Morgenandacht, 06.05.2020

von Sören Callsen, Seevetal

Freude

Was brauche ich eigentlich wirklich? Was ist für mich unverzichtbar und bringt mich wirklich in Bedrängnis, wenn es fehlt?

Diese Frage ist Vielen ziemlich auf die Pelle gerückt in diesen Wochen der Corona-Krise. Natürlich ist räumliche Bewegungsfreiheit wichtig, um sich wohlzufühlen. Und Disziplin scheint auch zu helfen, wenn es darum geht, im Home-Office nicht zu verlottern. Aber für mich selber habe ich gemerkt, dass eine andere Ressource viel wichtiger ist: Freude.

In unserer Familie wurde und wird viel gelacht und herumgealbert. Wir können zwar auch ernst sein, aber an eine dauerhaft gedrückte Stimmung kann ich mich nicht erinnern. Wird es zu wolkig, kommt bald aus irgendeinem Mund eine scherzhafte Bemerkung, gern auch einmal an den Grenzen des guten Geschmacks entlang. Denn Lachen befreit, es nimmt einfach den Druck aus der Situation heraus. Deshalb ist Freude für mich ein echter Rettungsanker. 

Vor Ostern saß ich mit meiner Frau auf dem Sofa und wir machten uns Gedanken darüber, welche Auswirkungen die Kirchenschließungen auf das Gemeindeleben haben würden. Dann stellten wir uns vor, wie eine Familie am Karfreitag den Leidensweg von Jesus nachspielt und dabei feierlich über Spielzeug und Windeln stolpernd durch die enge Wohnung zieht.

Solcherlei Scherze sind natürlich nicht jedermanns Sache, gerade wenn ich an Kirche und Religion denke. Viele Menschen sind mit dem Bild eines übermächtigen und strafenden Gottes aufgewachsen. Für sie ist die Vorstellung eines humorvollen Gottes nicht mit seiner Würde und Größe vereinbar.

Ich hingegen bin der Ansicht, dass der Gott, der uns geschaffen hat, kein muffeliger Buchhalter unserer Sünden ist. Sondern einer der, auch was den Humor angeht, sicher größer ist als wir, die wir seine Kinder sind.

Und eigentlich sollte Religion doch immer auch ein Grund zur Freude sein. Jesus Christus jedenfalls hat uns allen Grund zum Jubeln gegeben, denn er hat uns mit seiner Auferstehung gezeigt, dass der Tod als endgültige Vernichtung von allem wirklich nur „Fake News“ ist. Das dürfen wir uns doch gerne noch mal auf der Zunge zergehen lassen: Es gibt keinen Tod unserer Seele. Ich bin mir sicher: Ganz viele unserer Ängste gehen darauf zurück, dass wir totale Angst vor diesem Nichts haben, wenn unser Körper im wahrsten Sinne des Wortes den Geist aufgegeben hat. Zu glauben, dass unser Weg weiter geht, ist für mich ein Riesen-Trost und macht Hoffnung auch in schweren Momenten. 

Wir haben also wirklich allen Grund zur Freude. Gerade wenn sich die Welt um mich herum kompliziert und bedrohlich anfühlt, hilft es mir, mich nach kleinen Zeichen von Freude umzusehen. Kinder, die zusammen rumalbern, ein Witz auf Facebook, den ich teilen kann. All das verbindet mich mit der Freude, die immer schon in mir drin ist als Möglichkeit und die sich dann entfalten kann.

Und vielleicht entdeckt doch noch der Eine oder Andere, dem Religion eher fremd ist, dass der Urquell aller Freude dieser unvorstellbare Gott ist, von dem es in der Bibel heißt:

"Macht euch keine Sorgen, denn „die Freude am Herrn ist eure Stärke“. (Nehemia 8,10)


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Dieser Beitrag wurde am 06.05.2020 gesendet.


Über den Autor Sören Callsen

Sören Callsen, Jahrgang 1963, lebt und arbeitet als Lerntherapeut mit seiner Familie in Seevetal bei Hamburg. Spirituell wirkt er neben dem katholischen Ehrenamt in seiner Gemeinde mit viel Freude in Print und Hörfunk an der Verkündigung des Glaubens mit. Kontakt:
scallsen@web.de Wittenberger Weg 3, 21218 Seevetal

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