Dreifaltigkeitssonntag

Predigt des Gottesdienstes aus der Kirche St. Theresia vom Kinde Jesu in Oberhausen

Predigt von Pfarrer Hans-Werner Hegh

Was soll ich zum Thema Dreifaltigkeit sagen? Ich habe zur Vorbereitung auf die Predigt ein paar Leute gefragt. Und ihre Reaktion?

„Boa nee, Herr Pastor!“ Das war die erste Reaktion.
„Muss das sein?“ Das war die zweite Reaktion.
„Können Sie nicht was Leichteres?“ Das war die dritte Reaktion.

Liebe Hörerinnen und Hörer, liebe Gemeinde hier in der Kirche, das waren die spontanen Äußerungen auf meine Bitte hin, eine Assoziation zum Thema „Dreifaltigkeit“ zu sagen.

Na, dann bin ich zumindest nicht der Einzige, der sich mit dem Thema schwertut. Aber das Thema ist mit dem heutigen Dreifaltigkeitssonntag nun einmal vorgegeben. Und vielleicht ist das ja auch gut so, auf etwas gestoßen zu werden, was schwierig ist, was mir Kopfzerbrechen bereitet, womit ich vielleicht nie fertig werde. Einfach kann jeder, und das Leichte bringt einen im Leben ja auch oftmals nicht wirklich weiter.

Wie können wir uns das also vorstellen, Dreifaltigkeit: Ist es ein Gott – in drei Personen? Vielleicht ist das genau die Frage, die naheliegt, die aber wenig hilfreich ist. Jedenfalls merke ich, dass ich mit meinem Verstand ganz schnell an Grenzen komme, wenn ich mir das vorstellen will.

Mir hat eine andere Herangehensweise geholfen. Ich habe mich gefragt: Hat dieses bildliche Wort von der Dreifaltigkeit für mein Leben eine Bedeutung, und wenn ja, welche?

Ich stelle mir diesen Dreifaltigen Gott als drei Personen vor, die eng miteinander in Beziehung leben, aufeinander verwiesen sind und sich sogar ergänzen. Einer ist der, der hinter allem und jedem steht: Das ist Gott-Vater. Er bewirkt durch sein Wort, dass es überhaupt Leben gibt. Jesus selbst bezeichnet ihn bereits so: Vater. Viele würden heute hinzufügen: Gott ist auch Mutter. Aber wahrscheinlich greifen menschliche Begriffe auch hier schon viel zu kurz. Gott ist mehr, als ich mir denken kann.

Und Jesus ist derjenige, der uns wie kein anderer Gottes Wort nahe gebracht hat. Durch das, was er gesagt und durch das, was er getan hat. Aber auch bei Jesus muss ich eingestehen: Nicht alles, was er gesagt und getan hat, habe ich verstanden. Tröstlich finde ich, dass schon damals die Jünger nicht alles verstanden haben.

Deshalb – so stelle ich mir das weiter vor – ist da noch der Heilige Geist, der Beistand. Jesus sagt von ihm: Er wird euch in die volle Wahrheit einführen. Das heißt doch mit anderen Worten, es wird immer noch etwas bleiben, was wir nicht verstehen. Und genau das deckt sich mit meiner Erfahrung: Ich kann Gott, respektive das Leben, nie ganz verstehen. Manches begreife ich im Rückblick, manches aber auch nie. Und für mich bleiben immer mehr Fragen als es Antworten gibt. Das macht die ganze Sache ja auch spannend.

Ich empfinde es jedenfalls als eine wohltuende Botschaft, dass der dreifaltige Gott diese Lebensspannung selbst auch in sich trägt und aushält. Und dass er sie mit uns Menschen aushält.

Jesus musste selbst auch diese Spannung in seinem Leben erfahren: Auf der einen Seite weiß er, welche Möglichkeiten ein Leben im Vertrauen auf Gott erschließt. Und auf der anderen Seite fragt er selber nach diesem Gott. So verstehe ich jedenfalls seine Frage: Mein Gott, warum hast Du mich verlassen? Der Sohn versteht den Vater nicht und erduldet die gefühlte Gottverlassenheit.

Und dann musste Jesus auch immer wieder erleben, dass Menschen ihn nicht verstehen. Er musste erleben, dass Menschen hinter den von Gott gegebenen Möglichkeiten zurückbleiben: Weil sie nicht wollen, weil sie nicht anders können, weil ihnen das Vertrauen ins Leben fehlt, warum auch immer. Weil sie es nicht aushalten können, mit offenen Fragen und der damit verbundenen Spannung zu leben.

Ich glaube, dass Jesus oft an den menschlichen und allzu menschlichen Haltungen verzweifelt ist. Wenn ihr doch endlich vertrauen könntet! Wenn ihr doch darauf vertrauen könntet, dass alles Fragen einmal beantwortet wird.

Jesus selbst verheißt das ja: Der Heilige Geist wird euch in die volle Wahrheit einführen. Und das finde ich tröstlich und ermutigt mich, mit meinen Fragen zu leben: Jesus weiß, dass wir Menschen uns oft selber im Weg stehen. Dass wir manchmal nicht anders können. Dass wir uns manchmal so sehr in uns selber vergraben, dass kaum jemand an uns herankommt, und wir selber uns oft auch nicht verstehen. Dass wir zweifeln und an uns selber verzweifeln. Jesus weiß, dass wir Fragen haben. Er hat in der Begegnung mit den Menschen mitbekommen, was sie daran gehindert hat, dem Leben zu trauen, eben Gott zu trauen, und mit den Fragen zu leben.

Und genau das finde ich das Faszinierende an Gott in seiner Dreifaltigkeit: Er ist der Schöpfer und hält alles und jeden liebevoll in seiner Hand.

Jesus kennt selbst das Leben mit all seinen Freuden, Hoffnungen, und vor allem mit den Fragen und Leiden und mit all seiner Verzweiflung.

Und der Heilige Geist ist die Kraft Gottes in uns, Leben zu gestalten und zu bestehen. Und diese Dreifaltigkeit – besser: diese Einheit mit all ihrer Vielfalt – dürfen wir an unserer Seite wissen. Davon bin ich überzeugt.

Ja, ich weiß, es wird immer wieder Situationen im Leben geben, die Menschen an ihre Grenzen bringen, die sie nicht aufhören lassen zu fragen: „Warum?“: Krankheit; zerbrochene Beziehungen; Verletzungen und Kränkungen, unter denen Menschen ein Leben lang zu leiden haben; enttäuschtes Vertrauen; schließlich der Tod. Jeder und jede von uns kann diese Aufzählung durch eigene Erfahrungen ergänzen.

Und weil Gott um all das in unserem Leben weiß, zeigt er mir, dass er immer wieder da ist. Darauf vertraue ich. Auch wenn es nicht immer leicht fällt. Denn manchmal ist mein Gottvertrauen auch nur ein Stammeln und Suchen.

Das mit der Dreifaltigkeit bleibt ein Geheimnis des Glaubens. So wie Gott letztlich ein Geheimnis bleibt. Aber Gott hat aus sich kein Geheimnis gemacht: Er hat sich uns in Jesus geoffenbart und damit kennt er den Menschen, kennt er jeden von uns. Und dann ist da auch noch der Heilige Geist. Den sollten wir auch nicht unterschätzen, vielmehr auf ihn setzen, wenn es darum geht Fragen zu stellen, Fragen zu beantworten und Fragen auszuhalten.

Der Dreifaltige Gott, der in sich selbst Frage und Antwort ist: Hoch soll er leben, unser Gott. Dreimal hoch!


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Dieser Beitrag wurde am 07.06.2020 gesendet.





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