Morgenandacht, 18.07.2020

von Dietmar Rebmann, München

Mit Gott rechnen

Ich fahre mit einem Bekannten im Auto mit, unser Ziel: endlich mal wieder gemeinsam durch den Baumarkt schlendern. Wir kommen an, steigen aus dem Wagen und mein Bekannter braucht einige Zeit, um seinen Autoschlüssel in einem besonderen Etui unterzubringen.

Auf meine Nachfrage hin erklärt er mir: sein Auto hat eine schlüssellose Startfunktion, wenn man so ein Auto hat, muss man den Schlüssel gut schützen, sonst könnten Betrüger das Signal des Schlüssels abfangen und verlängern und den Wagen dann aufsperren, ja sogar den Motor starten.

So einfach geht dann Autodiebstahl. Also steckt mein Bekannter den Schlüssel in ein kleines Mäppchen und das Mäppchen dann nochmal in eine größere Tasche, in der er auch den Geldbeutel unterbringt. Denn auch die Bank- und Kreditkarten können von Betrügern ausgelesen werden. Das Mäppchen und die größere Tasche sind aber mit einer speziellen Schutz-Folie ausgelegt, die das dann verhindert.

Geniale Technik: Einfach ein paar Schutzfolien und schon kann man sich gegebenenfalls viel Ärger ersparen. Wenn das Auto weg ist und das Konto leergeräumt, ist das ja nun wirklich nicht lustig.

Aber wie machen wir das mit uns selbst? So eine einfache Schutzmöglichkeit könnte ich für mich auch gebrauchen. Die eigene Seele braucht doch auch genügend Schutzfolien, um das abwehren zu können, was nicht mehr zu verarbeiten ist. Und das Herz braucht einen Schutz, gegen zu viel Angst und Stress.

Oft sind wir uns dessen gar nicht bewusst, welche Spuren das moderne hektische Leben jeden Tag in uns hinterlässt. Der Wunsch geschützt und geborgen zu sein gegen die aufdringliche und unberechenbare Welt drückt sich auch in der Glaubenspraxis und den Gebeten der Religionen aus. Der Beter des Psalms 91 in der Bibel formuliert seine Zuversicht, dass es einen höheren Schutz gibt. Er betet: Gott, Du bist für mich Zuflucht und Burg, mein Gott, dem ich vertraue.

In Krisenzeiten ein sehr aktuelles Gebet. Aber wenn man diese Gedanken hört, möchte man vielleicht zunächst protestieren und sagen: Klingt alles ganz schön, aber wo schützt mich Gott denn so, dass mir gar nichts passieren kann? Wo war er bisher, als so viele schon an dem Corona-Virus gestorben sind?!

Aber vielleicht ist es auch gar nicht so gedacht, dass man sich einbildet, mir kann nichts passieren, sondern dass durch diese inneren Bilder eine Kraft in mir wächst, die mir hilft, meine Angst zu besiegen. Es entsteht eine innere Burg, eine innere Schutzfolie würden wir heute sagen, die mich davor bewahrt, dass die Zumutungen des Lebens mein Herz und meine Seele angreifen. Denn wenn ich in mir nicht stark bin, wie will ich da im Außen stark sein und kämpfen können?!

Die innere Stärke ist die Voraussetzung für den mutigen Einsatz. Das kann man in den Zeiten der Corona-Pandemie bei all den Menschen sehen und erleben, die jeden Tag weit über ihre Grenzen gehen: im Schichtdienst als Arzt, PflegerIn, Polizist oder einfach nur im Mitsorgen für andere in der Nachbarschaft.

Welches Bild man auch immer für sich wählt, es besteht ein wichtiger entscheidender Unterschied zwischen einem von Menschen gemachten Schutz und einem Schutz, wie ihn Gott für mich bereithält: Den göttlichen Schutz gibt es umsonst und ohne bürokratischen Aufwand. Bei Gott ist alles umsonst, geschenkt, wir nennen es Gnade. Und sein Angebot gilt für alle, da gibt es keine Bevorzugung oder Zurückweisung. Und Gottes Angebot ist mit einer Ewigkeits-Garantie versehen.

Auch wenn wir Menschen oft gar nicht mit Gott rechnen, wenn wir so leben, als gäbe es ihn nicht oder als bräuchten wir ihn nicht, dann ist er trotzdem da, garantiert. Helfen kann er mir aber nur, wenn mir mein eigenes Wohlergehen mindestens so wichtig ist wie der Schutz meines Autos und meiner Kreditkarten.


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Dieser Beitrag wurde am 18.07.2020 gesendet.


Über den Autor Dietmar Rebmann

Dietmar Rebmann ist Leiter der Hörfunkabteilung im Rundfunkreferat der Bayerischen Bischofskonferenz mit den Aufgaben: Produktion von Sendungen im BR, sowie Ausbildung und sprechtechnische Schulung von Hörfunk-Autorinnen und Autoren.

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