Wort zum Tage, 10.07.2020

von Christine Herzog, Weimar

Gottes Lieblinge

Am 10. Juli 1941 – also heute vor 79 Jahren – hatten vier Kollegen Geburtstag. Sie arbeiteten unter gleichen Bedingungen am gleichen Ort und wohnten nur wenige Gehminuten voneinander entfernt.

Der Theologieprofessor Henryk Kaczorowski wurde an diesem Tag 53 Jahre alt. Pfarrer Czeslaw Korzeniewski wurde 42. Für den Feldgeistlichen Marian Konopinski war es der 34. Geburtstag. Der Vierte und Älteste im Bunde war der 56jährige Salesianerpater Jakub Legosz.

Welch ein interessantes geistliches Quartett hätte da Geburtstag feiern können, wäre die Realität im Sommer 1941 nicht von ganz anderer Art gewesen: Diese vier polnischen Priester waren in das Konzentrationslager Dachau deportiert worden und trugen keine Namen mehr, sondern nur noch Nummern.

An diesem 10. Juli 1941 begann der Tag für sie nicht mit einem Gottesdienst. Am eigenen Festtag eine Dankmesse halten zu dürfen, war ihnen nicht vergönnt. Der Geburtstag war für die vier Priester ein Lagertag mit Zählappell, Arbeit, Hunger, Schmutz, Schlägen, Gebrüll – und abends noch einem Zählappell.

Keiner aus diesem Quartett überlebte das Konzentrationslager Dachau. Korzeniewski starb an Hunger und Erschöpfung. Konopinski wurde bei medizinischen Versuchen umgebracht. Kaczorowski und Legosz ermordete die SS in den Gaskammern von Schloss Hartheim bei Linz in Österreich. Kaczorowski verabschiedete sich vor seinem Abtransport in die Gaskammer von einem Mitbruder mit den Worten:

„Machen wir uns nichts vor, wir wissen, was uns erwartet. 'Der Herr ist mein Hirte. Mir wird nichts fehlen.' Wir nehmen aus Gottes Hand an, was auf uns zukommt. Betet für uns, dass wir standhalten.“

Und mit der Hand zum Himmel zeigend, meinte er:

„Wir werden dort auch für euch beten.“

Zusammen mit 106 anderen polnischen Märtyrern wurden Kaczorowski und Konopinski seliggesprochen. Damit bringt die Kirche die Überzeugung zum Ausdruck, dass ein aus dem Glauben hingegebenes Leben in den Armen Gottes geborgen bleibt.

Wie diese beiden polnischen Märtyrer blieben auch ihre Geburtstags-Mitbrüder Korzeniewski und Legosz und viele andere Opfer des Nationalsozialismus im Glauben standhaft bis in den Tod.

Sind sie vergessen? Vielleicht von den Nachgeborenen. Nie jedoch bei Gott. Wie sagte es der tschechische Theologe Tomáš Halík so schön?

„Gott hat seine Lieblinge, deren Namen er eifersüchtig 'in pectore' hütet, das heißt: In der Intimität seines Herzens, und er verrät sie auch der Vatikanischen Kongregation für Heiligsprechungen nicht.“


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Dieser Beitrag wurde am 10.07.2020 gesendet.


Über die Autorin Christine Herzog

Christine Herzog, geboren 1963, absolvierte ein Fachschulstudium zur medizinisch-technischen Assistentin und schloss Theologie im Fernkurs im Jahr 1988 ab. In der katholischen Rundfunkarbeit ist sie seit 1997 aktiv. Sie lebt und arbeitet in ihrer Heimatstadt Weimar.

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