Wort zum Tage, 03.04.2020

von Andreas Brauns, Schellerten 

Gott braucht dich nicht – er liebt

„Gott braucht dich nicht.“ So heißt ein Buch. „Gott braucht dich nicht“, damit ist eigentlich alles gesagt. Aber wenn er mich nicht braucht, warum sollte ich dann an ihn glauben oder an ihm zweifeln: Wozu? Und mit ihm rechnen muss ich schon gar nicht, denn er braucht mich ja nicht. Und ich? Ich brauche ihn auch nicht. Es ist ohnehin kein Platz für ihn im Alltag. Die Welt ist viel zu schnell für Gott.

Das war früher anders. Als die Menschen noch Nomaden waren, konnten sie nicht leben ohne Gott. Und er auch nicht ohne sie. So ist es zumindest gewesen, wenn man den Berichten aus der Bibel folgt. Vor allem den ersten Kapiteln: Etwa, wenn die Rede ist von Noach oder Abraham. Bei diesen großen Gestalten des Glaubens ist klar: Gott hat sie gebraucht. Ohne sie wäre er nicht zum Ziel gekommen. Wenn Noah vor der Sintflut keine Arche gebaut hätte, wäre alles Leben auf der Erde dem Untergang geweiht gewesen. Nichts hätte überlebt. Gott hätte neu anfangen müssen mit den Lebewesen.

Gilt also „Gott braucht dich nicht“ nur für mich und meinesgleichen? Nein, ich glaube: Gott braucht mich tatsächlich nicht. Und: Er hat auch Noach und Abraham nicht gebraucht. Er hat aber nicht an ihnen vorbei gehandelt. Gott hat sich eingelassen auf Menschen, ist ihr Gott geworden. Und so hat er Noach und seine Familie vor dem Wasser gerettet. Bei allem Groll auf die Menschen, Gott wollte nicht ihr Ende. Im ersten Buch der Bibel heißt es nach der großen Sintflut von Gott:

„Ich werde den Erdboden wegen des Menschen nie mehr verfluchen; denn das Trachten des menschlichen Herzens ist böse von Jugend an. Ich werde niemals wieder alles Lebendige schlagen, wie ich es getan habe.“

(Gen 8, 21b-d)

Gott ändert sein Verhalten, weil er seine Geschöpfe liebt. Er, der zerstört hat, ist ein liebender Gott. Die Bibel ist voll von solchen Erfahrungen, die Menschen mit diesem Gott gemacht haben: Gott, der seine Geschöpfe nicht braucht, der sie aber liebt. So sehr liebt, dass er selbst auf die Erde kommt.

So glauben es Christen. Gott ist in Jesus Christus Mensch geworden. Und er hat andere um sich versammelt. Er hat ihnen vertraut und sie zu zweit losgeschickt, um in seinem Namen zu handeln. Und das Unglaubliche geschah: Sie haben getan, was Jesus selbst getan hat. Aber hat Jesus sie darum gebraucht? Nein, auch für die Jünger gilt wohl „Gott braucht dich nicht“.

Aber bei ihnen kommt hinzu: Gott hat sie trotzdem gerufen. Alle Evangelien erzählen davon. Jesus hat Menschen um sich gesammelt. Er wollte nicht allein handeln, sein Funke sollte überspringen, um die Welt zu verändern. Jesus, das war nicht der Schriftgelehrte oder Priester, der die Menschen auf Abstand hält zu Gott. Er hat ihnen in seinen Erzählungen und in seinem Tun deutlich gemacht: Gott ist euch ganz nah, denn er liebt euch.

Die redaktionelle Verantwortung für diesen Beitrag liegt bei Martin Korden, Senderbeauftragter der Deutschen Bischofskonferenz für Deutschlandfunk Kultur.


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Dieser Beitrag wurde am 03.04.2020 gesendet.


Über den Autor Andreas Brauns

Andreas Brauns wurde 1962 geboren. Er ist verheiratet und Vater von drei Töchtern. Nach dem Theologiestudium in Frankfurt am Main und Freiburg im Breisgau absolvierte er seinen Zivildienst in Hannover. Während dieser Zeit gab es erste Kontakte zur kirchlichen Rundfunkarbeit. Seit 1995 arbeitet er als Redakteur im „Katholischen Rundfunkreferat für den NDR“. Zudem arbeitet er seit einigen Jahren auch als Beauftragter für Funk- und Fernsehen im Bistum Hildesheim. Ein Wort des Apostels Paulus im Römerbrief begleitete ihn seit dem Studium: „Wie sollen sie an den glauben, von dem sie nichts gehört haben? Wie sollen sie hören, wenn niemand verkündigt?“

Kontakt
andreas.brauns@bistum-hildesheim.de


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