von Gott als seinem Vater gesprochen und die Menschen im „Vater-Unser-Gebet“ gelehrt, es ihm gleichzutun. Es ist eine Einladung, in diese vertrauensvolle Beziehung mit einzutreten.

Darum schließt die Rede vom Vater keinen aus – denn das bedeutet doch, dass alle Menschen - gleich welcher Herkunft, welchen Geschlechts oder welcher Orientierung - seine Kinder sind. Gott braucht keinen Genderstern – ich will ihn weiter Vater nennen dürfen.


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Dieser Beitrag wurde am 29.09.2020 gesendet.


Über den Autor Martin Korden

Martin Korden, geboren 1980 in Adenau, ist Beauftragter der Bischofskonferenz für Deutschlandradio. Nach dem Abitur absolvierte er im Rahmen seines Wehrdienstes eine erste Hörfunkausbildung beim Truppenbetreuungssender „Radio Andernach“. Anschließend studierte er in Trier und Brixen Katholische Theologie und schloss 2006 mit dem Diplom ab. Das journalistische Volontariat absolvierte er bei der Katholischen Fernseharbeit in Frankfurt am Main. Neben der Aufgabe als Senderbeauftragter ist er seit vielen Jahren für DOMRADIO.DE in Köln und für die Katholische Fernseharbeit tätig. Kontakt: m.korden@dbkradio.de

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