Wort zum Tage, 09.06.2020

von Eva-Maria Will, Köln

Singen tut gut

Ich singe gern. Denn Singen tut mir gut. Es ist ja auch erwiesen, dass Singen nicht nur für die Stimme, sondern auch für die Stimmung gut ist. Singen sorgt für Glücksgefühle!

In diesem Zusammenhang denke ich an den Spielfilm: „Vaya con Dios“. Eine Schlüsselrolle in diesem Film spielt das bekannte Kirchenlied: „Wer nur den lieben Gott lässt walten“. In diesem Film machen sich drei stimmgewaltige Ordensbrüder auf einen abenteuerlichen Weg nach Italien. Unterwegs erlebt jeder seine eigene Versuchung, so dass sie in der Gefahr stehen von ihrem bisherigen Weg abzukommen.

Zu diesem Roadmovie passt die Entstehungsgeschichte des alten Liedes sehr gut:  Der Text „Wer nur den lieben Gott lässt walten“ stammt von Georg Neumark. Er kam aus Thüringen und lebte zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges im 17. Jahrhundert. Neumark lebte also in sehr harten Zeiten, eines Tages wurde er überfallen und ausgeraubt. Völlig mittellos kommt er schließlich auf Irrwegen nach Kiel, wo ihm ein Pfarrer und ein Arzt das Überleben sichern: Mit einer Stelle als Hauslehrer kann er sich über Wasser halten.

In dieser Zeit schrieb Georg Neumark sein Lied. Auch wenn die barocke Sprache etwas ungewohnt in unseren Ohren klingen mag, so verströmt sie auch heute noch eine große Kraft. Ihr kann ich mich kaum entziehen. Man spürt darin die Erleichterung, die Neumark bei seiner Rettung empfunden haben muss. Die erste Strophe lautet: „Wer nur den lieben Gott lässt walten und auf ihn hoffet allezeit, den wird er wunderbar erhalten in aller Not und Traurigkeit. Wer Gott dem Allerhöchsten traut, der hat auf keinen Sand gebaut.“ Georg Neumark hat sein berühmtes Lied selbst als Trostlied bezeichnet. Das, was er selbst als Trost erfahren hatte, wollte er weitergeben: sein Vertrauen in Gott.

Dieses Lied spielt auch in dem Film "Vaya con Dios" eine Schlüsselrolle. Als einer der drei Mönche den Gesang dieses Chorals hört, wird er plötzlich wieder an seine Berufung erinnert. Er kehrt zu seinen Glaubensbrüdern und zu seinem Gelübde zurück. Auf die letzte Liedstrophe geht übrigens auch der spanische Filmtitel zurück. Denn „Vaya con Dios“ heißt: „Geh mit Gott!“

Mit dieser letzten Strophe des Trostliedes möchte ich mich in diesen Morgen hinein verabschieden: „Sing, bet und geh auf Gottes Wegen, verricht das Deine nur getreu und trau des Himmels reichem Segen, so wird er bei dir werden neu. Denn welcher seine Zuversicht auf Gott setzt, den verlässt er nicht.“


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Dieser Beitrag wurde am 09.06.2020 gesendet.


Über die Autorin Eva-Maria Will

Eva-Maria Will arbeitet als Diözesanreferentin im Erzbistum Köln. Sie wurde 1963 in Hannover geboren, studierte katholische Theologie, Kunstgeschichte und Christliche Archäologie in Trier und Bonn und war lange überwiegend in der Frauenseelsorge tätig. 2015 hat sie den Fachbereich Trauerpastoral und Bestattungskultur im Erzbistum Köln aufgebaut und ist seitdem als Referentin dort tätig. Einer ihrer Schwerpunkte ist die Qualifizierung von Haupt- und Ehrenamtlichen. Eva-Maria Will ist verheiratet und hat zwei Töchter. Kontakt
Internet: www.abschied-trost.de
Email:eva-maria.will@erzbistum-koeln.de
               
               

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