Wort zum Tage, 16.09.2020

von Beate Hirt, Frankfurt

Cornelius und die Fehler

Wie gehe ich mit Fehlern um, mit den Fehlern anderer und auch mit den eigenen? Das ist eine Frage, die Menschen oft umtreibt. Manchmal raubt sie uns sogar den Schlaf. Vielleicht gerade jetzt, in Corona-Zeiten.

Denn diese Krisenzeit mit dem neuen Virus ist ja auch eine Zeit, in der wir vielleicht den ein oder anderen Fehler begehen werden. Weil vieles so unsicher ist, weil Entscheidungen einfach schwer zu treffen sind.

Besuche ich jetzt wieder die alte Tante? Und wenn ja: Was mache ich, wenn sie mich umarmen will? Lasse ich die Kinder wieder mit den Freunden spielen? Und wenn ja: mit wie vielen und wo, drinnen, draußen? Womöglich passieren dann eben auch Fehler, ich mache andere Menschen traurig oder ich trage sogar dazu bei, dass Menschen sich infizieren. Damit dann umzugehen, das ist ganz schön schwierig.

Auch der Heilige, der heute im Kalender steht, hat sich Gedanken gemacht über den Umgang mit Fehlern und Schwächen. Heute, am 16. September, ist der Tag des heiligen Cornelius. Er war Papst im dritten Jahrhundert, zur Zeit der Christenverfolgung.

Der römische Kaiser ließ diejenigen Christen umbringen, die ihrem Glauben nicht abschwören wollten. Und mancher wurde da schwach und leugnete. Eine Todsünde eigentlich. Aber Papst Cornelius vertrat die Auffassung: eine Sünde, die vergeben werden kann und muss.

Es muss immer die Möglichkeit geben, zu verzeihen und barmherzig zu sein mit anderen und mit sich selbst. Die Widersacher von Papst Cornelius übrigens sahen das damals nicht so. Aber: Die Barmherzigkeit hat sich durchgesetzt.

Ich finde sie wohltuend, diese Geschichte des heiligen Cornelius. Ich glaube auch:  Wir sollten barmherziger umgehen mit uns und mit anderen. Gerade jetzt, in Corona-Zeiten. Wir sollten Fehler tolerieren.

Mir fällt das durchaus schwer. Ich bin eigentlich jemand, der gerne perfektionistisch und konsequent ist und ziemlich allergisch auf Fehler reagiert. Wenn andere etwas falsch machen in meinen Augen, dann kann mich das ganz schön beschäftigen und wütend machen. Und ähnlich geht’s mir, wenn ich selbst Fehler mache. Das wurmt mich, das kann ich mir schwer verzeihen.

Dieser heilige Cornelius heute sagt mir: Sei barmherzig mit dir und mit anderen! Verzeih Fehler! Bleib gelassen und freundlich, wenn etwas nicht so läuft, wie du es gerne hättest. Im Grunde ist das auch schon eine der wichtigsten Botschaften der Bibel.

„Barmherzigkeit will ich, nicht Opfer!“

(Matthäus-Evangelium 12,7)

Heißt es da. Und Jesus vergleicht Gott mit einem barmherzigen Vater, der den verlorenen Sohn trotz all seiner vielen Fehler einfach in die Arme schließt (vgl. Matthäus-Evangelium 15,11-32). So ist Gott, und so soll ich mich auch bemühen zu sein: Fehler verzeihend und barmherzig.


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Dieser Beitrag wurde am 16.09.2020 gesendet.


Über die Autorin Beate Hirt

Beate Hirt ist Senderbeauftragte der katholischen Kirche beim Hessischen Rundfunk in Frankfurt. Sie studierte katholische Theologie und Germanistik in Mainz und Paris. Danach war sie als Persönliche Referentin beim Mainzer Bischof Karl Kardinal Lehmann tätig. Seit 2003 ist sie Rundfunkbeauftragte des HR. Sie schreibt und liest gern, am liebsten über Gott. Inspiration und Entspannung findet sie beim Joggen, Wandern und Singen. Kontakt: info@kirche-im-hr.de www.kirche-im-hr.de

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