Wort zum Tage, 14.05.2020

von Sabine Lethen, Essen

Geht hinaus!

Dieses Jahr ist alles anders. Eigentlich würden wir jetzt in unserer Kirchengemeinde in Essen den Christi Himmelfahrtstag vorbereiten, der ja heute in einer Woche ist. Aber dieses Jahr, geht das eben nicht wie sonst. Schade – denn unsere Feier dieses Festes ist normalerweise echt außergewöhnlich. Vor ein paar Jahren dachten wir uns: „Wenn an diesem Tag alle Welt mit dem Bollerwagen ins Blaue zieht und feiert, könnten wir als Gemeinde das doch auch machen.“ 

Zu Himmelfahrt also einfach raus aus der Kirche, dahin, wo die Menschen sind und dann öffentlich feiern, was wir an diesem Tag zu feiern haben: Jesus Christus, der von den Toten auferstanden ist und uns losgeschickt hat mit dem Auftrag: Geht hinaus in alle Welt und verkündet die Frohe Botschaft bis an die Grenzen der Erde.

Ok – nicht bis an die Grenzen der Erde – aber wir überlegten, wohin der Ausflug am besten gehen könnte. Was brauchen wir vor Ort alles für einen ordentlichen Gottesdienst und ein anschließendes Beisammensein? Seither ziehen wir am Himmelfahrtstag tatsächlich mit dem Bollerwagen los. Ein aufstellbares Kreuz wird in den Wagen gepackt und eine Tischdecke. Ein Blumenstrauß muss mit und eine Vase. Eine Bibel ist natürlich auch dabei und ein Stapel Liedhefte.

Etliche Familien begleiten den Wagen, alle haben ein kleines Picknick im Rucksack. Nach gut anderthalb Stunden kommen wir zu einer Parkanlage am Stadtrand von Essen. Ein Klapptisch ist bereits aufgebaut und unser Kirchenmusiker erwartet uns schon mit seinem E-Piano. Die Decke kommt auf den Tisch, darauf die Blumen und das Kreuz und dann geht’s los. Erst ein Gottesdienst und dann das Picknick.

Immer wieder passiert es, dass Menschen, die nur einen Spaziergang durch den Park machen wollten, neugierig näherkommen. Manche stellen sich einfach dazu, andere singen oder beten mit.

Was ich besonders klasse finde: Nach dem Schlusssegen bilden sich kleine Gruppen. Die Rucksäcke werden ausgepackt und alles, was da zusammenkommt, wird miteinander geteilt – es reicht sogar für jene, die zufällig vorbei gekommen und dann hängen geblieben sind.

Und dieses Jahr? Werden wir Möglichkeiten und Wege finden, gemeinsam, sichtbar und unüberhörbar zu feiern – und damit auch die Botschaft weiterzusagen von diesem Jesus, der auferstanden ist, der die Welt und damit jeden Menschen liebt?

Ich weiß zwar nicht, wie es dieses Jahr an Christi Himmelfahrt wird, aber mich tröstet ein Satz, den Jesus bei seiner Himmelfahrt seinen Jüngern – und damit allen Menschen gesagt hat: „Ich bin bei euch alle Tage.“

Ich finde, damit sind wir schon sehr gut gerüstet.


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Dieser Beitrag wurde am 14.05.2020 gesendet.


Über die Autorin Sabine Lethen

Sabine Lethen, Jahrgang 1958, ist verheiratet, Mutter von vier erwachsenen Töchtern und Großmutter. Im Laufe des Lebens absolvierte sie eine Ausbildung zur Erzieherin, das Studium der Sozial- sowie der Religionspädagogik. Seit 2003 steht sie als Seelsorgerin im Dienst des Bistums Essen, seit 2017 leitet sie dort eine Gemeinde innerhalb einer Essener Pfarrei. Kontakt: sabine.lethen@bistum-essen.de

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