22. Sonntag im Jahreskreis

Predigt des Gottesdienstes aus der Pfarrkirche Christus Epheta in Homberg/Efze

Predigt von Pfarrer Peter Göb

Liebe Mitfeiernde unseres Gottesdienstes,
liebe Geschwister hier in der Kirche und am Radio,

„Du kannst nicht singen“, das hat mir vor vielen Jahren mein Musiklehrer in der Grundschule gesagt. „Du kannst nicht singen“, dieser Satz hat sich tief in mein Gedächtnis eingegraben und mein Verhalten lange Zeit geprägt.

Erst im Laufe der Zeit gab es Menschen, die mich ermutigt haben, es doch zu probieren. Beim Singen hilft zwar ein bisschen „Technik“, aber es braucht vor allem eines: Mut. Naja gut, ein Opernsänger bin ich nicht geworden, aber ich traue mich inzwischen, vor anderen und mit anderen zu singen.

Liebe Geschwister hier in der Kirche und am Radio, immer wieder begegne ich Menschen, die in vielen Bereichen ähnliche Erfahrungen machen. Menschen, die sich nicht trauen, denen der Mut fehlt, manche Dinge zu sagen oder zu tun.

Ich erlebe, dass es in unserer Zeit für viele Menschen Mut braucht, sich als Christ zu zeigen und als Christin zu leben, weil Menschen enttäuscht sind, durch das, was sie aus der Kirche hören oder von ihr lesen.

Ein Beispiel sind die Missbrauchsskandale. Die Zugehörigkeit zur Kirche wird dann als Zumutung erfahren, ja manchmal sogar der Glaube als solcher.

Zumutungen. Die Texte des heutigen Sonntags sind sicher für viele auch eine solche: Da ist der Prophet Jesaja in der ersten Lesung. Er wird von Gott angesprochen, ja „betört“, doch muss er, als er für diesen Gott öffentlich eintritt, sich dem Gespött seiner Mitmenschen aussetzen. Er wird für seinen Glauben verlacht und schräg angesehen.

Da ist der Apostel Paulus, von dem wir hören, dass wir uns nicht der Welt anpassen sollen. Vielmehr sollen wir unser Denken erneuern, damit wir erkennen, was der Wille Gottes ist.

Und da ist das Evangelium. Ich höre strenge und anstrengende Worte:
Wir sollen uns verleugnen, unser Kreuz auf uns nehmen, ja das Leben verlieren. Und ich höre, dass Jesus sein Leiden und Sterben ankündigt und sich nicht von seinem Weg abhalten lässt.

Liebe Mitfeiernde, Zumutungen begegnen uns an vielen Orten. Wie kann ich damit umgehen? Das Evangelium bietet mir einen wichtigen Hinweis: Jesus kündigt an, dass er sterben und auferstehen werde. Darin liegt für mich auch die entscheidende Veränderung.

Der Blick auf Jesu Leben, auf sein Sterben und auf seine Auferstehung helfen mir in den Herausforderungen unserer Zeit. Denn das, was am Ende bleibt, sind die Auferstehung und das Leben.

In dieser Haltung lädt mich Jesus ein, „hinter ihm herzugehen“, das bedeutet, ihm zu folgen. Er möchte mich und andere Menschen ermutigen, sich auf den Glauben,

auf die Beziehung zu ihm, einzulassen. Auf einen Glauben, der die Krisen der Zeit wahrnimmt, aber nicht an ihnen verzweifeln lässt. Auf einen Glauben, der die Nöte der Menschen sieht und not-wendend handelt. Jesus möchte ermutigen, einander beizustehen, in den Blick zu nehmen, zu helfen und aufzurichten.

Liebe Mitfeiernde, das setzt jedoch voraus, dass ich etwas für den eigenen Glauben tue. Auch dazu bin ich von Gott eingeladen. Eingeladen, mich immer auf die Beziehung zu Gott einzulassen und einen Schritt im Glauben zu gehen. Diese Beziehung zu Gott ist es dann auch, die mich nicht am Leben oder an der Kirche verzweifeln lässt.

Warum? Weil ich im Sterben Jesu einen Hoffnungsschimmer sehe. Denn nach seinem Sterben, nach seinem Tod kam die Auferstehung. Das heißt für mich: Nicht die Krisen haben das letzte Wort, auch nicht die Erfahrungen an den Grenzsituationen und Zumutungen des Lebens. Am Ende steht das Leben!

Liebe Mitfeiernde, Ja, wir leben in besonderen Zeiten, in den uns vieles zugemutet wird. Wir glauben in besonderen Zeiten. Und das besondere an diesen Zeiten ist auch, miteinander zu glauben. Das Besondere ist, Menschen zu ermutigen, sich auch weiterhin auf diesen Gott einzulassen.

Ich wünsche Ihnen, dass Sie Menschen begegnen, die Sie im Glauben stärken. Ich wünsche Ihnen die Erfahrung, dass Sie Gott als Wegbegleiter und Ermutiger erleben. Als einen Gott, der Mut macht, auf das Leben zu schauen, Stellung zu beziehen und die eigene Meinung zu sagen. Und als ein Gott, der uns Mut macht, den Glauben zu leben, und hin und wieder mal was zu wagen. Ich wünsche Ihnen, dass Sie Gott als einen Gott erfahren, der uns ermutigt, in dieser Zeit als Christin und als Christ zu leben.

Denn es gibt eine Hoffnung, die durch die Zumutungen, die Dunkelheiten und Krisen dieser Zeit und Welt hindurchscheint und hindurch trägt. Es gibt eine Hoffnung, die am Ende nicht stirbt, sondern erfüllt wird.

Amen.


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Dieser Beitrag wurde am 30.08.2020 gesendet.





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