14. Sonntag im Jahreskreis

Predigt des Gottesdienstes aus der Pfarrkirche St. Kornelius und Cyprian in Kirrlach

Predigt von Pfarrer Lukas Glocker

Liebe Schwester, lieber Bruder von Jesus Christus,

ich trage in mir eine tiefe Sehnsucht: Alles ist im Reinen, alles ist klar, alles im Frieden.

Meine todo-Liste ist abgearbeitet; alles, was ansteht, ist erledigt oder zumindest im Blick.

Aber ich stelle fest: es ist nicht so: Die Arbeit wächst mir über den Kopf. Ich sorge mich um meine Gesundheit und die Gesundheit von lieben Menschen. Ich habe mich mit meinem Nachbarn verkracht, ganz zu schweigen von dem Ärger mit meinen Arbeitskollegen … und dann spinnt auch noch mein Handy.

All das geht nicht spurlos an mir vorbei, sondern geht so richtig an die Nerven.

Da wäre es doch prima, wenn es dafür so etwas wie eine ZEWA-Küchenrolle gäbe: „mit einem Wisch ist alles weg!“ oder einen Meister Proper, der alles reinwäscht.

Wenn ich das Evangelium von heute richtig verstehe, verspricht uns Jesus aber ganz genau das:  Kommt alle zu mir, die ihr mühselig und beladen seid!
Ich will euch erquicken. Ihr werdet Ruhe finden für eure Seele.

Aller Stress: weg!
Alle Sorgen: weg!
Aller Streit, Ärger und alle Probleme sind einfach weggewischt! Wow!!!
Das ist zu schön, um wahr zu sein.
Und dennoch: Jesus Christus selbst verspricht uns das.

Wie könnte Jesus das anstellen?

Jesus kritisiert ja immer wieder wie wir Menschen mit Gesetzen umgehen, die unnötig sind und die den Menschen knechten. Mit wem hat sich Jesus am häufigsten angelegt? … Mit den Schriftgelehrten und Pharisäern. Die Frage ist, was man am Sabbat tun darf und was nicht.

Am Ende sagt Jesus: „Der Sabbat ist für den Menschen da … und nicht umgekehrt.“

Auch bei mir gibt es Dinge, die unnötig oder sinnlos sind oder die es im Grunde nicht bräuchte: manchmal bürden andere mir Dinge auf, die ich eigentlich gar nicht tragen müsste. Oder ich stehe mir selber im Weg, weil ich mich unter Druck setze und meine, überall funktionieren und stark sein zu müssen. Weil ich glaube: „Ich darf mir keine Fehler erlauben.“

Also: weg mit all dem – mit einem Wisch!

Aber das ist leichter gesagt als getan: ich habe ja einen Grund, warum ich so bin, wie ich bin: ich kann doch nicht aus meiner Haut herausfahren: Wenn ich ein Helfertyp bin, dann helfe ich – auch wenn ich dies gar nicht müsste und es mich doch stark belastet.

Ganz zu schweigen von meinen eigenen Alltagssorgen! Auch die verschwinden nicht einfach „mit einem Wisch“.

Wenn mir hier Meister Proper nicht helfen kann, dann vielleicht der Philosoph Karl Popper, der sagt: „Leben heißt mit Problemen leben!“

Es ist ein Fehlschluss, wenn ich glaube: erst wenn alle Probleme gelöst sind und ich alle Lasten abgeworfen habe, bin ich glücklich.

Leben heißt tatsächlich, die Kunst zu beherrschen, MIT Problemen zu leben.

Und genau dabei will Jesus helfen. Er lädt mich ein, zu ihm zu kommen. Er verspricht mir Ruhe und erklärt: Ich gebe dir ein Joch. Das hilft dir dabei, die Probleme zu tragen, zu ertragen. Nimm es auf dich und lerne von mir.

Ein Joch selbst ist keine Last. Im Gegenteil: es hilft, Lasten zu tragen:
In der Landwirtschaft erhält ein Ochse ein Joch, also einen starken Holzbalken, an dem die Deichsel befestigt wird.

In der Wüste hilft ein Joch den Menschen, schwere Wassereimer vom Brunnen auf den Schultern nach Hause zu tragen.

Und im Gesicht hilft das Jochbein, den Kaudruck zu mindern.
Also ein Joch erdrückt nicht. Es hilft! Das Joch Jesu will helfen.

„Kommt alle zu mir, die ihr mühselig und beladen seid!“ Das klingt für mich nach einer Mutter, die sich ihrem Kind zuwendet, das zu ihr kommt, weil es beim Spielen das Knie aufgeschlagen hat: sie öffnet die Arme und trocknet die Tränen. Jesus bietet uns hier seinen Trost an: Ich darf zu ihm kommen. Das ist das Joch, das Werkzeug, das er mir hinhält, um meine Lasten zu tragen.

Konflikte, Streit und Ärger tauchen oft unvermittelt auf. Dann schlafe ich lieber eine Nacht drüber, gehe also einen Schritt aus der Situation heraus. Dann kann ich leichter einschätzen, was da grad passiert, wie ich mich verhalte und warum der andere entsprechend reagiert. So ähnlich verstehe ich das mit dem Joch Jesu, seinem Hilfsangebot:

Wenn dir manches oder gar alles über den Kopf wächst, dann … geh raus aus der Situation … verbinde dich mit Gott. Er ist für dich da – ebenso wie eine liebende Mutter für ihr Kind. Hier hat das sanfte Joch Jesu zwei Wirkungen, zwei starke Balken, die helfen, all das zu tragen, das dir zugemutet wird: zum einen die wohltuende Distanz, zum anderen die liebevolle Zuwendung.

Also: zuerst raus aus dem Konflikt, dann sehe ich klarer, dann aber wieder ran und rein in die Auseinandersetzung und Beziehung. Ansonsten wäre es mir ja egal, gleichgültig. So aber gehe ich gelassen und souverän wieder hinein, vielleicht auch mit zitternden Knien und auf den anderen zu, weil es mir etwas bedeutet, weil sie oder er mir etwas bedeutet.

Indem ich mich an Gott wende, trete ich heraus aus dem Teufelskreis meiner Probleme. Jesu Angebot anzunehmen, sein Joch zu tragen und von ihm zu lernen, eröffnet mir einen neuen Horizont.

Jesus sagt: ich bin gütig und demütig. Und das ist auch für mich der Schlüssel:
Gütig zu sein bedeutet nämlich: Das Gute zu sehen. In den anderen, in mir, in dem, was ich zu tragen habe. Eine solche Sichtweise befreit!
Und demütig sein heißt, Mut zum Dienen zu haben; sich einspannen lassen, auch mal an Grenzen stoßen, um sie wissen …

Ja, „Leben heißt, mit Problemen zu leben.“

Ich kann meine Probleme nicht einfach wegwischen. Ich habe keinen Seelen-Meister Proper, der so sauber putzt, dass man sich drin spiegeln kann.

Aber ich kann in den Spiegel schauen: aufrecht, demütig, gütig und dankbar:
Dazu reicht mir Jesus Christus sein Joch, seine Hilfe.

Herr, schenke mir die Kraft, Dinge zu ändern, die ich ändern kann.
Schenke mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann und
schenke mir die Weisheit, das eine … vom anderen zu unterscheiden.

Amen.


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Dieser Beitrag wurde am 05.07.2020 gesendet.





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