4. Sonntag der Osterzeit

Predigt des Gottesdienstes aus der Pfarrkirche Vom Guten Hirten in Berlin Marienfelde

Predigt von Vikar Lukas Helleke

Liebe Schwestern, liebe Brüder im Glauben, liebe Hörerinnen und Hörer!

Was für ein ungeheuerlicher Satz von Jesus: „Ich bin gekommen, damit ihr das Leben in Fülle habt.“ Das „Leben in Fülle“ will er uns schenken? Aber wie viele Menschen glauben an Jesus, und beten zu ihm und haben alles andere als ein Leben in Fülle!? So viele sind allein, krank, oder sorgenvoll – gerade jetzt in der Zeit der Corona-Pandemie.

Ein Leben in Fülle, in berauschendem Glück suchen viele Menschen in Urlaub, Partys, Liebesbeziehungen oder Erfolg. Sie suchen und laufen dabei ein Leben lang dem Glück krampfhaft hinterher. Das kann es doch wohl auch nicht sein. Wir müssen Grenzen akzeptieren und irgendwann sogar das Zeitliche segnen. Meine persönliche Erfahrung deckt sich vielleicht mit Ihrer eigenen – gerade nach den besten Partys, nach den schönsten Momenten, stellte sich bei mir oft so ein eigenartiges, melancholisches Bauchgefühl ein, ein Gefühl von Leere und Vergänglichkeit… Es kann so bitter sein, die schönsten Momente eben doch nicht festhalten zu können. Sie zerrinnen uns wie Sand zwischen den Fingern. Wie schnell vergeht die Lebenszeit! Das kann doch wohl nicht alles gewesen sein!

Wo ist etwas, das bleibt? Wo ist etwas, das meinem Leben echten Sinn und echte Fülle gibt? Wo ist etwas, das es wirklich wert ist, dass ich mein Leben daran ausrichte oder verschenke?

Beim Blick in das heutige Evangelium müssen wir erschrecken, denn Jesus sagt uns nichts weniger als: ICH bin die Antwort auf alle Deine Lebensfragen. ICH bin die Tür zum Leben und nur bei MIR sind Sinn und Fülle und Freiheit zu finden. Nur bei mir. Was für ein unverschämter Anspruch! Wer glaubt dieser Jesus zu sein?!

Und ich sage Ihnen ganz ehrlich: Ich habe Respekt vor jedem Skeptiker, der Jesus für den Gipfelpunkt aller Arroganz hält und sagt: damit möchte ich nichts zu tun haben. Denn in der Tat lässt sich dieser Anspruch Jesu nicht einfach verifizieren und nachprüfen, so wie ich eine Mathematik-Aufgabe nachkontrollieren kann. Wenn Jesu Verheißung beweisbar wäre, wären wir Menschen nicht mehr wirklich frei, an Gott zu glauben. Wir hätten dann keine Wahl mehr und müssten Jesus folgen.

Bei diesem Anspruch Jesu, „die Tür zum Leben“ zu sein, handelt es sich aber eben nicht um etwas objektiv Nachprüfbares, als vielmehr um eine von uns persönlich zu entdeckende Wahrheit. Bei Türen im Allgemeinen ist es doch so: Wir erfahren erst, was dahinter liegt, wenn wir auch tatsächlich hindurchgehen! Es liegt an uns, das Dahinterliegende zu suchen und zu entdecken. Gerade im unbekannten Terrain sind wir auch oft gespannt und neugierig auf das Neue, was sich wohl hinter der Tür verbergen mag. So ähnlich ist es bei Jesus auch. Wenn wir diesen Schritt auf ihn zu nicht tun, werden wir nie erleben, welche Überraschung er für uns dahinter bereit hält oder welche neuen Perspektiven und Möglichkeiten sich dadurch eröffnen.

Meine persönliche Erfahrung als junger Priester ist: durch diese Tür hindurch zu gehen, ist das Beste, was mir in meinem Leben passiert ist. Und je mehr ich Jesus nachfolge und dadurch kennenlernen darf, desto mehr fasziniert er mich, desto mehr fange ich an, ihn zu lieben und zu verehren.

Wie könnte denn ein Schritt durch diese Tür konkret für uns aussehen?

Ich könnte mich zum Beispiel dazu entscheiden, feste Zeiten für die Bibel oder das Gebet in meinem Tag einzuräumen. Warum nicht morgens vor dem Frühstück 10 Minuten mit Gott verbringen?! Er freut sich auf Sie.

Durch die Tür hindurchgehen könnte auch bedeuten: ich springe über meinen Schatten und spreche mit einem guten Freund oder einer guten Freundin einmal über die wirklich existenziellen Dinge in meinem Leben, die Dinge, die mich wirklich umtreiben und nicht bloß wie immer über die Bundesliga oder meinen neuen Chef.

Durch diese Tür hindurchzugehen, kann auch gerade in dieser Zeit der Corona-Krise sehr konkret Gestalt annehmen, indem ich z.B. den Telefonhörer in die Hand nehme, um einem einsamen Menschen meine Zeit zu schenken und zuzuhören. Auch und gerade dann, wenn es mir schwer fällt.

Vielleicht kommt Ihnen auch eine ganz andere Idee, wie Ihr persönlicher Schritt durch diese Tür aussehen könnte. Ich mache Ihnen von Herzen Mut: Tun Sie es! Lassen Sie sich auf das Abenteuer mit Jesus ein und vertrauen Sie seinem Wort, Ihnen die Fülle des Lebens schenken zu wollen. Es ist ein Wagnis, das sich lohnt.

Das heißt natürlich nicht, dass sich mit einem Schlag alle meine Probleme lösen, aber das Leben fängt tatsächlich an, sich, wie Jesus sagt, „zu füllen“ und frei zu werden und tief und lebendig und heilig. Genau dieses „Leben in Fülle“ ist unsere Berufung als Christen!

Liebe Schwestern und Brüder, liebe Hörerinnen und Hörer, so lade ich Sie herzlich ein, egal, wo Sie gerade persönlich in Ihrem Leben stehen: Fassen Sie sich ein Herz und treffen Sie Ihre persönliche Entscheidung, durch diese Tür zu gehen, auf Jesus zu und entdecken Sie das Große, was er mit Ihnen in Ihrem Leben vorhat!


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Dieser Beitrag wurde am 03.05.2020 gesendet.





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