Wort zum Tage, 15.09.2020

von Beate Hirt, Frankfurt

Schöpfungszeit

Ich liebe den September! Die Luft ist nicht mehr so heiß und schwül wie im Hochsommer. Im August gab‘s ein paar Tage, da war‘s bei mir in der Wohnung und auf meinem Südwest-Balkon kaum zum Aushalten.

Jetzt, im September ist es viel angenehmer. Die Temperaturen werden wieder frischer und die Luft klarer. Mir kommen in der September-Luft auch Erinnerungen an früher. An‘s Laubkehren im Hof oder den Zwetschgenkuchen meiner Mutter. Der September ist ja auch ein wunderbarer Erntemonat: Zwetschgen und Äpfel, Wallnüsse und Birnen gibt es – und den ersten Wein.

Ich liebe den Duft und den Geschmack des Septembers. Und es passt für mich gut, dass in den September auch die so genannte Schöpfungszeit fällt. Die Kirchen laden in dieser Zeit dazu ein, die Natur und die Schöpfung besonders wahrzunehmen und auch zu schützen.

Am 1. September hat diese Schöpfungszeit begonnen, seit einigen Jahren ist das auch der „Weltgebetstag für die Schöpfung“. Am 4. Oktober endet sie, das ist der Gedenktag des heiligen Franz von Assisi, der ja auch besonders verbunden wird mit Schöpfung und Natur.

Dieses Jahr, in der Corona-Pandemie, ist es natürlich einerseits schwieriger, diese Schöpfungszeit zu begehen. Veranstaltungen und Gottesdienste können, wenn überhaupt, nur unter Corona-Bedingungen stattfinden.

Andererseits aber ist diese Schöpfungszeit in diesem Jahr besonders bedeutsam: Denn wir merken gerade wegen des Corona-Virus, wie sehr wir von der Natur abhängen und wie sehr die Schöpfung zusammenhängt.

„Alles ist miteinander verbunden.“

Das ist einer der wichtigsten Sätze, die Papst Franziskus immer wieder sagt, zum Beispiel in seiner großen Umwelt-Enzyklika „Laudato si“. Alles ist miteinander verbunden, das kann auch bedeuten: Weil auf einem Tiermarkt in China ein Virus vom Tier zum Menschen übergesprungen ist, lässt dieses Virus jetzt auf der ganzen Welt Menschen krank werden und sterben.

Das ist furchtbar. Aber es enthält für mich auch die Botschaft: Kümmert euch um das Ganze der Schöpfung. Alles ist miteinander verbunden. Geht deswegen sorgsam mit Tieren und Pflanzen um. Denn auch ihr seid ein Teil dieser Schöpfung. Wenn es der Schöpfung im Ganzen gut geht, dann geht es auch euch gut.

Ich genieße jetzt im September ganz besonders die frische Herbstluft und die Zwetschgen und den ersten Wein. Und ich versuche ganz besonders, die Schöpfung zu schützen. Indem ich zum Beispiel zu Fuß unterwegs bin, auch wenn es jetzt schon mal kühler oder regnerischer ist. Oder indem ich auf dem Markt einkaufen gehe, Obst und Gemüse, das saisonal und regional und bio geerntet wurde.

Der September ist eine wunderbare Zeit, um die Schöpfung zu genießen – und um sie zu behüten und zu bewahren.


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Dieser Beitrag wurde am 15.09.2020 gesendet.


Über die Autorin Beate Hirt

Beate Hirt ist Senderbeauftragte der katholischen Kirche beim Hessischen Rundfunk in Frankfurt. Sie studierte katholische Theologie und Germanistik in Mainz und Paris. Danach war sie als Persönliche Referentin beim Mainzer Bischof Karl Kardinal Lehmann tätig. Seit 2003 ist sie Rundfunkbeauftragte des HR. Sie schreibt und liest gern, am liebsten über Gott. Inspiration und Entspannung findet sie beim Joggen, Wandern und Singen. Kontakt: info@kirche-im-hr.de www.kirche-im-hr.de

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