Wort zum Tage, 02.09.2020

von Martin Wolf, Mainz

Alles wird gut

„Alles wird gut.“

In großen, bunten Buchstaben prangt der Satz an den Fenstern des Kindergartens. Alles wird gut! Was für ein seltsamer Satz. So oft schon habe ich ihn gehört und so oft mich auch darüber geärgert. Denn er stimmt ja offenkundig nicht. Es wird nicht alles gut, jedenfalls nicht in diesem Leben.

Da endet die abendliche Joggingtour eines Bekannten vor kurzem abrupt mit seinem plötzlichen Herztod. Und auch die schwere Krankheit, mit der eine liebe Kollegin gerade ringt, kann noch immer tragisch enden. Zu allem Überfluss stecken wir mit der Pandemie auch noch in der vielleicht größten weltweiten Krise seit dem zweiten Weltkrieg. Und keiner weiß, wie lange sie dauern und wie viel Leid sie noch bringen wird. Nein, es wird leider nicht immer alles gut, ganz und gar nicht.

„Alles wird gut.“

Das erscheint auf den ersten Blick eher weltfremd oder grenzenlos naiv. Und dennoch, so fragwürdig der kleine Satz auf den ersten Blick erscheinen mag, erinnert er mich auch an etwas: Vor vielen Jahren, als meine Kinder klein waren, da habe ich sie in den Arm genommen, wenn sie gefallen waren und sich weh getan hatten. Und auch da habe ich ihnen gesagt: Es wird alles wieder gut.

War das damals also eine Schummelei wider besseres Wissen? Es war wohl eher eine Mischung aus eigener Erfahrung mit solchen Blessuren und meiner Hoffnung. Der Hoffnung eben, dass Wunden wieder verheilen und dass am Ende tatsächlich alles gut sein wird. Hoffen auf das Gute. Das ist mehr, als sich eine trübe Wirklichkeit nur schön zu reden.

Dennoch kann natürlich auch diese Hoffnung zerbrechen am Leiden, das zu groß wird. Durch eine unheilbare Krankheit, einen völlig sinnlosen und viel zu frühen Tod. Manchmal geschieht das.

Doch öfter erlebe ich zum Glück das Gegenteil. Dass die schwerkranke Freundin nach langem Ringen ihren Frieden mit sich und ihrer Krankheit machen kann. Dass der Verlust eines geliebten Menschen eine tiefe Narbe auf meiner Seele hinterlässt und ich mich dennoch eines Tages wieder freuen kann. Voller Dankbarkeit darüber, dass ich diesen Menschen kennen und er mein Leben bereichern durfte.

Alles wird gut! Das ist nicht zuletzt auch die fundamentale Hoffnung auf einen Gott, von dem es auf den letzten Seiten der Bibel heißt, dass er einmal alle Tränen abwischen wird und weder Trauer noch Klage bestehen bleiben werden.

„Denn was früher war, ist vergangen.“

Es wird alles gut.


« zurück zur Übersicht

nach oben ↑


Beitrag anhören


Dieser Beitrag wurde am 02.09.2020 gesendet.


Über den Autor Martin Wolf

Martin Wolf wurde 1962 in Schwerte geboren. Er studierte Katholische Theologie an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster. Seit 1990 ist er beim Bistum Speyer beschäftigt. Von 1993 bis 2004 war er als Pastoralreferent in verschiedenen Pfarreien des Bistums Speyer tätig. 2004 wurde er Leiter der Katholischen Hochschulgemeinde in Kaiserslautern. Als Autor ist er in der Katholischen Rundfunkarbeit bereits seit 2002 engagiert. Von 2010 bis 2017 war er auch Beauftragter des Bistums Speyer beim Südwestrundfunk (SWR) und Saarländischen Rundfunk (SR). Seit Juni 2017 ist Martin Wolf Landessenderbeauftragter der Katholischen Kirche beim SWR in Mainz. Wolf ist verheiratet und hat gemeinsam mit seiner Frau zwei Töchter.

Allgemeine Seiten-Suche

» Autoren-Suche  |  » Beitrags-Suche