Feiertag, 19.04.2020

von Elena Griepentrog, Berlin

„Thomas, fass mich an!“ (Joh 20,27) – Warum Menschen Berührungen brauchen

Berührungen sind im Grunde überlebenswichtig für uns Menschen. Das fällt vor allem jetzt in der Corona-Zeit auf, in der sie selten geworden sind. Kleine, alltägliche Berührungen weichen dem obligatorischen Sicherheitsabstand. Eine zwischenmenschliche Katastrophe?

© Makenna Entrikin / Unsplash

Zack – da liegt sie vor mir auf dem Bürgersteig. Erst ist die Frau um die siebzig, die mir entgegenkommt, nur gestrauchelt, dann verliert sie ganz das Gleichgewicht. Und fällt nach vorn auf den Bauch. Obwohl sie recht sportlich aussieht, ist sie an den unebenen Steinplatten auf den Bürgersteigen Berlins hängen geblieben. Reflexartig eile ich zu ihr, ob sie sich etwas getan habe, will ihr aufhelfen. Sie wehrt ab, mit weit aufgerissenen Augen.

Richtig, der Sicherheitsabstand. Ihre Angst sticht mir kurz ins Herz. Mein menschlicher Reflex zu helfen, macht Angst. Natürlich kann ich sie verstehen, ich weiche sofort auf zwei Meter zurück. Aber es tut weh, wenn wir so miteinander umgehen müssen. Was ist das für eine Plage, die uns so umerzieht, gegen unsere Natur? Wird es auf Dauer so bleiben, auch nach der miesen Herrschaft, irgendwann, dieser Königin, dieser „Corona“?

Ich glaube nicht, dass es so bleibt mit dem Abstand zwischen uns. Unsere Instinkte und unsere Erziehung sind wohl doch zu stark. Unser Bedürfnis, einander beizustehen, natürlich auch in einer mitfühlenden Berührung. Aber unsere Angst voreinander, die Angst vor jeder Nähe unter 1 ½ Metern, wird wohl noch lange mitschwingen. Ein ganz neuer Reflex. Eigentlich eine zwischenmenschliche Katastrophe. Ist doch Berührung so wichtig für uns alle, für eine gesunde Seele und auch für einen gesunden Körper.

Berührungen sind auch in der Bibel wichtig 

In der Bibel, dem großen Buch über das Menschsein, über die Höhen und Tiefen, sind viele Geschichten zentral mit menschlicher Berührung verbunden. Heute, am Weißen Sonntag, dem ersten Sonntag nach Ostern, steht der Jünger Thomas im Zentrum, oft auch „der Zweifler“ genannt. Gleich nach der Kreuzigung, dem Sterben und der Auferstehung von Jesus Christus fordert Thomas ein Zeichen ein, dass Jesus wirklich lebt. Ein sichtbares, fassbares Zeichen - für etwas, dass für ihn wohl genauso schwer vorstellbar ist wie für uns heute. Denn Thomas ist Jude, wie alle frühen Jünger. Und die Juden damals glauben meist nicht an ein Leben nach dem Tod.

„Am Abend dieses ersten Tages der Woche, als die Jünger aus Furcht vor den Juden die Türen verschlossen hatten, kam Jesus, trat in ihre Mitte und sagte zu ihnen: ‚Friede sei mit euch!‘

Nach diesen Worten zeigte er ihnen seine Hände und seine Seite. Da freuten sich die Jünger, dass sie den Herrn sahen. Jesus sagte noch einmal zu ihnen: ‚Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch.‘

Thomas, einer der Zwölf, war nicht bei ihnen, als Jesus kam. Die anderen Jünger sagten zu ihm: Wir haben den Herrn gesehen. Er entgegnete ihnen: Wenn ich nicht die Male der Nägel an seinen Händen sehe und wenn ich meinen Finger nicht in die Male der Nägel und meine Hand nicht in seine Seite lege, glaube ich nicht. Acht Tage darauf waren seine Jünger wieder versammelt und Thomas war dabei. Die Türen waren verschlossen.

Da kam Jesus, trat in ihre Mitte und sagte: ‚Friede sei mit euch!‘ Dann sagte er zu Thomas: ‚Streck deinen Finger aus – hier sind meine Hände! Streck deine Hand aus und leg sie in meine Seite und sei nicht ungläubig, sondern gläubig!‘ Thomas antwortete ihm: ‚Mein Herr und mein Gott!‘“

(Joh 20, 19-21+ 24-28)

Glauben kann man fühlen: innen und außen

Es gibt ein berühmtes Gemälde von Caravaggio zu genau dieser Szene aus dem Joahnnesevangelium. Ein leichenblasser Jesus und drei Jünger, alle schon gesetzte Herren, faltig, mit langen Bärten. Thomas bohrt dem jugendlichen Jesus – nicht von dieser Welt, nicht von jener Welt – mit kaltem, fast wissenschaftlichem Blick seinen überlangen Finger tief ins Fleisch. Fast schon unappetitlich, auf jeden Fall ein dramatisches Bild.

Doch das Seltsame ist: In der Bibelstelle aus dem Johannes-Evangelium steht überhaupt nicht, dass Thomas wirklich die Wunden des auferstandenen Jesus berührt. Er braucht es wohl nicht mehr. Sein vermutlich gestammeltes „Mein Herr und mein Gott“ ist ein Glaubensbekenntnis, überwältigt, aus allen Tiefen.

Und doch wissen die psychologisch versierten Autoren der Bibel genau: Wir glauben instinktiv eher das, was wir sehen und was wir anfassen können. So sind wir Menschen nun mal. Und gleichzeitig tröstlich zu wissen: Es gibt nicht nur die äußerliche Berührung, so wie Thomas sie sich zuerst wünscht. Sondern eben auch die innere Berührung. Sie ist etwas abstrakter, aber genauso wirksam. „Selig, die nicht sehen und doch glauben.“ Glauben ist eben keine Kopf- sondern eine Erfahrungssache. Etwas, das man fühlen kann. Äußerlich wie innerlich.

Berührungen geben Halt

Corona zwingt uns zu Abstand – ganz gegen unsere Natur. Denn Berührung ist Leben! Sie ist die Basis unserer Existenz. Eine Urerfahrung, die schon im Mutterleib beginnt. Ein Fötus soll schon in der achten Woche auf die Berührungen seiner Mutter reagieren. Wenn sie über ihren Bauch streicht, drückt sich der Fötus offenbar nahe an die Bauchdecke. Später fängt er an, gegen die Bauchdecke zu treten – der erste direkte Kontakt von Eltern und Kind. Wenn das Kind dann auf der Welt ist, aufwächst, entwickelt es durch Berührung ein Gefühl für sich selbst.

Auch wir Erwachsenen brauchen Berührung. Ich jedenfalls bin ein Berührungsmensch, ein Erbe meiner familiären Wurzeln in Osteuropa. Ich mag den selbstverständlichen Körperkontakt zwischen Menschen, ein sattes Schulterklopfen hier, ein zartes Antippen am Arm dort, eine Umarmung unter Freunden, ein beiläufiges Streicheln über den Rücken. Auch einen warmen Händedruck mit einem herzlichen Lächeln.

Durch Körperkontakt fühle ich mich mit meinen Mitmenschen verbunden, auf einer ganz basalen Ebene. Ohne große Erklärungen. Und meine liebsten Menschen sind mir gerade in der liebevollen Berührung so nahe. Berührung ist ja immer gegenseitig, anders als bei den anderen Sinnen. Ich kann niemanden berühren, ohne dabei nicht auch selbst berührt zu werden. 

Warum wir Berührungen so brauchen

Ein Leben ohne Körperkontakt? Undenkbar! Berührung kann aber noch viel mehr, schreibt der Wiener Arzt und Physiologe Cem Ekmekçioglu in seinem Buch „Drück mich mal“

„Wir alle brauchen Halt im Leben. Leider ist in großen Teilen unserer Gesellschaft das Wissen darum verloren gegangen, wie sehr dieser Halt mit dem Bedürfnis zusammenhängt, berührt zu werden. Nur wer angefasst wird, kann auch gehalten werden. (S. 13)

Als Erwachsene haben wir gelernt, unsere Bedürfnisse im Zaum zu halten. Wir wissen, dass wir nicht immer alles haben können, was wir möchten. Damit es uns trotzdem gut geht, tun wir so, als wäre alles in Ordnung. Wir lassen der Vernunft Vortritt vor dem Instinkt und ignorieren die Signale unseres Körpers, der gern mit emotionaler und physischer Nähe gefüttert werden möchte. (…)

Es fällt uns umso leichter, wenn uns in der Hektik des Alltags die Zeit an allen Ecken und Enden fehlt und wir sie dort einsparen, wo sie am verzichtbarsten erscheint – beim warmen Miteinander. Wir begeben uns somit langsam, aber sicher in die Berührungsarmut.“ (S. 69)

Steckt in der Corona-Krise eine Chance?

Fehlt uns einfach das Bewusstsein darüber, dass wir etwas vermissen? Die Zeit kann es ja eigentlich nicht sein. Trotz Arbeit und Alltagshektik soll jeder Smartphone-Besitzer im Durchschnitt rund 2 ½ Stunden pro Tag mit seinem Handy verbringen. Das wird gestreichelt und gehätschelt. Andere sind eng befreundet mit ihrem Fernseher.

Die Zeit könnten wir sicher auch anders nutzen. „Geht Oma drücken“ – hieß kürzlich eine Kampagne einer Krankenkasse. Recht so! Denn vor allem unsere Alten werden noch weniger berührt. Obwohl doch der Tastsinn der einzige unserer fünf Sinne ist, der uns bis zum Schluss praktisch voll erhalten bleibt. So wie er schon am Anfang unseres Lebens der erste voll funktionstüchtige Sinn ist.

Lässt uns Madame Corona vielleicht sogar erkennen, dass uns etwas fehlt – jetzt, da wir kaum noch jemanden berühren dürfen? Da wir kaum noch berührt werden? Finden wir andere Wege, uns gegenseitig gut zu tun? Ich weiß nicht so recht. Corona macht uns ja nicht automatisch zu besseren Menschen, leider. Sie macht – wie die meisten richtigen Krisen – alles nur deutlicher.

Manche Menschen wachsen über sich hinaus, helfen anderen, wo sie können. Oder nutzen die Zeit, um Stille und Leere und das Wesentliche zuzulassen, ihr Leben neu zu justieren. Auf der Straße versuchen viele, dem anderen den Raum von 1,5 Metern zu lassen, weichen aus. Aber es gibt eben auch die, die einfach stur ihren Weg gehen. Die mit ihrer Musik im Ohr beschäftigt sind oder ihrem Handy. Oder einfach mit sich. Gefangen in sich selbst.

Am merkwürdigsten scheint mir, dass die meisten Menschen, ob rücksichtsvoll oder nicht, sich jetzt nicht einmal mehr ansehen. Kein Kontakt. Als ob schon Angucken ansteckend wäre. Ein Reflex des Gehirns, weil die Situation so unnatürlich ist? Wann halten wir sonst schon zwei Meter Abstand voneinander, jedenfalls in der Stadt? 

Die heilende Kraft der Berührung Jesu

Berührung – das scheint mir ein Teil des Geheimnisses des Jesus von Nazareth zu sein, dieses Wanderpredigers, der damals vor allem arme, einfache Leute anspricht. Er berührt sie, innerlich wie äußerlich. Alte und Junge, Männer und – als frommer Jude damals eigentlich undenkbar – auch Frauen. Er berührt ihren Körper genauso wie ihre Seelen und ihren Geist. Und er lässt sich von ihnen berühren, ist nahbar. Und immer wieder legt er ihnen auch die Hände auf, heilt sie. Zwar gibt es im Römischen Reich sehr gute Ärzte, fast immer Griechen, aber fast ausschließlich in den Städten. Wer auf dem Land lebt, ist auf normale Menschen angewiesen, die vielleicht einfach heilbegabt sind.

„Jesus verließ das Gebiet von Tyrus wieder und kam über Sidon an den See von Galiläa, mitten in das Gebiet der Dekápolis. Da brachten zu ihm einen, der taub war und stammelte, und baten ihn, er möge ihm die Hand auflegen. Er nahm ihn beiseite, von der Menge weg, legte ihm die Finger in die Ohren und berührte dann die Zunge des Mannes mit Speichel; danach blickte er zum Himmel auf, seufzte und sagte zu ihm: „Effata!“, das heißt: „Öffne dich!“ Sogleich öffneten sich seine Ohren, seine Zunge wurde von ihrer Fessel befreit und er konnte richtig reden. Jesus verbot ihnen, jemandem davon zu erzählen. Doch je mehr er es ihnen verbot, desto mehr verkündeten sie es.“

(Markus 7, 31-36)

Im antiken Judentum gilt jede Krankheit, jede Behinderung auch als Störung der Beziehung vom Menschen zu Gott. Der eigenen Beziehung zu Gott, manchmal auch der der Vorfahren oder des ganzen Volkes. So hat jede Heilung, jede Bitte um Heilung, immer auch eine spirituelle Ebene – die Bibel ist eben immer nahe am ganzen Menschen.

Jesus nimmt den armen Mann zur Seite, raus aus der Menge, so heißt es in der Bibel. Er ist ganz bei ihm, schaut ihm wahrscheinlich tief in die Augen, nimmt ihn wahr. Das wird für den Mann sehr berührend sein, denn Taubstumme gelten als geistig zurückgeblieben. Endlich einer, der mich als Mensch wahrnimmt, auch wenn ich weder hören noch sprechen kann. Der mit mir liebevoll umgeht. Dem ich vertrauen kann.

Und so wird der Mann auch einverstanden damit sein, dass Jesus ihm die Finger in die Ohren steckt. Da, wo sein tiefer seelischer Schmerz steckt. Jesus berührt diesen Schmerz. Und dann die Zunge. Die andere große Wunde des Taubstummen. Jesus berührt sie mit seinem Speichel. Das kommt uns heute seltsam vor, aber in der Antike gilt Speichel als ausgesprochen heilend. Jesus heilt auch diese tiefe Wunde des Mannes durch eine beinahe mütterlich-fürsorgliche Berührung. Und dann die befreienden Worte: „Effata - Öffne dich!“. Wieder dieses seelische, dieses spirituelle Öffnen. Eine Heilung von Leib und Seele. Durch Berührung, durch Zuwendung.

Wenn die Berührung eine Bedrohung ist

Wir alle brauchen Berührung, damit es uns gut geht. Die einen mehr, die anderen weniger. Zupackend oder ganz vorsichtig. Doch auch das gibt es: Rühr! Mich! Nicht! An! – schreibt der Arzt und Buchautor Cem Ekmekçioglu.

„Jedem Menschen wohnt zwar ein Grundbedürfnis nach Zärtlichkeit inne, doch man kann immer nur so gut damit umgehen, wie man es von Kindesbeinen an gelernt hat. Ein Kind, das selten berührt und nie in den Arm genommen wird, das nie Zeuge von Berührungen seiner Eltern wird, sieht das als Normalzustand und praktiziert das unter Umständen sein Leben lang weiter. Berührungsarmut wird von Generation zu Generation vererbt.“ (S. 75/76)

Wenn gar Gewalt oder Missbrauch dazu kommen, dann wird Berührung sehr zweischneidig. Die falsche Berührung mit falschen Absichten oder vom falschen Menschen können extrem verstören.

„Es gibt genug Menschen, die sich einerseits nach körperlicher Nähe sehnen, andererseits aber Angst davor haben. Berührungen stellen für sie aus ihrer eigenen Berührungsgeschichte heraus teilweise eine Bedrohung dar. Sie bekommen bei zärtlichem Körperkontakt ein ungutes Gefühl und fühlen sich oft in die Enge getrieben. Sei es, weil sie eine bestimmte Berührung früher als unangenehm erlebt haben, sei es, weil sie als Kind nicht liebevoll umarmt, sondern vielmehr beklammert wurden. Sie müssen erst lernen, berührt zu werden. In Körperkontakt zu treten klingt zwar unglaublich einfach, aber für viele bedarf es einer enormen Überwindung, das zuzulassen. (…) Einfach im Arm gehalten und umarmt zu werden, das ist für viele Menschen nicht leicht. Aber man kann es lernen.“ (S. 83)

Vor allem für Männer scheint es oft schwer, absichtslose Berührungen zuzulassen. Welcher Mann ist von seinem Vater liebevoll in den Arm genommen worden? Durfte mit ihm freundschaftlich raufen? Hatte in seinem Vater einen echten Rückhalt, einen Halt im Rücken beim Erwachsenwerden? Fast alle meiner männlichen Freunde haben ihren Vater schmerzlich vermisst. Und diese Väter ihren eigenen Vater auch schon.

Auch längst nicht alle Mütter konnten ihre Kinder liebevoll begleiten und ihnen selbstlos Halt geben. So merken viele Männer gar nicht mehr, dass ihnen Berührung fehlt. Haltende Berührung. Oft wird das Bedürfnis einfach in sexuelle Aktivitäten umgelenkt. Doch das Loch tief in ihnen bleibt. Ein Fass ohne Boden. Weil es das falsche Fass ist.

Die innere Berührung zulassen

Corona quält. Corona macht ungeduldig. Corona nervt. Alle Menschen, die ich gern um mich habe – ich kann sie nicht berühren. Ich werde von ihnen nicht berührt. Aber es gibt Hoffnung. Denn Berührung ist eben nicht nur äußerlich. Auch die innere Berührung trägt und nährt, auch und gerade in diesen Zeiten.

Ein Film, der mich emotional packt, warum nicht mal eine Kitsch-Oper, die ich sonst nie anrühren würde? Musik, intensiv zuhören, körperlich erleben. Zum Heulen schön! Jemanden anrufen, bei ihm sein, seine Stimme hören, ohne Ablenkungen. Wie geht es ihm oder ihr in dieser Situation?

Berührtsein auf ganz neue Weise. Der Gottesdienst im Internet. Die Kirche ist fast leer, aber die wenigen Gesichter sind mir vertraut – Pfarrer, Lektorin, Kantor, Ministranten. Unser gemeinsamer Blick gen Himmel scheint mir intensiver als sonst. Ein Glas Rotwein bei Kerzenschein, die Stille dabei in mich einlassen und in mir wirken lassen. Wer weiß, welche Gefühle sich melden? Freude über die Ruhe, Dankbarkeit für all das, was mir jetzt gerade viel bewusster wird. Aber auch Unruhe und Angst, Traurigkeit, vielleicht sogar Verzweiflung. Es darf sein. Vielleicht kommt auch die Sehnsucht nach einem größeren Gegenüber, danach, alles bei Gott abzulegen und mich einfach mal anzulehnen.

Und auch äußerlich ist doch so viel zu machen, sogar, wenn ich gerade ganz allein bin, mir die Decke auf den Kopf fällt. Ich mich abgeschnitten fühle vom Leben.

Das Leben spüren – auch ohne Berührungen

Warum nicht dem Menschen, der mir auf der Straße ausweicht, ein dankbares Lächeln schenken. Vielleicht schenkt er mir ein warmes Lächeln zurück. Die Berührung mit dem Partner, der Partnerin, den Kindern, den WG-Genossen, vielleicht ist sie wieder wärmer als sonst, wieder häufiger. Hilft bestimmt auch gegen manchen Lagerkoller, der uns immer wieder mal packt. Freundliche Massagen und Selbstmassagen, die Katze mit ihrem weichen Fell, ein heißes Bad mit Lavendelduft, nackte Haut unter warmer Decke. Vielleicht auch mal harten Heavy Metal, Techno oder Hiphop hören, abtanzen. Energie-Überschuss abbauen. Das Leben spüren!

Wir Menschen brauchen eben die Berührung, wie Luft, Nahrung, Schlaf, Lieben und Geliebtwerden. Sonst wird das Leben nur halb, zwar möglich, aber irgendetwas fehlt eben, etwas Entscheidendes. Der jüdische Wanderprediger Jesus von Nazareth hat das genau gewusst. Deshalb hat er berührt und ließ sich berühren. So ist es wohl ein liebevolles Entgegenkommen, das er seinem zweifelnden Freund und Jünger einfach mal gönnt – wenn er sagt: „Thomas, fass mich an!“ Und – sicher mit einem freundlichen Augenzwinkern: „Sei nicht ungläubig, sondern gläubig.“

Die redaktionelle Verantwortung hat Martin Korden

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Buchhinweis:

Cem Ekmekçioglu: „Drück mich mal – Warum Berührungen so wichtig für uns sind“

Musik:

Where can I go (Jocelyn B. Smith)

I Muvrini, II/2, 0,51-1,44

I Muvrini, I /4, ab 0,34

Hallelujah (Jeff Buckley), ab 0,47

How many times (J.B. Smith), ab 2,29


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Dieser Beitrag wurde am 19.04.2020 gesendet.


Über die Autorin Elena Griepentrog

Elena Griepentrog ist Hörfunk-Journalistin/Feature-Autorin und arbeitet für die Kulturwellen diverser ARD-Sender. Ihr Fokus liegt auf den Bereichen Zeitgeschehen/Gesellschaft, Religionen und Psychologie. Außerdem arbeitet sie in Berlin als Buisiness- und Entwicklungscoach mit dem Schwerpunkt: "Die eigene Berufung. Und was uns davon abhalten kann, sie zu leben".

Kontakt

www.elena-griepentrog.de

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