Wort zum Tage, 08.07.2020

von Christine Herzog, Weimar

Georg Neumark

Kennen Sie diese Ohrwürmer? „Nun danket alle Gott.“ Oder: „Ich steh an deiner Krippe hier.“ Oder: „O Haupt voll Blut und Wunden.“ Mir gehen sie zu Herzen. Treue Kirchgänger können diese Lieder auswendig.

Entstanden sind sie im 17. Jahrhundert, in einer Zeit, als Hungersnöte und Seuchen als Folge des Dreißigjährigen Krieges ganze Landstriche in Europa verwüstet und entvölkert hatten.

Ein weiteres, sehr bekanntes Kirchenlied entstand in dieser Zeit. Sein Autor und Komponist Georg Neumark aus Thüringen war als junger Mann während einer Reise einem Raubüberfall zum Opfer gefallen, hatte seine Habe verloren und in Norddeutschland ein Notquartier gefunden.

Als er nach aller Verzweiflung schließlich eine Anstellung als Hauslehrer erhielt, schrieb er überwältigt von dem unerwarteten Glück den noch heute bekannten Choral:

„Wer nur den lieben Gott lässt walten, und hoffet auf ihn allezeit, den wird er wunderlich erhalten in aller Not und Traurigkeit.“

Georg Neumark zog es später wieder in seine Heimat Thüringen zurück. Herzog Wilhelm von Sachsen-Weimar ernannte ihn zu seinem Bibliothekar und berief ihn in die sogenannte Fruchtbringende Gesellschaft. Lange vor den Weimarer Dichterfürsten Goethe und Schiller sorgte sich die Fruchtbringende Gesellschaft als erste große Sprachakademie um die Pflege und Entwicklung der deutschen Sprache.

Das Hochdeutsche sollte auch das Französische bei Hof und das Lateinische im Kirchenraum ersetzen. Georg Neumark schrieb 30 Kirchenlieder in deutscher Sprache. Er starb heute vor 339 Jahren am 8. Juli 1681 in Weimar.

Sein Kirchenlied Wer nur den lieben Gott lässt walten findet sich in allen aktuellen Gesangbüchern des deutschen Sprachraumes.

Dass Gott und Mensch das jeweils Ihre zu einem gelingenden Leben beitragen, fasste Neumark in der letzten Strophe des Liedes so zusammen:

„Sing, bet und geh auf Gottes Wegen, verricht das Deine nur getreu und trau des Himmels reichem Segen, so wird er bei dir werden neu. Denn welcher seine Zuversicht auf Gott setzt, den verlässt er nicht.“

Seit 380 Jahren werden Menschen, die dieses Lied singend beten, persönlich angesprochen und getröstet. Viele finden sich darin wieder – in Situationen von Not und Traurigkeit mit Weh und Ach genauso wie in rechten Freudenstunden.


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Dieser Beitrag wurde am 08.07.2020 gesendet.


Über die Autorin Christine Herzog

Christine Herzog, geboren 1963, absolvierte ein Fachschulstudium zur medizinisch-technischen Assistentin und schloss Theologie im Fernkurs im Jahr 1988 ab. In der katholischen Rundfunkarbeit ist sie seit 1997 aktiv. Sie lebt und arbeitet in ihrer Heimatstadt Weimar.

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